Nach Pannenserie Bundesagentur stoppt millionenschweres IT-Projekt

60 Millionen Euro gab die Bundesagentur für Arbeit für eine Software aus, die 14 verschiedene Anwendungen bündeln sollte. Nun stellt die Behörde fest: Das System funktioniert nicht.

Agentur für Arbeit in Bergisch-Gladbach
DPA

Agentur für Arbeit in Bergisch-Gladbach


Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat nach einer Pannenserie ein millionenschweres IT-Projekt gestoppt. Eine 60 Millionen Euro teure Software werde nun doch nicht in den Arbeitsagenturen eingesetzt, teilte ein Sprecher der Bundesbehörde mit.

Das unter der Bezeichnung "Robaso" firmierende Projekt habe sich nach der vierjährigen Laborentwicklung im praktischen Einsatz als nicht "ausreichend flexibel" erwiesen. Es habe sich gezeigt, das nachträgliche Änderungen, etwa die Korrektur einer Kontonummer, in dem System nicht möglich seien. Um eine solche Angabe dennoch korrigieren zu können, habe man sämtlich Leistungs- und Vermittlungsdaten in das System neu eingeben müssen.

Da eine Behebung des Fehlers zu aufwendig und zu teuer sei, werde das System nun doch nicht in der Praxis eingesetzt. Das Projekt, das auf einer einzigen Plattform 14 verschiedene Anwendungen bündeln sollte, habe sich noch in der Pilotphase befunden. Künftig sollen solche Programme früher in den Praxistest gehen, kündigte die Bundesagentur an.

Die rund 90.000 Mitarbeiter werde nach Angaben des Sprechers nun wie bisher die Einzelanwendungen bei der Jobvermittlung und der Abrechnung von Geldleistungen nutzen. Das nun gestoppte System hatte die Bundesagentur selbst entwickelt. Damit sollten die Abläufe in den 156 Arbeitsagenturen beschleunigt werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde aufgrund von Angaben der Nachrichtenagentur dpa der Eindruck erweckt, dass die Software schon in allen Arbeitsagenturen in Betrieb war. Die Bundesagentur weist allerdings daraufhin, dass die Software noch in einer Pilotphase erprobt wurde.

man/dpa

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insgesamt 118 Beiträge
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Affenhirn 15.02.2017
1. Dilettantismus pur
Warum meint denn das Management der Arbeitsagentur überhaupt, dass es sowas inhouse stemmen kann. Etwas überschätzt, die Damen und Herren Beamten? Sotware ist doch auch sonst oft eine Bananenentwicklung - reift erst beim Kunden.
kraftmeier2000 15.02.2017
2. An solch
eine Aufgabe sollte man nie eine Behörde mit Ihren Beamten-Apparat heran lassen, dafür braucht es Profis, aber erst einmal versenkt man für nichts etliche Millionen. Dafür müssten sich doch Verantwortliche finden können, die man auch in Regress nimmt. Ach ich vergaß, sind ja Staatdiener welche Geld verschwenden dürfen.
landy2000 15.02.2017
3. agil?
Nach nur vier Jahren wurden solche Mängel festgestellt? wird dort noch nach dem V-Modell Software entwickelt oder gibt es einen effektiveren Prozess? please, fail fast!
Hyacinth 15.02.2017
4. Unfassbar!
Das sind Steuergelder! Wer übernimmt dafür die Verantwortung? Die Sache darf nicht im Sand verlaufen.
BettyB. 15.02.2017
5. Die Kontonummer war´s?
Das ist der Knaller des Jahres. Was hat der Projektverantwortliche vorher gemacht? Ablage, da er das Alphabet ja kannte?
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