Bargeld-Debatte Wirtschaftsministerin Zypries gegen Schäubles Obergrenzen-Vorschlag

Schäuble plädiert für Obergrenzen für Bargeldgeschäfte. Wirtschaftsministerin Zypries sieht das kritisch: Der Eingriff in die Freiheit normaler Bürger sei unverhältnismäßig.

500-Euro-Scheine
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Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat sich gegen eine Abschaffung des Bargelds ausgesprochen. "Bargeld muss auch weiterhin ein wichtiges Zahlungsmittel bleiben. Es hat auch in Zeiten der Digitalisierung seine Berechtigung", sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch.

Ihre Berater hatten sich in einem Gutachten gegen Überlegungen gewandt eine Obergrenze für Bargeldtransaktionen einzuführen. "Es ist zu befürchten, dass solche Obergrenzen vor allem normale Bürger und normale Aktivitäten betreffen, da Schattenwirtschaft und Kriminalität sich der Überwachung leichter entziehen beziehungsweise alternative Zahlungsmethoden aufbauen können", heißt es einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium: "Der Eingriff in die Freiheit normaler Bürger erscheint als unverhältnismäßig."

Schäuble und andere EU-Finanzminister loten seit Längerem Bargeld-Obergrenzen in Europa aus - auch im Kampf gegen Terrorfinanzierung und Geldwäsche. In mehreren EU-Staaten gelten bereits Grenzen für Bargeldzahlungen: In Frankreich liegt diese bei 1000 Euro, in Italien bei 3000 Euro. Schäuble schlägt 5000 Euro vor. Es geht in der Debatte aber nicht um die generelle Abschaffung von Bargeld.

Kritiker bezweifeln, ob mit solchen Obergrenzen Kriminalität bekämpft werden kann. Sie verweisen etwa darauf, dass es in Ländern mit einer Bargeld-Obergrenze nicht weniger Kriminalität gebe.

Die Verbraucher in Deutschland zahlen trotz wachsendem Onlinebanking weiter gerne mit Münzen und Scheinen. Laut Bundesbank ist der Wert des in Umlauf gebrachten Bargelds 2016 um rund sieben Prozent gestiegen.

hej/dpa-AFX



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rainerwäscher 05.04.2017
1. Was soll das?
Wie wollte man eine Bargeldobergrenze denn durchsetzen? Was über 5000 € bezahlt man denn bar? Mein seriöser Autohändler wollte eine Überweisung aber wer hindert mich daran, einem anderen Händler oder einem Privatmann 10000 € bar in die Hand zu drücken? Notfalls zahlt man halt in 2 Raten à 5000 €. Das gleiche gilt z.B für Handwerkerleistungen. D.h. diese Obergrenze ergibt nur Sinn als Einstieg in ein komplettes Bargeldverbot zur Totalüberwachung der Bürger und Durchsetzung von Negativzinsen.
watch15 05.04.2017
2. Erst denken Herr Schäuble
Wie soll ich dann mein gebrauchtes KFZ verkaufen? Bargeld gegen Fahrzeugschein geht dann ja wohl nicht mehr. Für hohe Bargeldtransaktionen gibt es ein Geldwäschegesetz und gegen Kriminelle hoffentlich eine gut ausgebildete Polizei. Die Rechte und Freiheiten der Bürger soll weiter beschnitten werden mit dem Ziel, irgendwann vollste Kontrolle über Besitz oder Vermögenswerte zu bekommen.
joke61 05.04.2017
3. Der letzte Abschnitt sagt doch aus was die Bundesbürger wollen
Die Verbraucher in Deutschland zahlen trotz wachsendem Online-Banking weiter gerne mit Münzen und Scheinen. Laut Bundesbank ist der Wert des in Umlauf gebrachten Bargelds 2016 um rund sieben Prozent gestiegen. Also bitte auch danach handeln und nicht wieder Mehrheiten unterdrücken!
jj2005 05.04.2017
4. Kein Problem
Hier in Italien gilt seit Ewigkeiten eine Obergrenze, und es stört niemanden. Im letzten halben Jahrhundert habe ich auch nie das Bedürfnis gehabt, irgendwas mit mehr als 1000 Euro Wert in bar zu bezahlen. Wozu gibt es Banken, wozu gibt es Schecks, warum soll ich soviel Kohle in der Tasche rumtragen? Eine merkwürdige, sehr deutsche Diskussion über die "Abschaffung" des Bargelds ist das. Aber die Geldwäscher werden sich über den "Widerstand" freuen.
round_robin 05.04.2017
5. Größtmöglicher Blödsinn
Es gibt viele Gründe, warum die Abschaffung von Bargeld nicht nur irre sondern auch gefährlich ist. 1. Kinder lernen durch Erfahrung und Begreifen von Zusammenhängen. Begreifen hat was mit "greifen", also halten und festhalten zu tun. Wie will man Kinder zu verantwortungsvollen Menschen erziehen, wenn sie nie ein Gefühl für Geld und seinen Wert entwickeln können? Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder den Umgang mit dem Zahlungsmittel leichter lernen, wenn sie es physikalisch in den Fingern haben als wenn sie auf einem ohnehin ständig verlorenen, verlegten, defekten oder batterieentleerten Gerät als ominöse, abstrakte Zahl angezeigt bekämen. 2. Die Regierung hat unter dem Aspekt des Bevölkerungsschutzes ganz klar die Anweisung gegeben, immer etwas Bargeld für Notfälle im Hause zu haben. Genaue Anweisungen kann man hier herunterladen: http://www.bevoelkerungsschutz-portal.de/SharedDocs/Downloads/BVS/DE/Selbstschutz/Massnahmen/Katastrophenalarm.html 3. Mein Neffe will sich ein tolles Spielzeug oder Fahrrad kaufen. Es wäre ziemlich blöde, wenn ich nicht sagen könnte "naja, dann gehe mal für mich einkaufen, kriegste 5 € für". Das Verwenden von kompliziertem, elektronischen Zahlungsmittel ist hier hinderlich. Kinder dürfen vom Gesetz her ab 7 Jahren kleine Geschäfte erledigen, s. BGB. Wenn es nur noch theoretisches, also nichtphysikalisches Geld gäbe, wäre die Frage, ob das Kind mit 7 Jahren ein solches Konto, darauf würde es immer hinauslaufen, eröffnen könnte. Als ich Kind war, hatte ich jederzeit auf meine Spardose vollen Zugriff. Was ist mit Einschränkung der Barzahlungen? Nur geraten: Nun, jetzt sind es 5000 €, in 4 Jahren nur noch 2000 € und in 10 Jahren wird es dann gänzlich abgeschafft. Sobald man da einmal den Gedanken etabliert hat, wird es immer weiter verschärft werden, bis wir Banken, Staat und Co. vollständig ausgeliefert sind. Ich möchte das nicht! Wer ein Auto kauft, möchte es vielleicht bar zahlen, vor allem, wenn man privat von privat kauft. Da sind 10'000 € durchaus üblich. Wenn ich Möbel oder Küchengeräte kaufe, komme ich auch auf diese Summen. Handwerkerleistungen wurden von jemandem vor mir genannt - theoretisch auch, auch wenn ich hier bei solchen Beträgen eher zögerlich wäre. Eine Obergrenze fände ich total daneben. Warum sollen eigentlich 95% der Bevölkerung leiden, weil 5% sich nicht an Regeln halten wollen? Das ist ebenfalls etwas daneben. Im Grunde werden wir alle schuldig gesprochen und müssen Repressalien auf uns nehmen, auch wenn wir gar nichts verbrochen haben.
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