Inflation nach Brexitvotum Britische Notenbank hebt Leitzins auf höchsten Stand seit Finanzkrise

Seit dem Brexit-Votum hat das Pfund an Wert verloren, die Inflation in Großbritannien liegt weit über dem Teuerungsziel. Nun steuert die Notenbank mit einer Leitzinserhöhung gegen.

Bank of England Mark Carney
FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Bank of England Mark Carney


Die britische Notenbank hat ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise gehoben. Der Leitzins stieg um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent, teilte Mark Carney, Chef der Bank of England mit. Dies ist das höchste Zinsniveau seit dem Jahr 2009, als die damalige Finanzkrise auf die Gesamtwirtschaft übergriff und eine schwere Rezession auslöste. Nach dem Brexit-Referendum 2016 hatte die Notenbank den Zins reduziert, diesen Schritt aber im Herbst 2017 rückgängig gemacht.

Als wichtigster Grund für die Zinsanhebung gilt die über dem Inflationsziel der Notenbank liegende Teuerung - eine indirekte Folge des Brexit-Votums. Durch eine Erhöhung des Leitzinses wird es für Kreditinstitute teurer, sich Geld bei der Zentralbank zu leihen. Diese reichen wiederum die Preiserhöhung an Unternehmen und Verbraucher weiter. Kredite werden teurer, Sparen lohnt sich wieder mehr. Somit sinkt die Nachfrage, und Anbieter können die Preise von Waren nicht mehr so leicht erhöhen.

Allerdings schränken höhere Leitzinsen den Konsum ein und bremsen so das Geschäft der Unternehmen. Angesichts der stockenden Verhandlungen über den Austritt des Landes aus der EU und die aus dem Brexit resultierenden wirtschaftlichen Risiken erhöhen sich Unsicherheiten bei Unternehmern.

Endlich verständlich: Die wichtigsten Antworten zum Brexit.

Entscheidung fiel einstimmig

Der Kurs des britischen Pfunds stieg nach Bekanntwerden der Zinsanhebung. Dazu trug auch bei, dass die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss der Notenbank einstimmig fiel. Das ist bei der Bank of England sehr selten.

Die Notenbank stellte zudem weitere Zinsanhebungen in Aussicht, falls sich die Wirtschaft wie erwartet entwickeln sollte. Für 2018 rechnet die Bank of England mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, 2019 wird eine Wachstumsrate von 1,8 Prozent erwartet. Die Inflation dürfte Erwartungen zufolge nur langsam in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der Notenbank sinken. (Eine Einschätzung des britischen Notenbankchefs zur aktuellen Finanzlage lesen Sie hier.)

ans/dpa-AFX



insgesamt 2 Beiträge
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kaltmamsell 02.08.2018
1. "Relativ" und "Absolut" sind zwei lustige Kumpane
Relativ wurde der Zins um 50 Prozent angehoben. Absolut gesehen, im Umfeld bisheriger Zinssätze, ist das neu festgesetzte Niveau auch nicht gerade so schwindelerregend höher. Aber es reicht zumindest aus, die Aussagen zu den Folgen und Auswirkungen des aktuell geltenden, erhöhten Zinsniveaus als "nicht falsch" ergo "wahr" zu bestätigen. Fake News sind das nicht. Und wer die Lupe zur Hand nimmt, kann tatsächlich enorme Veränderungen bestätigen.
lanzelot72 02.08.2018
2. Wechselkurs
Der Kurs des Pfund stieg? Wirklich? Also, kurzfristig tatsächlich, nur um dann sofort wieder deutlich (3-fach) unter das Ausgangsniveau abzufallen. Strohfeuer nennt man so etwas.
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