Bundesbank-Chaos Webers Abgang schwächt den Euro

Axel Weber war Garant für einen stabilen Euro, mit seinem Abgang als Bundesbankchef bekommt Deutschland ein Problem. Denn im schlimmsten Fall steht die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank auf dem Spiel - und damit die Stabilität der Währung.

Ein Kommentar von

dapd

Nun suchen sie. Kanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Wolfgang Schäuble sowie die beiden Wirtschafts-Top-Männer der Regierung Jörg Asmussen (Finanzministerium) und Jens Weidmann (Kanzleramt) - sie suchen einen Kandidaten, eigentlich zwei, drei, vier. Der abrupt angekündigte Abgang Axel Webers von der Bundesbank-Spitze hat ein komplexes Personaltableau ins Rutschen gebracht.

Gesucht werden: ein Präsident und ein Vize für die Bundesbank sowie ein deutscher Kandidat für die Europäische Zentralbank (EZB). Auch nicht-deutsche Kompromisskandidaten für die EZB-Präsidentschaft dürften bei den Gesprächen eine Rolle spielen (etwa der Finne Erkki Liikanen oder der Luxemburger Yves Mersch). Es dürfte auch noch um einen neuen Chef für den Euro-Rettungsfonds EFSF gehen (falls dessen Chef, der Deutsche Klaus Regling, an die Spitze von Bundesbank oder EZB rücken sollte), womöglich geht es sogar um einen Kandidaten für den Internationalen Währungsfonds (falls der Franzose Dominique Strauss-Kahn nächstes Jahr für den Elysée-Palast kandidiert und die Europäer den Job wieder besetzen dürfen).

Wegen der Komplexität des Personaltableaus ist es verständlich, dass die Bundesregierung nicht gleich einen Weber-Nachfolger vorzeigen konnte. Doch das ändert nichts daran, dass das derzeitige Vakuum ein Desaster ist. Es ist gefährlich, weil es die Glaubwürdigkeit der EZB zu schwächen droht - und weil deutsche Interessen in der Währungsunion unter die Räder kommen könnten. "Wir brauchen rasch Klarheit", sagt ein Mitglied der Bundesregierung. Das stimmt. Mit Betonung auf beidem: auf "rasch" und auf "Klarheit".

Was also sind die deutschen Interessen in diesem Euro-Spiel? Der Bundesrepublik muss es darum gehen, die deutsche Tradition der Geldpolitik in der europäischen Währungsunion hochzuhalten. Sprich: Die Notenbank soll unabhängig von den Regierungen sein, die Geldversorgung soll strikt sein und inflationäre Entwicklungen vorausschauend bekämpfen. Auch wenn das hochgradig unpopulär ist.

Weber bringt seine eigenen Erfolge in Gefahr

Gerade jetzt, angesichts steigender Inflationsgefahren, sind solche Überzeugungen keineswegs altmodisch. Es sind keine überkommenen monetaristischen Orthodoxien, wie häufig unterstellt wird. Sie bilden das Fundament des Euro: Nicht zufällig ist die institutionelle Konzeption der EZB der Bundesbank entlehnt. Die deutsche Notenbank war das Vorbild für die EZB und für die Neuaufstellung der nationalen Notenbanken in den EU-Staaten in den neunziger Jahren. Doch wenn das Vorbild selbst geschwächt wird, dann wird das Rückwirkungen in der gesamten Euro-Zone haben.

Axel Webers Verdienst ist es, der Bundesbank zu neuem Selbstbewusstsein verholfen zu haben. Als Mitglied des EZB-Rats hat er deutschen stabilitätspolitischen Vorstellungen Gehör verschafft und maßgeblich die Denkweise des obersten EZB-Gremiums beeinflusst, auch wenn er sich naturgemäß nicht immer durchsetzte. Doch nun, durch einen unabgestimmten und extrem holprigen Abgang, bringt er seine eigenen Erfolge in Gefahr.

