Russland-Treffen Brics-Staaten rechnen mit dem Westen ab

In Russland demonstrieren die Brics-Staaten Nähe und üben massive Kritik am Westen. Ihre Pläne für die kommenden Jahre: Mehr Wachstum, bessere Konkurrenzfähigkeit und eine "multipolare politische Weltordnung".

  Vier der fünf Brics-Staaten-Chefs:  Engere Zusammenarbeit und mehr politische Themen
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Vier der fünf Brics-Staaten-Chefs: Engere Zusammenarbeit und mehr politische Themen


Mit massiver Kritik am Westen und dem Versprechen, künftig enger zusammenzuarbeiten haben die Brics-Staaten ihr Treffen in Russland beendet. Die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika vereinbarten in Ufa eine neue Strategie bis 2020.

Ziel sei es, Wachstum und Konkurrenzfähigkeit der Brics-Staaten in der Weltwirtschaft zu erhöhen, sagte Kreml-Chef und Gastgeber Wladimir Putin. In ihrer Abschlusserklärung kritisieren die fünf Staaten auch die "neoliberale Globalisierung". Diese Wirtschaftsordnung, die von der westlichen Welt bestimmt wird, vernichte Arbeitsplätze sowie Ökosysteme.

Im Kommuniqué von Ufa vereinbarten die Staatschefs das Ziel, eine neue "multipolare politische Weltordnung" aufzubauen, ohne sich einem Diktat des Westens und "diskriminierenden Wirtschaftssanktionen" zu beugen. Angestrebt werde eine gerechtere Ordnung der internationalen Beziehungen, heißt es in dem 18-Punkte-Papier. Laut Deklaration sehen sich die Brics-Staaten als "Struktur einer neuen globalen Steuerung". Chinas Staatschef Xi Jinping nannte den Prozess "unumkehrbar".

In ihrer Erklärung bekunden die Staaten auch die Absicht, eine neue Entwicklungsbank zu gründen, die mit Währungsreserven in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar ausgestattet werden soll. Diese soll ein Gegengewicht zu dem vom Westen dominierten Internationalen Währungsfonds (IWF) bilden. Damit wollen die Schwellenländer den Reformdruck auf IWF und Weltbank erhöhen.

Nach Darstellung von Putin haben die Brics-Staaten unter anderem engere Kooperationen bei Investitionen und Handel, aber auch in Energie- und Kulturfragen sowie bei humanitären Problemen vereinbart. Die Staatengemeinschaft kritisiert die USA und die EU für ihre Politik in ökonomischen Krisenzeiten. "Wir können nicht zustimmen, dass die Maßnahmen einer harten Wirtschaftsführung, die zu Misserfolgen in Europa und in den USA geführt haben, "Wege aus einer Krise" sind", heißt es in der Erklärung.

Themen am zweiten und letzten Tag des Brics-Gipfels waren auch die Finanzkrise in Griechenland sowie der Ukraine-Konflikt. Die Brics-Staaten wollten sich künftig mehr als bisher mit politischen Fragen befassen, sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow. "Aber die Politik wird nicht die wirtschaftlichen Fragen überdecken - wie das bei der G7 passiert ist", sagte der Diplomat mit Blick auf die Gruppe der großen sieben Industrienationen. Russland war wegen seiner umstrittenen Politik im Ukraine-Konflikt von den G7 ausgeschlossen worden.

brk/dpa



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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
boer640 09.07.2015
1.
5 von diesen Staaten sind humanitäre Probleme... Korruption, Kriminalität, Vetternwirtschaft, Gewalt...
thorsten35037 09.07.2015
2.
Sie haben Recht: die Amerikaner dulden keine gleichberechtigten Staaten neben sich; ein selbstbewusst auftretendes Russland ist ihnen ein Dorn im Auge. Deshalb wird seit Jahren an der Demontage Putins gearbeitet. Bewusst werden Bedrohungsszenarien für die baltischen Staaten aber auch für Skandinavien entworfen. Die Amerikaner brauchen Feindbilder und Schurkenstaaten um ihre riesige Army und Waffenindustrie zu beschäftigen. Wünsche den Brics viel Glück!
muellerthomas 09.07.2015
3.
Zitat von thorsten35037Sie haben Recht: die Amerikaner dulden keine gleichberechtigten Staaten neben sich; ein selbstbewusst auftretendes Russland ist ihnen ein Dorn im Auge. Deshalb wird seit Jahren an der Demontage Putins gearbeitet. Bewusst werden Bedrohungsszenarien für die baltischen Staaten aber auch für Skandinavien entworfen. Die Amerikaner brauchen Feindbilder und Schurkenstaaten um ihre riesige Army und Waffenindustrie zu beschäftigen. Wünsche den Brics viel Glück!
Militärausgaben in Prozent der Wirtschaftsleistung: USA: 3,5% Russland: 4,5% Auch bei den Waffenxporten im Verhältnis zum BIP liegt Russland vorne.
markus_wienken 09.07.2015
4.
Zitat von boer6405 von diesen Staaten sind humanitäre Probleme... Korruption, Kriminalität, Vetternwirtschaft, Gewalt...
Yep. "Putzig" auch die Kritik an der neoliberale Globalisierung aus dem Munde Chinas...
karlo_sliskovic 09.07.2015
5.
Warum ist under tem Titel "Brics-staaten rechnen mit dem Westen ab". Das Bild von Tsipras und seinen Polit-Kollegen zu sehen? Wenn ich den Artikel aber öfne ist da auf einmal ein anderes Bild? Was soll das?
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