Buffett, Gates und Co. Amerikas Superreiche starten Spendenrevolution

40 US-Milliardäre geben die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke. Die Initiatoren Bill Gates und Warren Buffett wollen jetzt weitere Superreiche für den Plan gewinnen - und die Idee nach Asien exportieren. Es wäre eine Revolution des Spendenwesens.

Von Lars Halter, New York


Das "Hollywood Diner" am Flughafen von Omaha im US-Bundesstaat Nebraska ist sicher kein typisches Restaurant, wo Milliardäre essen gehen. Die Bänke sind mit Kunstleder überzogen, die Tische aus Plastik und die Speisekarte fällt dürftig aus. Genau der richtige Ort, um eine kleine Revolution zu starten, dachten sich wohl Warren Buffett und Bill Gates im März des vergangenen Jahres.

Die beiden reichsten Männer Amerikas hatten sich damals in diesem unspektakulären Lokal verabredet, um bei Hühnchen (Buffett) und Cheeseburger (Gates) eine der vielleicht wichtigsten Initiativen ihres Lebens zu starten: Können wir es schaffen, die Superreichen im Land des Überflusses zu überreden, einen Großteil ihres Vermögens sozialen Zwecken zu spenden?

Nur ein Jahr später können sie einen ersten beinahe unglaublichen Erfolg vermelden: 40 Milliardäre in den USA haben der Microsoft-Gründer Gates und der Investmentguru Buffett überzeugt, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden - so wie sie es vorher schon selbst getan haben.

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Initiative der Milliardäre: Die Mitglieder
Diese einzigartige Aktion, an der sich rund zehn Prozent aller US-Milliardäre beteiligen, dürfte schätzungsweise mehr als 100 Milliarden Dollar zusammenbringen - und das gesamte jährliche Spendenaufkommen in Amerika problemlos verdoppeln. Wichtiger noch: Die Initiative könnte eine neue Ära der Wohltätigkeit in den USA, wenn nicht sogar weltweit, einläuten.

Gates und Buffett wählten einen symbolträchtigen Ort für die ersten Gespräche

Doch einfach würde es nicht sein, die Superreichen zu historischen Spenden zu bewegen, ahnten Buffett und Gates schon beim Treffen im "Hollywood Diner". Sie hatten daher für die ersten geheimen Gespräche mit anderen Superreichen im Mai 2009 einen symbolträchtigen Ort gewählt: die Präsidenten-Villa der Rockefeller University an New Yorks edler Upper East Side. Aufmerksame Geladene dürften schon geahnt haben, was auf sie zukommt. Schließlich hatte sich der Universitätsstifter John D. Rockefeller in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Namen als großer Wohltäter gemacht.

So durfte auch Rockefeller-Enkel David auf der Gästeliste nicht fehlen. Mit dabei waren auch der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, die Talkshow-Ikone Oprah Winfrey, Medienmogul Ted Turner, Investment-Legende George Soros und eine Handvoll weiterer Milliardäre aus der Finanz- und Filmbranche.

Die Runde einigte sich darauf, dass jeder Angesprochene sich selbst überlegen sollte, wie viel er zum Leben bräuchte. Der Rest soll in den Spendentopf gehen. Daraus formulierte man ein erstes Ziel: Die Superreichen sollten versprechen, zu Lebzeiten oder nach ihrem Tod "mindestens die Hälfte ihres Vermögens" zu geben. Für welchen Zweck, sollte dem Spender überlassen werden.

"Wir haben in New York Achtung vor erfolgreichen Leuten. Aber noch mehr vor Leuten, die sich um ihre Mitmenschen kümmern", begründet New Yorks Bürgermeister Bloomberg sein Engagement. Der Reichtum des Medienunternehmers wird auf 18 Milliarden geschätzt. "Ich will irgendwann mal in den Spiegel gucken, kurz bevor endgültig die Lichter ausgehen, und sagen: Okay, Du hast die Welt ein kleines Stückchen besser gemacht."

