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38.600 Immobilien: Bund will alle seine Wohnungen verkaufen

Michael Müller, SPD (Archiv): Will, dass Wohnungsbestände ans Land Berlin gehen Zur Großansicht
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Michael Müller, SPD (Archiv): Will, dass Wohnungsbestände ans Land Berlin gehen

Viele bundeseigene Wohnungen sind alt und sanierungsbedürftig, gut neun von zehn der Immobilien wurden vor 1970 gebaut. Jetzt will der Bund den Bestand auf mittlere Sicht komplett veräußern.

Berlin - Der Bund verfügt über eines der größten Immobilien-Portfolios Deutschlands. Darin: rund 38.600 Wohnungen. Doch ein Großteil des Bestands ist alt und muss modernisiert werden. Jetzt will der Bund die Wohnungen komplett abgeben.

"Der Bund wird diese Bestände sukzessive verkaufen", sagte ein Regierungsvertreter laut Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in Berlin: Pro Jahr habe der Bund zuletzt zwischen 1000 und 3000 Wohnungseinheiten auf den Markt gebracht, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) solle sich künftig darauf konzentrieren, vor allem die wichtigen Immobilien wie Ministerien und Bundeswehrliegenschaften zu verwalten.

Die Bundesanstalt bestätigte die Verkaufspläne gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Der Bund möchte auf mittlere Sicht alle Wohnungen aus dem Umlaufvermögen verkaufen", sagte ein Sprecher der Behörde SPIEGEL ONLINE. Dabei handele es sich um eben jene 38.600 Wohnungen - Immobilien, die der Bund nicht mehr zur Erfüllung seiner Aufgaben benötige. Der gesamte Verkauf werde sich über einen längeren Zeitraum hinziehen, kündigte der Sprecher an.

91,7 Prozent der BImA-Wohnungen sind nach Behördenangaben vor 1970 errichtet worden und entsprechen nicht mehr heutigen - insbesondere energetischen - Anforderungen.

Aktuell will der Bund 4660 seiner 5022 Wohnungen in der Hauptstadt an das Land Berlin verkaufen. Anfang der Woche hatte es dazu ein Treffen mit Vertretern des Senats und der BImA gegeben. Berlins Bausenator, der designierte regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), sagte aus diesem Anlass: "Das Land Berlin will aktiv auf den Wohnungsmarkt einwirken. Deshalb haben wir großes Interesse, dass die Wohnungsbestände an das Land gehen und nicht zum Höchstpreis auf dem freien Markt verkauft werden."

Verschiedene Arbeitsgruppen sollen nun über Gutachten herausfinden, was die Wohnungen wert sind und wie das Verkaufsverfahren weitergehen soll, teilte die Bundesanstalt mit. Welcher Erlös mit dem Verkauf des riesigen Immobilienbestandes angepeilt wird, ist bislang noch offen.

bos/Reuters

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insgesamt 68 Beiträge
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1. Unverschämt.
spon-facebook-10000283853 27.11.2014
Erst ein "Mietpreisdeckel" beschließen, damit sich vermieten nicht mehr lohnt, dann auch noch die Kurzzeitvermietung unter Strafe stellen und dann die Wohnungen auf den Markt werfen - weil natürlich der Staat kapiert hat, dass teure Sanierung sich nicht lohnt, wenn man die Mieten deckelt. Als ob man von der DDR Wohnungsbewirtschaftung nichts gelernt hat.
2. Ja, die Investoren stehen schon Schlange!
kanzlerkandidat 27.11.2014
Und alle Lobbyisten bzw. Verwandten von Ministern usw. haben bereits die beste Angebote erhalten. Diese Immobilien gehören ja niemanden, also gibt den Sozialstaat den Rest und befreit euch in Neoliberalismus.
3. immer weg damit, es sind ja schon hunderttausende
logabjörk 27.11.2014
verscherbelt. Deutsche Annington, Heuschrecke Gagfah Heuschrecke. Der Pöbel der drin wohnt, spielt doch keine Rolle!
4.
CaptainSubtext 27.11.2014
"91,7 Prozent der BImA-Wohnungen sind nach Behördenangaben vor 1970 errichtet worden und entsprechen nicht mehr heutigen - insbesondere energetischen - Anforderungen." Mit anderen Worten: Dem Bund ist es zu teuer seine eigene Regelungen einzuhalten. Alle anderen können es ja gerne tun.
5.
baß1 27.11.2014
Immobilien sind kein Umlaufvermögen.
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Grafiken: Der Preisanstieg in den Metropolen

Kleine Typologie der Makler
Kleine Typologie der Makler
Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.

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