Umfrage unter Mitarbeitern Miese Stimmung in der Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit spricht selbst von einer "ganz schönen Ohrfeige": Eine Umfrage unter Tausenden Führungskräften offenbart nach SPIEGEL-Informationen, wie groß der Frust in der Behörde ist.

Bundesagentur für Arbeit in Bergisch-Gladbach
DPA

Bundesagentur für Arbeit in Bergisch-Gladbach


In der Bundesagentur für Arbeit (BA) herrscht ein schlechtes Betriebsklima. Das hat eine Umfrage unter 2000 Führungskräften ergeben, deren zentrale Ergebnisse dem SPIEGEL vorliegen. Immer wieder benoteten Mitarbeiter demnach die aktuelle Lage im Haus mit der Note vier oder schlechter. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 48/2017
Land ohne ...Richtung, ...Einigkeit, ...Kanzlerin?

In Kommentaren hieß es: "Wir haben eine Kultur des Misstrauens." Oder: "Wertschätzung ist seit Jahren nicht erkennbar." Ein anderer Kollege hielt fest: "Wir haben viele Hochglanzbroschüren, die gelebte Wirklichkeit sieht anders aus."

Der BA-Vorstandsvorsitzende Detlef Scheele räumte die Probleme in einer Videobotschaft ein, die im Intranet der Behörde veröffentlichte wurde. Die Befragung sei "eher schlecht" ausgefallen, sagte er. "Auch mit Noten zwischen fünf und sechs, das entspricht einem blauen Brief, und die Versetzung ist gefährdet." Seine Sprecherin nannte die Ergebnisse eine "ganz schöne Ohrfeige".

Scheele will die Umfrageresultate nun auf Strategiekonferenzen und einem Führungskongress aufarbeiten. "Ich werde dafür die Verantwortung übernehmen, dass die richtigen Konsequenzen gezogen werden", sagte der BA-Chef in der Videobotschaft.

Für die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, sind die Ergebnisse nicht überraschend: "Arbeits- und Leistungsdruck kennzeichnen Agenturen für Arbeit und Jobcenter seit den Hartz-Reformen", sagt sie. "Statt Zahlen und Kosteneinsparungen müssen wieder der Mensch und die individuelle Betreuung im Mittelpunkt stehen."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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sve

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AHF84 22.11.2017
1. Wundert mich nicht
Nachdem gestern ein Artikel über die Kürzung von Hartz IV wegen betteln kam, heute der Artikel über die Unzufriedenheit der Mitarbeiter der Jobcenter.... Ich kann es verstehen, dass die Regeln und die Massenabfertigung zu Frustration führt. Die Linke hat recht - die Möglichkeit von ein bisschen mehr Menschlichkeit in den Jobcentern und die Möglichkeit einer echten Betreuung wäre wünschenswert. Da ist allerdings der Gesetzgeber gefordert. Die Mitarbeiter müssen die Gesetze einhalten und ein paar Leute, die nie Arbeitslosigkeit am eigenen Leib erfahren haben, machen menschenleere Gesetze. Vollkommen egal ob Schwarz, Grün, Gelb oder Rot. Ich kann die Politikverdrossenheit nachvollziehen...
Nordstadtbewohner 22.11.2017
2. Es gibt auch andere Arbeitgeber
Wer dauerhaft mit seinem Arbeitgeber unzufrieden ist, sollte sich einen neuen suchen. Niemand wird gezwungen, an einem Stuhl in einer Behörde wie der Agentur für Arbeit zu kleben. Es bringt nichts, wenn man ständig unzufrieden über Kollegen, Vorgesetzte und die ganze Arbeitsatmosphäre an sich ist. Ein "Tapetenwechsel" wirkt da Wunder. Es gibt auch private Arbeitsvermittler und Arbeitskräftedienstleister wie zum Beispiel Randstad. Alternativen gibt es immer, wenn man nicht in einer Behörde versauern will. Zudem sind Einrichtungen wie die Agentur für Arbeit nicht unbedingt notwendig. Gegen Arbeitslosigkeit könnte man sich wie in anderen Ländern auch privat versichern und die Arbeitsplatzsuche über professionelle Arbeitsvermittler abwickeln. Das gäbe weniger Bürokratie und besser motivierte Arbeitskräfte.
fabianw83 22.11.2017
3. soooo, nicht korrekt!!
Die angesprochene Befragung war ganz explizit und NUR bezogen auf die Zentrale in Nürnberg. Also nur um diese eine Dienststelle. Der Zentrale nachgeordnet sind 10 Regionaldirektionen und in der Fläche 156 Agenturen und 600 Geschäftsstellen. Auch in diesen Agenturen werden regelmäßig Befragungen durchgeführt und mit durchschnittlich der Schulnote 2 bewertet. Nochmal: die Befragung bezieht sich nur auf die Zentrale. Auch wurden nicht "normale" Mitarbeiter befragt, sondern Führungkräfte und Obere Führungsktäfte.
mkta 22.11.2017
4. Zahlen und Statistiken
Diese Stimmung ist nicht nur bei den Führungskräften, sondern auch bei den "normalen" Mitarbeitern zu spüren von denen auch ich einer bin. Ich aber versuche in meiner täglichen Arbeit diesen Druck nicht an mich heran zu lassen, sondern mit dem Kunden zusammen zu arbeiten und mir seine Bedürfnisse bezüglich einer Integration in den Arbeitsmarkt genau anzuschauen. Es ist ein Zwiespalt in dem viele stecken. Bei vielen Führungskräften geht es aber tatsächlich sehr viel um Zahlenerfüllung und Statistiken und dadurch wahrscheinlich auch eine gewisse Betriebsblindheit, wie es aber auch in anderen großen Betrieben vorkommt.
suane 22.11.2017
5. Kettenverträge
Beim A-Amt fragte mich die nette Frau, wie es denn rechtlich sein könne, dass ich 6 Jahre befristet angestellt war? Wissenschaftler an der Uni, war meine Antwort. Da eröffnete sie mir, dass sie seit über 10 Jahren hier "eine Ausbildung" mit befristeten Kettenverträgen macht. Und dann sind solche Umfrageergebnisse überraschend???
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