Würden die 400 reichsten Amerikaner dem Aufruf folgen, könnten aus den bisher zugesagten 100 Milliarden bald 600 Milliarden Dollar werden. Bislang zugesagt haben außer den bereits Genannten etwa Star-Wars-Regisseur George Lucas und Hotel-Magnat Barron Hilton ebenso wie eine Gruppe von Silicon-Valley-Genies: die Firmengründer Paul Allen (Microsoft), Larry Ellison (Oracle) und Pierre Omidyar (Ebay). Die übrigen Namen, die auf der Website www.thegivingpledge.org genannt werden, sind den meisten weniger bekannt.

Schwerpunkt des Engagements sind Gesundheits- und Bildungsprojekte

Viele der Spender haben sich bereits in der Vergangenheit sozial engagiert - doch die aktuellen Ausmaße sind einmalig. Vor allem Gates, dessen Gesamtvermögen auf 53 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist die Initiative zu verdanken. Er hat schon seit Jahren mit gewaltigen Spenden Schlagzeilen gemacht: So ist die Bill-and-Melinda-Gates-Foundation mit einem Kapital von 33 Milliarden Dollar die finanzstärkste Stiftung aller Zeiten. Sie setzt ihre Schwerpunkte in Gesundheits- und Bildungsprojekte, die zum Beispiel Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und Aids in Entwicklungsländern bekämpfen oder die Ausbildung unterprivilegierter Kinder in den USA verbessern wollen.

Finanzmogul Buffett, der sein Vermögen von geschätzten 47 Milliarden Dollar mit der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway erzielte, hat den Großteil seines Reichtums bereits der Gates-Stiftung vermacht und seinen drei Kindern nur ein vergleichsweise bescheidenes Erbe versprochen. "Mein Vater hat mir so viel Geld gegeben, dass ich mir keine Sorgen um meine Zukunft machen muss", sagt Buffett-Sohn Peter. "Er hat mir aber nicht genug gegeben, dass ich mich jetzt zur Ruhe setzen könnte."

Der 52-Jährige, der als Musiker und Komponist erfolgreich ist, setzt sich mit einer eigenen Stiftung für die Belange von jungen Frauen in Afrika ein. Das Grundkapital für das Projekt stammt vom Vater, der damit die Richtung vorgab: weg vom eigennützigen Konsum, und hin zu gemeinnützigen Taten.

Noch fehlen reiche Chinesen auf der Liste - aber wohl nicht mehr lange

Die Milliardärsinitiative von Gates und Buffett kommt zu einer Zeit, in der das Spendenaufkommen im Zusammenhang mit der Rezession in den USA seit zwei Jahren rückläufig war. Allein für 2009 steht ein Minus von fast vier Prozent zu Buche. Diesen Negativ-Trend hat man nun abgewehrt, doch sind die Gönner noch lange nicht am Ende.

Wie viel denn am Ende genau zusammenkommen soll, weiß Buffett selbst nicht, "es wird ja auch ständig mehr", sagt er. In den kommenden Jahren wollen Gates und er die Initiative ausdehnen. Auch in Asien liege Geld brach, erklärte Buffett dem Magazin "Fortune". "Im Herbst reisen Bill und ich nach China, um ein paar reiche Chinesen zu treffen." Ihr Ziel: Vor allem Stiftungen im medizinischen, sozialen und im Bildungswesen sollen über Jahrzehnte hinweg bestens versorgt sein.

Die Zeit dazu drängt, glaubt Buffett. Er mahnt seine reichen Kollegen, ihre wohltätigen Aktionen nicht allzu lange aufzuschieben. Wer erst einmal den 90. Geburtstag abwarte, laufe Gefahr, bis dahin an Willenskraft und Einschätzungsvermögen zu verlieren.

Die zehn spendabelsten US-Wohltäter

Name Hintergrund geschätzte Spendensumme* aktuelles Vermögen* Spendenanteil am aktuellen Vermögen in Prozent
1 Warren Buffett Investor (Berkshire Hathaway) 40.785 50.000 82
2 Bill & Melinda Gates Microsoft-Gründer 27.602 57.000 48
3 George Kaiser Bankchef (BOK Financial corporation) 2897 12.000 24
4 George Soros Investor 6936 11.000 63
5 William Barron Hilton Hotelerbe 1700 2266 75
6 Walton-Familie Famile der Wal-Mart-Gründer 2015 93.100 2
7 Herbert & Marion Sandler Sparkassengründer (Golden West Financial) 1389 2400 58
8 Peter Peterson Blackstone-Gründer 1175 2500 47
9 Donald Bren Immobilien 1340 12.000 11
10 Michael Bloomberg Bloomberg-Gründer, Bürgermeister von New York City 1500 20.000 8

