Berliner Großprojekt: Bund und Länder basteln an Rettungsplan für Flughafen

Bund und Ländern drohen höhere Kosten beim Berliner Pannen-Flughafen. Laut "Welt am Sonntag" kostet die verschobene Inbetriebnahme monatlich 20 Millionen Euro. Einem weiteren Bericht zufolge könnte der Airport in zwei Etappen eröffnet werden.

Willy-Brandt-Airport: Anteilseigner streiten, wer die Mehrkosten übernimmt Zur Großansicht
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Willy-Brandt-Airport: Anteilseigner streiten, wer die Mehrkosten übernimmt

Berlin - Die verschobene Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg schadet nicht nur dem Image der beiden Länder. Es drohen auch höhere Kosten für den Steuerzahler. In welcher Höhe, ist noch unklar. Spekuliert wird über eine Summe von rund einer Milliarde Euro. Die "Welt am Sonntag" geht nun unter Berufung auf Regierungskreise noch einen Schritt weiter. Demnach drohe dem Flughafen Ende November sogar die Insolvenz. Der Grund seien die Mehrkosten, die vor allem durch Pfusch am Bau und mangelnden Brandschutz entstanden seien. Allein die Bauverzögerungen kosten demnach 20 Millionen Euro pro Monat.

Streit gibt es zwischen den Anteilseignern darüber, wer wie viel von den Kosten übernehmen soll. Das Verkehrsministerium will laut "Welt am Sonntag" bei der EU-Kommission einen Antrag auf staatliche Beihilfe stellen, weil dem Unternehmen die Liquidität ausgehe. Das könne sich aber bis zu sechs Monate hinziehen. Deshalb seien Überbrückungskredite notwendig. Am Mittwoch treffen sich die Vertreter von Bund und Ländern, um über einen Rettungsplan zu verhandeln.

Die für den 3. Juni geplante Eröffnung des neuen Airports war wegen Mängeln in der Bauplanung geplatzt. Fachleute der Flughafengesellschaft schätzen sogar den neuen Termin im März inzwischen als ziemlich unrealistisch ein.

Laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" könnte der Flughafen in zwei Etappen eröffnet werden. So würden die Planer derzeit prüfen, im Frühjahr 2013 zunächst nur den Flugbetrieb vom alten Schönefelder Airport auf das neue Gelände zu verlagern. Der Umzug des Flughafens Tegel erfolge dann zu einem späteren Zeitpunkt. Ein Flughafensprecher wollte dem Blatt den Bericht nicht bestätigen und war auch am Samstag zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Die "Berliner Zeitung" beruft sich auf Aufsichtsratskreise. Demnach soll das sogenannte Soft Opening den Vorteil bieten, dass der neue Airport nicht voll belastet würde und ein früherer Eröffnungstermin anvisiert werden könnte. Zudem könne ein Teil der erwarteten Schadensersatzklagen von Gewerbetreibenden vermieden werden, hieß es.

cte/dpad

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Endlich
GuidoHülsmannFan 01.09.2012
Endlich nicht nur Geld für "notleidende Banken" und "notleidende Länder", jetzt auch für "notleidende Flughäfen". Die Politik ist wahnsinnig geworden. Und dermaßen unanständig, dass die beteiligten Aufsichträte noch nicht einmal zurücktreten. Absoluter Wahnsinn.
2. optional
Altesocke 01.09.2012
" Demnach soll das sogenannte Soft Opening den Vorteil bieten, dass der neue Airport nicht voll belastet würde und ein früherer Eröffnungstermin anvisiert werden könnte. Zudem könne ein Teil der erwarteten Schadensersatzklagen von Gewerbetreibenden vermieden werden, hieß es." Ein Teil der Schadenersatzsumme, wohl eher, oder? Weniger Passagiere, weniger vermutliche Kunden!
3. .............
lupenrein 01.09.2012
Wie überall haben auch beim Bau des Berliner Flughafens die einschlägigen 'Profis' wieder ihren ordentlichen Reibach mit Hilfe korrupter Politiker absahnen dürfen. Wenn es mit rechten Dingen beim Bau dieses Milliardenprojektes zugegangen wäre, gäbe es keine Verzögerungen und auch keine Kostenüberschreitungenn in dieser unglaublichen Höhe.
4. Nix Titel
CMH 01.09.2012
Zitat von sysopDPABund und Ländern drohen höhere Kosten beim Berliner Pannen-Flughafen. Laut "Welt am Sonntag" kostet die verschobene Inbetriebnahme monatlich 20 Millionen Euro. Einem weiteren Bericht zufolge könnte der Airport in zwei Etappen eröffnet werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853378,00.html
Gibt es eigentlich irgend etwas, was in Hartz-4-Stadt auf Anhieb funktioniert? Diese Hauptstadt ist einfach nur peinlich...
5. .....unfassbar und unbegreiflich...
12_Apostel 01.09.2012
unbenommen von den vielen Kollateralschäden entstehen ca. 1 Mrd EUR Mehrkosten die durch den Steuerzahler aufgebracht werden müssen. Und ohne das die verantwortlichen Politiker und Verwaltungsbeamte Konsequenzen zu befürchten haben. Solche Possen sind unfassbar und sehr schwer zu verstehen.
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Neuer Hauptstadt-Airport: Flughafen ohne Flugzeuge

