Zukunft der Eurozone Französischer Finanzminister dementiert Zwist mit Deutschland

Bruno Le Maire gibt sich doppelt optimistisch: Der französische Finanzminister glaubt, dass Paris und Berlin bei der Reform der Eurozone zueinanderfinden - und dass sich ein Handelskrieg mit den USA vermeiden lässt.

Bruno Le Maire (r.), Olaf Scholz
REUTERS

Bruno Le Maire (r.), Olaf Scholz

Von


Frankreichs Finanzminister Bruno le Maire rechnet nicht mit einem Kurswechsel der neuen Bundesregierung in der Europapolitik, wohl aber damit, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) im Vergleich zu seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble(CDU) gemäßigtere Töne anschlägt. "Ich erwarte keine andere Politik von Deutschland", sagte le Maire dem SPIEGEL am Rande des G20-Finanzministertreffens in Buenos Aires.

Die Positionen Deutschlands und Frankreichs in der Frage, wie die europäische Wirtschafts- und Währungsunion weiterzuentwickeln und zu vertiefen sei, lägen ohnehin nahe beieinander. "Es gibt keine Kluft zwischen Deutschland und Frankreich", sagte Le Maire. "Alles andere ist unwahr." Es sei wichtig, dass die Regierungen beider Länder bis zum EU-Gipfel im Juni zu einem Kompromiss fänden.

Die französische Regierung wartet seit Monaten auf eine Antwort aus Berlin auf die Vorschläge von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zur Fortentwicklung der Eurozone. Er hatte unter anderem einen europäischen Finanzminister vorgeschlagen, der ein gemeinsames Budget für die Währungsunion verwalten soll.

Vor allem kleinere Mitgliedsländer beobachten die Gespräche zwischen den beiden großen EU-Staaten mit Mistrauen. Zuletzt hatte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte die Pläne Macrons in einem SPIEGEL-Gespräch abgelehnt und davor gewarnt, dass Deutschland und Frankreich über die Köpfe kleinerer Mitgliedstaaten hinweg die Zukunft der Eurozone bestimmen. "Ich verstehe nicht, warum sich die Niederlande in eine solche Position bringen", sagte Le Maire.

Der französische Finanzminister zeigte sich zuversichtlich, dass durch das G20-Finanzministertreffen die Chancen gestiegen seien, einen Handelskrieg mit den USA zu vermeiden. Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin hatte bei den Diskussionen in Buenos Aires vor allem China angegriffen. "Ich glaube, es ist für Europa eine Einigung mit den USA möglich", sagte le Maire. "Wir müssen einen Handelskrieg unbedingt vermeiden." Er hätte katastrophale Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum der betroffenen Länder.

insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tomlex27 20.03.2018
1. Wenn Macron und sein Finanzminister meinen,
...dass Deutschland die total bescheuerten Pläne Macrons übernehmen, also im Prinzip die, dass Deutschland für die Nichtwettbewerbsfähigkeit dieses und der anderen Länder zahlt, dann ist das zunächst einmal ein Trugschluß. Macron ist ein Schwätzer, der einfach mal große Pläne macht, ohne diese mit anderen abzustimmen. Was wohl auch besser so ist, denn diese beinhalten, dass andere dafür zahlen sollen. Wenn das kommt ist Europa sich nicht näher gekommen, sondern es wird final das Ende sein. Es genügt schon, dass eine Vollpfeife wie Draghi die Südländer auf Kosten deutscher Sparer entlastet. Es bringt nur leider nichts, Wirtschaftswachstum nur dann zu generieren, wenn man sich ständig dafür Geld pumpt.
mariuscaesar 20.03.2018
2.
Die nördlichen Euro Staaten machen bei den Plänen von Macron sowieso nicht mit. Also was soll das mediale Rumgeeiere ob die deutsche Politik da mitmacht? Die Euro Zone besteht nicht nur aus Deutschland und Frankreich.
lupenrein 20.03.2018
3. Der
Deal zwischen Macron und Merkel ist längst beschlossene Sache. Scholz muss natürlich die Öffentlichkeit beruhigen und überzeugen, wie hart man um deutsche Interessen kämpft. Der 'große Europäer' Schulz hat noch lauthals verkündet, dass er die EU großzügig mit Steuergeldern unterstützen will, auch von einem EU-Finanzminister war er angetan, sowie von einer Vergemeinschaftung der Schulden in der EU.
liberaleroekonom 20.03.2018
4. Doppelt soviele beamtete Staatssekretäre bedeutet doppelte Kompetenz
Nun, da Herr Scholz die Anzahl der beamteten Staatssekretäre in seinem Haus von zwei auf vier verdoppeln will, verdoppelt sich sicherlich auch die Fachexpertise im Bundesfinanzministerium. Und vermutlich nur deshalb gibt sich jetzt der französische Finanzminister auch doppelt optimistisch. Denn doppelt kompetente Fachkollegen auf europäischer Ebene zu haben, kann niemals schaden.
flytogether 20.03.2018
5. Dank an die Niederländer,
die in vielen Positionen Klartext reden (Transferunion, Türkei), wohingegen andere Regierungen (Deutschland) nichtssagende Statements abgeben. Deren Charakter fordert mir mehr Respekt ab.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.