BDI zu Brücken in Deutschland Sanierungen sind "keine Frage des Geldes"

Nach dem Einsturz einer Brücke in Genua wird nun auch die Sicherheit deutscher Bauwerke hinterfragt. Politik und Industrie fordern eine schnellere Modernisierung baufälliger Brücken.

Wiesbadener Salzbachtalbrücke (Symbolbild)
DPA

Wiesbadener Salzbachtalbrücke (Symbolbild)


In der Sicherheitsdebatte nach der Katastrophe in Genua sind Forderungen nach einer schnelleren Sanierung von Brücken in Deutschland laut geworden worden. "Autobahnbrücken zu erneuern, ist dank sprudelnder Steuereinnahmen keine Frage des Geldes, es ist eine Frage der Zeit geworden", teilte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit.

Auslöser der Debatte war der tragische Einsturz einer Autobahnbrücke in Italien: Während eines Unwetters am Dienstagabend war ein langer Abschnitt des vielbefahrenen Polcevera-Viadukts in Genua eingestürzt und hatte etliche Fahrzeuge in die Tiefe gerissen. Mindestens 40 Menschen kamen ums Leben, bis zu 20 weitere galten als vermisst.

In Deutschland gibt es nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen etwa 39.600 Brücken. Bei elf Prozent davon empfehlen Kontrolleure dringend Reparaturen. Bei zwei Prozent gebe es so gravierende Mängel, dass unbedingt etwas geschehen müsse - bis hin zum Neubau.

Weil der Verkehr auf den Straßen der Republik zunehme, müssten viele Prognosen zur Haltbarkeit korrigiert werden, teilte der BDI mit. Das gelte besonders für Bauwerke aus den Sechzigerjahren sowie für die vielen Spannbetonbrücken. Genehmigungsverfahren müssten schneller und einfacher werden, vor allem für Ersatzneubauten von Brücken, forderte der BDI weiter.

Die SPD-Verkehrspolitikerin Kirsten Lühmann äußerte ähnliche Kritik. Demnach müssten in Deutschland vorhandene Mittel schnell genutzt werden. Sie kündigte in einem Interview mit der "Heilbronner Stimme" an, dass in den kommenden Jahren Milliardenbeträge für Brückensanierungen zur Verfügung gestellt würden. Um die Arbeiten zu beschleunigen, solle zügig ein sogenanntes Planungsbeschleunigungsgesetz beschlossen werden. Zudem werde man die Planungskapazitäten erhöhen.

kmy/dpa/AFP



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kraus.roland 16.08.2018
1. Die Katastrophe von Genua..
..sollte dem politischen Schmierentheater um die Autobahn -Privatisierung hierzulande ein Ende bereiten. In der ganzen Ära Merkel verzögern die zuständigen CSU-Minister Investitions- und Sanierunbgsprojekte mit dem hartnäckig verfolgten Hintergedanken, diese ( von uns allen bezahlte Infrastruktur ) für die Privatisierung 'reif' zu machen. Wenn unser Wahlvolk nicht endlich deutlich macht, dass es diesen arglistigen Betrug am Vermögen des Landes nicht mitmacht, werden wir uns in ähnlichen Verhältnissen wiederfinden. Autobahnen und Brücken zumal sind keine 'Bonanza' für Aktionäre!
matti99 16.08.2018
2. vielfach Flick-Schusterei
bei uns herrscht vielfach Flick-Schusterei: da werden 100 m Straße erneuert, die anderen 600 des kompletten Abschnittes jedoch nicht, "weil die entscheidenen Löcher" fehlen, die jedoch nach dem nächsten Winter da sein werden. Mit LangsamFahr-Strecken, auf 30 oder 50 km/h, heruntergebremste Fahrabschnitte werden dann die eigentlich zu reparierenden Teile überbrückt - ohne Rücksicht auf die entstehenden Kosten der hier fahrenden Autos (längere Arbeitszeit von Mensch und Fahrzeug, Verspätungen etc.) aber in der Kostenrechnung der Straßenbauer werden die Kosten der Benutzer ja nicht bilanziert. Ganz allgemein ist für die Unterhaltung unserer Infrastruktur zu wenig Geld im System.
rainercom 18.08.2018
3. Es muß immer erst etwas schlimmes passieren
dann werden alle Wach und schreien nach Abhilfe. Aber es ist zu Spät! Sieh Straßen,Schulen,Kitas.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.