Quelle: BusinessWeek; Stand: 2008; *in Millionen Dollar

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 155 Beiträge
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Seite 1
kdshp 05.08.2010
1. aw
Zitat von sysop40 US-Milliardäre geben die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke. Die Initiatoren Bill Gates und Warren Buffett wollen jetzt weitere Superreiche für den Plan gewinnen - und die Idee nach Asien exportieren. Es wäre eine Revolution des Spendenwesens. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,710246,00.html
Hallo, ja super erst beuten wir asien aus und dann spenden wir was von dem geld! Diese gutmenschen sind echt ARM!
Nichdoch, 05.08.2010
2. erstaunlich? oder doch nicht?
Im ersten Moment ist man überrascht. Ähnliche Überlegungen scheinen auch deutsche Millionäre angestellt zu haben, die freiwillig Vermögenssteuer zahlen würden. Aber bei der Initiative der Milliardäre ist wohl bis jetzt kein Deutscher vertreten. Machen die Öl-Scheichs auch mit? Und die Neureichen in Moskau und China? Wohltuend ist die Erkenntnis, daß deutsche Regierungen (insbesondere der gelbe Hanswurst) durch diese Aktion blamiert sind, wo sie doch keine Politik unversucht gelassen haben, Reiche noch reicher zu machen. Ein Ansatz "globalen Sozialdenkens"? Mindestens eine interessante Botschaft.
hohez 05.08.2010
3. Vorbild für Deutschland
Die superbösen reichen Amis beschämen wieder mal die Europäer, und das Feindbild von Links-Grün bekommt Risse. Jetzt haben wir dank Afghanistan doch gerade wieder mal eine gut funktionierende antiamerikanische Kampagne gestartet, und nun das. Ganz schön blöd, Herr Gysi, Herr Wowi, Frau Küni, nicht wahr? Aber wie wär's, wenn auch die deutschen Milliardäre ein wenig spenden würden? Natürlich nicht in die staatlichen Kanäle, wo ohnehin alles in Bürokratie und Klientelwirtschaft versickert, sondern in bestehende oder nue zu gründende Stiftungen, die vor dem Zugriff der linken Umverteiler geschützt sind.
DerDa, 05.08.2010
4. ja
Da mögen die ganzen gutmenschelnden Kryptokommunisten hier noch soviel maulen, es ist und bleibt eine ganz grosse Tat. Die Milliardäre sind sicher nicht immer mit den feinsten Methoden reich geworden. Dass sie am Ende ihres Lebens der Gesellschaft dann doch ihren Anteil zukommen lassen, mag nach moralischem Ablasshandel riechen, aber wer möchte schon die Beweggründe einer guten Tat dazu nutzen eben diese in den Dreck zu ziehen? Das sollte auch unserer heimischen Geld-"elite" ein Beispiel sein, das Geld vielleicht nicht den verzogenen Rotzlöffeln in den Rachen zu schmeissen, sondern es dem Gemeinwohl zukommen zu lassen. Wär mir sogar lieber als das Geld mittels Erbschaftssteuer abzuschöpfen und im Allgemeinhaushalt versickern zu lassen. Aber soweit geht der Leistungsgedanke dann wohl doch nicht, was Frau Klatten?
skanti 05.08.2010
5. Ob
die gespendeten Gelder tatsächlich effektiv in Armutsländern genutzt werden ist dunkel. In meinen Augen, katapultieren die Transferleistungen die Empfängerländer ohne Umwege zurück in die Spirale der Lähmung. Es soll lieber ein halbwegs funktionstüchtiger Markt entstehen, der im Zweifel Dinge selbst regelt, als von den Donoren von Hand zu Mund zuleben. Subventionen sind Gift für Unternehmen, also lässt sich auf den Wirkungsgrad dieser "großen Hilfen" für Burkina Faso (oder weiss der Geier was) schließen.
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