Zum einen, weil er selbst künftig im EZB-Rat fehlen wird. Zum anderen, weil nun die Besetzung wichtiger Notenbank-Posten politisiert werden könnte. Wenn zum Beispiel Jens Weidmann, der als einer der Top-Kandidaten gehandelt wird, an die Bundesbank-Spitze rücken würde, wäre das für die Unabhängigkeit der Bundesbank durchaus ein Problem. Weidmann, ein unzweifelhaft fähiger Fachmann, kommt direkt aus dem Kanzleramt und ist einer der engsten Berater Angela Merkels.

Früher waren solche direkten Wechsel nicht möglich: So mussten in den neunziger Jahren die ehemaligen Spitzenbeamten Hans Tietmeyer und Jürgen Stark erstmal eine zeitlang als normale Mitglieder im Frankfurter Zentralbankrat in die Notenbank hineinsozialisiert werden.

Der künftige Bundesbank-Präsident wird gleich zu Beginn seiner Amtszeit klarmachen müssen, dass er und die Institution unabhängig bleiben.

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insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
Mr. XXX 10.02.2011
1. xxx
Zitat von sysopAxel Weber*war Garant für einen stabilen Euro, mit seinem Abgang als Bundesbankchef bekommt Deutschland ein Problem. Denn im schlimmsten Fall steht die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank auf dem Spiel - und damit die Stabilität der Währung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,744720,00.html
Moment mal! Von welcher Unabhängigkeit der EU-"Bad Bank" für Bonds ist hier die Rede?
Ollie_ 10.02.2011
2. gegen titelzwang
Zitat von sysopAxel Weber*war Garant für einen stabilen Euro, mit seinem Abgang als Bundesbankchef bekommt Deutschland ein Problem. Denn im schlimmsten Fall steht die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank auf dem Spiel - und damit die Stabilität der Währung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,744720,00.html
Es sollte schon zu denken geben, dass eine einzige Person die Stabilität einer Währung beeinflussen kann. Soweit ist es also schon gekommen.
matt_us, 10.02.2011
3. Deutschland hat ein Problem weniger
Zitat von sysopAxel Weber*war Garant für einen stabilen Euro, mit seinem Abgang als Bundesbankchef bekommt Deutschland ein Problem. Denn im schlimmsten Fall steht die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank auf dem Spiel - und damit die Stabilität der Währung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,744720,00.html
Im schlimmsten Fall steht die Glaubwuerdigkeit des Spiegel Autors auf dem Spiel. Als ob die EZB nicht auch ohne einen deutschen notorischen Rechthaber ohne diplomatisches Fingerspitzengefuehl die Inflation bei 2% halten koennte. Wir bilden uns vielleicht was ein in Deutschland.
Seifen 10.02.2011
4. Nur zu verständlich, daß Weber sich nicht mit dem
Dilettantismus der meisten Politiker, insbesondere der Europapolitiker, auseinander setzen will. Da wird ihm wohl eine Aufgabe im Privatbankensektor besser gefallen und sie wird noch ordentlich bezahlt.
coitusveritatis 10.02.2011
5. Ökonomie-Nobelpreisträger vs SPON
Zitat von sysopAxel Weber*war Garant für einen stabilen Euro, mit seinem Abgang als Bundesbankchef bekommt Deutschland ein Problem. Denn im schlimmsten Fall steht die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank auf dem Spiel - und damit die Stabilität der Währung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,744720,00.html
Breitseite gegen Bundesbank-Chef: „Axel Weber wäre ein Risiko für den Euro“ Im Interview spricht Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman über mehr Schulden, die Auswirkungen der deutschen Stabiltätskultur und die Unterschätzung der Deflationsgefahren. Dabei polemisiert er über die falsche Strategie der EZB und gegen Bundesbank-Chef Weber. http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/breitseite-gegen-bundesbank-chef-axel-weber-waere-ein-risiko-fuer-den-euro;2604560 Wieso der Weber immer alles falsch macht ... :) Bestimmt schreibt er jetzt erst mal ein Buch: ,,Bänker schaffen sich ab,, ...
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