Nach Brexit-Votum Wirtschaft in Großbritannien wächst deutlich schwächer

Die britische Wirtschaft hat stärker an Fahrt verloren als erwartet. Vor allem der Einzelhandel und der wichtige Dienstleistungssektor bremsen den Aufschwung.

Londoner Geschäftsviertel Canary Wharf
REUTERS

Londoner Geschäftsviertel Canary Wharf


Die Wirtschaft Großbritanniens hat zu Beginn des Jahres einen Dämpfer bekommen. Im ersten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent gewachsen, teilte das nationale Statistikamt ONS mit. Das ist der geringste Anstieg seit einem Jahr. Volkswirte hatten mit einem Wachstum um 0,4 Prozent gerechnet.

Zuvor war die britische Wirtschaft auf einem deutlich stärkeren Wachstumskurs. Im vierten Quartal 2016 hatte die Wirtschaftsleistung noch um 0,7 Prozent zum Vorquartal zugelegt.

Die Daten kommen für Premierministerin Theresa May eher ungelegen. Denn sie will sich bei vorgezogenen Wahlen Anfang Juni stärkere Rückendeckung im Parlament für die Verhandlungen zum EU-Austritt holen. Nun zeigt sich aber, dass der Brexit die Konjunktur bremsen dürfte. Finanzminister Philip Hammond sagte nach den BIP-Daten zwar, die Wirtschaft sei widerstandsfähig. Aber viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Konjunktur sich in den nächsten Monaten weiter abkühlen dürfte.

Einzelhandel schwächelt

Verantwortlich für den Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal waren vor allem ein langsameres Wachstum im wichtigen Dienstleistungssektor und dem Einzelhandel. Das Wachstum im Dienstleistungssektor ging von 0,8 Prozent im vierten Quartal 2016 auf 0,3 Prozent in den ersten drei Monaten 2017 zurück. Der Einzelhandel leidet unter der gesunkenen Konsumfreude der britischen Verbraucher.

Nach dem Volksentscheid zum EU-Austritt vom Juni 2016 war das Pfund eingebrochen. Die Währungsschwäche beflügelt zwar die Exporte, hat aber die Inflation spürbar nach oben getrieben. Die Verbraucherpreise kletterten im März auf das höchste Niveau seit September 2013 und verharrten im April bei 2,3 Prozent. Dies setzt die Kaufkraft der Briten unter Druck.

Hammond sieht Wirtschaft in guter Verfassung

Hammond spielte die Bedeutung der Zahlen herunter. Die britische Wirtschaft sei in einer guten Verfassung. "Die Beschäftigungszahlen sind auf einer Rekordhöhe und sollen weiter steigen", sagte Hammond dem Nachrichtensender Sky News.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon machte den Kurs von Premierministerin May auf einen harten Brexit für die schlechten Zahlen verantwortlich. Sie forderte einen Verbleib des Landes im Europäischen Binnenmarkt.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
yoda56 28.04.2017
1. Einbruch?
Statt 0,4% jetzt 0,3% Wachstum im ersten Quartal - man fällt immer wieder auf die reißerischen Überschriften bei SPON herein!
finnebobbel II 28.04.2017
2. Das Heulen und Zaehneklappern......
......in Small Britain wird erst dann richtig zu hoeren sein, wenn die Weltwirtschaft in die naechste und unvermeidlche Krise steuert. Insbesondere dann machen sich Binnenmaerkte und Freizuegigkeit wirklich positiv, mindestens aber unterstuetzend bemerkbar. Aber diese grundsaetzlichen Zusammenhaenge wurden fahrlaessig wenn nicht vorsaetzlich nicht vermittelt, wie so viele andere wichtige Dinge. Die Rechnung werden genau diejenigen zahlen, die den Ratten fangenden Populisten aufgesessen sind. Genauso wie jetzt schon in den USA gut zu beobachten ist. Herrlich finde ich dabei allerdings die Performance von Mrs May - neben ihrem auffaelligen Schuhwerk bleibt da nicht viel Substanz. Viel Spass beim Pokern mit wirklich miesen Karten, die zudem auch noch allen anderen Spielern am Tisch mehr als bekannt sind. Und ich dachte, sie haetten BSE damals wirklich in den Griff bekommen. Sieht nicht so aus......
skr72 28.04.2017
3. Wie verrückt muss man eigentlich sein
wenn man ohne Not den Ast absägt auf dem man sitzt. Nichts macht blinder als Patriotismus und nichts macht den Aufschlag härter. Wir Deutschen können ein Lied davon singen. Das haben wir anderen Ländern voraus: Die müssen das noch lernen...
chrisho 28.04.2017
4. Bitte etwas weniger reißerisch...
0.1% Rückgang, "Einbruch" würde ich das jetzt nicht nennen, wie es die Überschrift des Artikels sugeriert.
stedaros 28.04.2017
5.
Zitat von yoda56Statt 0,4% jetzt 0,3% Wachstum im ersten Quartal - man fällt immer wieder auf die reißerischen Überschriften bei SPON herein!
war irgendwie klar, dass ein solcher Artikel kommt, nur sollte ,man auch die Grundrechenarten eines Erstklässlers beherschen. 0,4 - 0,3 ist wieviel? achso doch noch plus, ups. Wiki könnte helfen das zu verstehen.
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