Brief an Kreditgeber: Griechischer Parteichef sagt Ja zum Sparprogramm
Der Druck der internationalen Kreditgeber zeigt Wirkung: Der Chef der griechischen Konservativen hat sich zum Sparprogramm für das hochverschuldete Land bekannt. In einem Brief an EU und IWF verlangt er aber auch Nachbesserungen.
Athen - Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) wollen Griechenland nur dann weiter Geld überweisen, wenn die Regierung einen harten Reform- und Sparkurs umsetzt. Nach einigem Hin- und Her haben die Kreditgeber nun die schriftliche Zusage eines wichtigen Politikers. Der Chef der konservativen Partei Nea Dimokratia, Antonis Samaras, hat sich zu den Zielen des Sparprogramms bekannt. Seine Partei arbeite konsequent für einen Erfolg der Maßnahmen, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen, schrieb Samaras an die EU, die Euro-Gruppe, die Europäischen Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF).
Zunächst blieb zwar unklar, ob die EU mit diesem Brief zufrieden ist, doch Samaras' Schreiben dürfte ein wichtiger Schritt sein: Weil er sich als einziger Spitzenpolitiker seines Landes bisher einem klaren Bekenntnis zum Sparprogramm verweigert hatte, stand die Auszahlung der nächsten Kreditrate von acht Milliarden Euro an sein Land auf der Kippe. Ohne dieses Geld wäre Griechenland Mitte Dezember zahlungsunfähig.
Die EU hatte gedroht, sie werde die Tranche nicht auszahlen, wenn sich nicht alle Entscheidungsträger schriftlich zum Sparprogramm bekennen. Samaras hatte eine schriftliche Festlegung als überflüssig und erniedrigend abgelehnt.
Nun lenkte er zwar ein, doch Samaras will offenbar nicht alle Maßnahmen ohne weiteres akzeptieren. Er äußert vorsichtig die Ansicht, dass einige Schritte "strengstens im Rahmen des Programms" erneut besprochen werden könnten, da sie bislang erfolglos geblieben seien. Die Wirtschaft schrumpfe zum fünften Jahr in Folge, betonte er.
Notenbankchef sieht Reformen als letzte Chance
Der griechische Notenbankchef Giorgos Provopoulos warnte, das jüngste Rettungsprogramm der EU sei die letzte Chance für Griechenland, in der Euro-Zone zu bleiben. Ansonsten werde das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen. Die Regierung müsse sich mit aller Kraft bemühen, die Steuerhinterziehung zu bekämpfen und erste Überschüsse durch Reformen und Einsparungen zu erzielen, forderte die Notenbank.
mmq/dpa
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- Mittwoch, 23.11.2011 – 17:35 Uhr
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Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.
Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Fläche: 131.957 km²
Bevölkerung: 11,305 Mio.
Hauptstadt: Athen
Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias
Regierungschef: Antonis Samaras
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