Steuerspartricks Britisches Parlament nimmt Google-Manager in die Mangel

Google, Apple und Co. geraten wegen ihrer Steuerspartricks immer stärker unter Druck. In London zitierte ein Parlamentsausschuss den Nordeuropa-Chef von Google zum Rapport - und übte scharfe Kritik. In den USA soll Medienberichten zufolge Apple-Chef Tim Cook vor dem Senat aussagen.

Googles Nordeuropa-Chef Matt Brittin vor Parlament in London: Gereizte Abgeordnete
REUTERS

Googles Nordeuropa-Chef Matt Brittin vor Parlament in London: Gereizte Abgeordnete


London/Washington - Googles Nordeuropa-Chef Matt Brittin hat einem britischen Parlamentsausschuss Rede und Antwort wegen umstrittener Steuerspartricks des Konzerns stehen müssen. Dabei ging es auch um mögliche Falschaussagen Brittins vor dem Parlament im vergangenen Jahr. Damals hatte Brittin bekräftigt, Google würde von London aus keine Akquise bei britischen Kunden betreiben.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte hingegen aufgedeckt, dass der Konzern in London durchaus Verkaufsmitarbeiter anstellte. Dadurch wären eigentlich auch höhere Abgaben fällig gewesen. Von 2006 bis 2011 setzten die Amerikaner 18 Milliarden Dollar in Großbritannien um, zahlten jedoch nur 16 Millionen Dollar an Steuern.

Vor dem Londoner Parlamentsausschuss sagte Brittin am Donnerstag, er sei sich sicher, dass Google Chart zeigen gegen keine Gesetze verstoßen habe. Zugleich räumte er aber ein, dass doch Mitarbeiter in London im Verkauf gearbeitet hätten. Diese hätten aber keine Abschlüsse vorgenommen.

Die Abgeordneten reagierten gereizt auf Brittins Erklärungen. Die Ausschussvorsitzende Margaret Hodge kritisierte, Google halte sich nicht an sein eigenes Motto "Sei nicht böse". Der Konservative Stephen Barclay sagte, die Argumente Brittins zögen bei ihm nicht.

Apple sparte mit Trick geschätzte 9,2 Milliarden Dollar Steuern

Nicht nur die Steuerpraxis von Google, sondern auch die anderer großer US-Konzerne wie Amazon Chart zeigen, Apple Chart zeigen und Starbucks Chart zeigen steht seit längerem in der Kritik. Aufgrund bestimmter Verrechnungen müssen die Firmen äußerst geringe Abgaben in Ländern wie Großbritannien, aber auch Deutschland oder den USA leisten.

Dabei verschieben internationale Konzerne ihre Profite in Länder mit niedrigen Steuersätzen und kombinieren unterschiedliche Steuervorteile der einzelnen Staaten. Im Februar hatten daher die Finanzminister der G20-Staaten beschlossen, entsprechende Steuerschlupflöcher schließen zu wollen.

Auch in den USA sind die Großkonzerne unter Druck geraten. So soll übereinstimmenden Berichten von "Wall Street Journal" und dem Internetportal Politico zufolge Apple-Chef Tim Cook bei einer Anhörung des US-Senats auftreten. Cook soll demnach als Zeuge befragt werden. Ein Apple-Sprecher erklärte, der Konzern stehe mit dem Ausschuss in Kontakt, äußerte sich aber nicht direkt zum Cook-Auftritt. Die Teilnehmerliste der Sitzung am kommenden Dienstag wird erst am Freitag veröffentlicht.

Aufsehen hatte Apple jüngst mit einer spektakulären Anleiheauktion erregt. Der iPhone-Hersteller sammelte damit am Kapitalmarkt 17 Milliarden Dollar ein, um für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe nicht auf seine großteils im Ausland liegenden Reserven zurückgreifen zu müssen. Würde Apple das Geld nämlich in die Heimat holen, müsste der Konzern hohe Steuern zahlen. Analysten rechneten aus, dass Apple durch diesen Schachzug 9,2 Milliarden Dollar an Steuern gespart habe.

fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
u.loose 16.05.2013
1. Trick hin, Trick her
Offenbar ist es nicht illegal... Also liegt es an den Gesetzen...
les2005 16.05.2013
2. Stimmt so nicht
Zitat von sysopREUTERSGoogle, Apple und Co. geraten wegen ihrer Steuerspartricks immer stärker unter Druck. In London zitierte ein Parlamentsausschuss den Nordeuropa-Chef von Google zum Rapport - und übte scharfe Kritik. In den USA soll Medienberichten zufolge Apple-Chef Tim Cook vor dem Senat aussagen http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/britische-abgeordnete-befragen-google-manager-wegen-steuerspartricks-a-900385.html
Apple hat durch besagten Schachzug überhaupt keine Steuern gespart. Gespart hätten sie Steuern, wenn sie es geschafft hätten, das Geld ohne Steuern in die USA zurückzuholen. So sitzt der ganze Cash weiterin irgendwelchen Überseegebieten und wartet darauf, beim Rücktransfer versteuert zu werden. Apple hat sich also lediglich für ziemlich viel Geld Zeit gekauft. 9,2 Milliarden am Markt aufzunehmen und zu verzinsen, weil man hofft und darauf wartet daß sich ein neues Steuerschlupfloch auftut...Tolles Unternehmen und tolle Unternehmensstrategie
kannmanauchsosehen 16.05.2013
3.
Zitat von sysopREUTERSGoogle, Apple und Co. geraten wegen ihrer Steuerspartricks immer stärker unter Druck. In London zitierte ein Parlamentsausschuss den Nordeuropa-Chef von Google zum Rapport - und übte scharfe Kritik. In den USA soll Medienberichten zufolge Apple-Chef Tim Cook vor dem Senat aussagen http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/britische-abgeordnete-befragen-google-manager-wegen-steuerspartricks-a-900385.html
Sehr glaubwürdig, wer predigt denn immer den freien Markt und unterhält Steuerparadiese. Alles nur Show!
didiastranger 16.05.2013
4. Die Briten
rennen ihrem eigenen System hinterher. Die Briten sind es doch die mit ihrren Steueroasen ueber Jahrzehnte die CITY gespnsert haben. heute regen sie sich ueber die irmen auf die diese luecken nutzen. TYPISCH BRITISH! Wie ich immer schon sage: GB ist ein nicht vertrauenswuerdiges Land .
hugahuga 16.05.2013
5. Weltweit agierende Finanz-Artisten, die
Zitat von sysopREUTERSGoogle, Apple und Co. geraten wegen ihrer Steuerspartricks immer stärker unter Druck. In London zitierte ein Parlamentsausschuss den Nordeuropa-Chef von Google zum Rapport - und übte scharfe Kritik. In den USA soll Medienberichten zufolge Apple-Chef Tim Cook vor dem Senat aussagen http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/britische-abgeordnete-befragen-google-manager-wegen-steuerspartricks-a-900385.html
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