Berliner Flughafen - eine Chronologie
Die Idee für einen einzigen Berliner Großflughafen, der die Airports in Tegel, Tempelhof und Schönefeld ersetzen soll, entstand bereits kurz nach dem Mauerfall. Doch mehr als 23 Jahre nach der Wende ist der Flughafen noch immer nicht in Betrieb - die Eröffnung muss immer wieder verschoben werden.
Dezember 1991
Die Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) wird gegründet. Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.
Januar 1992
Die Planungen für den Airport starten unter dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996
Die Gesellschafter entscheiden sich für den Ausbau des Flughafens Schönefeld und die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof.
August 2004
Das Genehmigungsverfahren geht zu Ende, im Planfeststellungsbeschluss gibt es grünes Licht für BBI - es kann unter Auflagen gebaut werden. Im Oktober reichen Tausende Gegner beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein.
April 2005
Das Bundesverwaltungsgericht gibt Eilanträgen mehrerer Anwohner statt - und verhängt einen weitgehenden Baustopp bis zu seiner endgültigen Entscheidung. Zulässig sind nur Bauvorbereitungen.
März 2006
Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008
Der erste Spatenstich für den Flughafen-Terminal wird gesetzt.
Oktober 2008
Nach 85 Jahren Betriebszeit macht der Flughafen Tempelhof dicht.
Juni 2010
Wegen der Pleite einer Planungsfirma und verschärften Sicherheitsbestimmungen wird die für November 2011 geplante Eröffnung des Flughafens auf den 3. Juni 2012 verschoben. Doch auch dieser Termin wird sich nicht halten lassen.
September 2010
Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.
Oktober 2011
Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.
Januar 2012
Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugrouten fest und folgt im Wesentlichen einem Vorschlag der Fluglärmkommission aus Gemeinde- und Airline-Vertretern. Am Müggelsee geht der Protest weiter. Initiativen kündigen weitere Klagen an.
Mai 2012
Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen die Eröffnung des Flughafens wieder abgesagt. In der darauffolgenden Woche verschiebt der Aufsichtsrat die Eröffnung auf den 17. März 2013. Chef-Planer Manfred Körtgen wird entlassen.
Juni 2012
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entscheidet, dass die Anwohner des Flughafens ein Recht auf besseren Schallschutz haben. Für die Betreiber bedeutet das weitere Kosten. Am 22. Juni entscheidet der Aufsichtsrat, den Starttermin 17. März erneut zu prüfen und im August darüber zu entscheiden. Der Flughafen soll gut eine Milliarde Euro teurer werden als geplant und insgesamt mehr als vier Milliarden Euro kosten.
September 2012
Der Termin im Frühjahr 2013 wird ebenfalls gestrichen, weil die Arbeiten mehr Zeit brauchen. Der neue Technikchef Horst Amann hält eine Eröffnung des Flughafens Ende Oktober 2013 für machbar. Außerdem fallen mehr Kosten an: Es gibt eine Finanzlücke von rund 1,2 Milliarden Euro, die Berlin, Brandenburg und der Bund gemeinsam füllen müssen. Das Geld soll für Baumaßnahmen, den Lärmschutz und Mehrkosten durch die Verschiebung ausgegeben werden. Damit sind die Gesamtkosten auf rund 4,3 Milliarden Euro gestiegen.
Dezember 2012
Mehrere Gutachten werden bekannt, laut denen der Flughafen für die Zahl der erwarteten Passagiere zu klein geplant ist. Sowohl die Check-in-Schalter als auch die Gepäckbänder sollen schon bei der Inbetriebnahme des Flughafens voll ausgelastet sein.
Januar 2013
Wowereit kündigt an, das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft an Platzeck abzugeben, nachdem der neue Technikchef Horst Amann den Eröffnungstermin im Oktober 2013 als nicht mehr haltbar bezeichnet hat. Auf einer vorgezogenen Aufsichtsratssitzung am 16. Januar soll auch über eine mögliche Ablösung von Flughafen-Chef Rainer Schwarz beraten werden. Grund für die neuen Verzögerungen sollen Medienberichten zufolge Baufehler insbesondere beim Brandschutz sein.
Fotostrecke
Hauptstadtflughafen: Ärger mit dem Brandschutz