Bundesbank-Chef zu Billionen-Schirm: Weidmann warnt vor Größenwahn

Mit einem biblischen Vergleich festigt Bundesbank-Präsident Weidmann seinen Ruf als wirtschaftspolitischer Hardliner: Er kritisierte die Forderung der OECD, einen Billionen-Wall gegen die Euro-Krise aufzuziehen. Die Strategie gleiche dem Turmbau zu Babel.

Bundesbank-Präsident Weidmann: "Mauer aus Geld wird niemals den Himmel erreichen" Zur Großansicht
dapd

Bundesbank-Präsident Weidmann: "Mauer aus Geld wird niemals den Himmel erreichen"

Frankfurt am Main - Notenbanker und Politiker streiten über die richtige Strategie in der Euro-Krise. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wählte nun eine biblische Geschichte, um deutlich zu machen, warum er die Forderung der OECD nach einem größeren Euro-Rettungsschirm ablehnt.

"Genauso wie der Turm von Babel wird auch die Mauer aus Geld niemals den Himmel erreichen. Wenn wir diese immer höher und höher machen, werden wir hingegen immer neue Probleme bekommen - finanzielle wie politische", sagte Weidmann am Mittwoch in London. Der Turmbau zu Babel ist im Alten Testament ein Sinnbild für menschlichen Größenwahn. In der Bibel-Erzählung stoppt Gott das Projekt, indem er die Menschen in ein Sprachenchaos stürzt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte angesichts der Schuldenkrise den Druck auf die Politik erhöht und eine Aufstockung des dauerhaften Krisenmechanismus ESM für die Euro-Länder auf eine Billion Euro gefordert. "Die europäischen Brandmauern müssen weiter erhöht und glaubwürdiger gemacht werden, um Vertrauen wieder herzustellen", erklärte die Industriestaaten-Organisation.

"Wir können uns keine dauerhafte Lösung der Krise erkaufen"

Die Aufstockung der Hilfen ist ein sensibles Thema. Zu Wochenbeginn zeigte sich die Bundesregierung zu einem Kompromiss bereit, wonach die beiden Euro-Hilfsfonds ESM und EFSF nebeneinander bestehen könnten und mit insgesamt 700 Milliarden die möglichen Finanzierungslücken von verwundbaren Euro-Ländern stopfen sollen.

Weidmann hält einen immer stärker aufgepumpten Euro-Rettungsschirm für gefährlich und ungeeignet, die Krise zu lösen. Die Abschirmung der Euro-Zone sei sicherlich ein "sinnvoller Ansatz", sagte er. Geld alleine könne die tiefe Vertrauenskrise zwischen Investoren, Banken und Staaten aber nicht lösen. "Wir müssen realisieren, dass das Geld, was wir bereits auf den Tisch gelegt haben, uns keine dauerhafte Lösung der Krise erkaufen wird", sagte Weidmann.

Es sei immerhin Zeit gewonnen worden. Diese müsse genutzt werden, um die Wurzeln der Krise zu beseitigen, sagte Weidmann: die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit einiger europäischer Länder und ihre Überschuldung.

Bundesregierung fürchtet Verunsicherung wegen OECD-Forderung

Die Finanzminister und Notenbankchefs der EU-Staaten wollen am Freitag und Samstag bei einem informellen Treffen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen den ESM endgültig auf den Weg bringen und damit die Märkte beruhigen.

Die Forderungen der OECD nach einem Billionen-Schutzwall stoßen auch bei der Bundesregierung auf Kritik. Solche Vorschläge führten leider immer wieder zu einer Verunsicherung der Märkte, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. In den vergangenen Wochen habe es eine gewisse Entspannung auf den Anleihemärkten gegeben. "Das sollten wir nicht gefährden", sagte Seibert. "Es ist schon bedauerlich, dass offenbar in dieser Diskussion keine Zahl je hoch genug ist - sofort wird draufgesattelt."

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 25 Beiträge
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1. "Holt unser Gold heim!"
bhayes 28.03.2012
Die Taxpayers Association of Europe (TAE) hat heute zusammen mit der Deutschen Edelmetall-Gesellschaft e.V. (DEG) die wirtschaftspolitische Initiative "Holt unser Gold heim!" gestartet. Die Initiative setzt sich dafür ein, das Gold der Bürger Deutschland, welches die Bundesbank treuhändisch verwaltet, nach Deutschland zurückzuholen. Das ist die Antwort auf den zunehmenden Wahnsinn der Politfunktionäre, die den Menschen ihr mittlerweile verrottetes Funktionärsgeld aufzwingen wollen. Es ist Zeit für ein Bürgerorientiertes Geld, ohne Geldentwertung! Zeichnen auch Sie die Initiative mit!
2. Das ist doch mal ein
semaphil 28.03.2012
Zitat von sysopdapdMit einem biblischen Vergleich festigt Bundesbank-Präsident Weidmann seinen Ruf als wirtschaftspolitischer Hardliner: Er kritisierte die Forderung der OECD, einen Billionen-Wall gegen die Euro-Krise aufzuziehen. Die Strategie gleiche dem Turmbau zu Babel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,824338,00.html
treffender Vergleich. Bravo
3. Es gibt noch Zeichen und Wunder.....
moeschtijall 28.03.2012
Zitat von sysopdapdMit einem biblischen Vergleich festigt Bundesbank-Präsident Weidmann seinen Ruf als wirtschaftspolitischer Hardliner: Er kritisierte die Forderung der OECD, einen Billionen-Wall gegen die Euro-Krise aufzuziehen. Die Strategie gleiche dem Turmbau zu Babel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,824338,00.html
endlich mal ein Bangster der auf dem Teppich bleibt! Bleibt zu hoffen, daß unsere Politelite auf ihn hört!
4.
silverhair 28.03.2012
Zitat von moeschtijallendlich mal ein Bangster der auf dem Teppich bleibt! Bleibt zu hoffen, daß unsere Politelite auf ihn hört!
Sorry - aber er verdreht die Tatsachen auch wie er will. Soll er doch mal den Leuten erst erklären warum das "Wertlose - ungedeckte Buchgeld der Banken - was sie aus dem NICHTS erzeugen und auch wieder vernichten" überhaupt geschützt werden muss - es ist ein "Leerverkaufsgeld" und auch kein Vermögen - da dort überhaupt keine reale Deckung existiert! Aber das was er da predigt ist nett -hat nur mit der Realität nichts zu tun! Seit anfang der BRD hat man ein Amerikanisches "Mindestreservesystem" auch bei der Bundesbank - ein Wertloses Geldsystem - und das hat man über die Menschen gestülpt und so einen Müll wie ... hat wert - könnt ihr Vermögen machen - nur dahinter ist kein Vermögen - das Vermögen der "Deutschen beträgt aktuell genau 270 Mrd. Euro Zentralbankgeld" - und 5 Bio an "wertlosem Luftvermögen" der Privatbanken .. Möge er das doch mal öffentlich erklären warum er sich daran beteiligt! DER SPIEGEL*39/1972 - Geld aus dem Nichts (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42842883.html) Und und und. Und er soll mal erklären - warum das was H.Sinn herausgefunden hat - nämlich "Bilanzpositionen" die keine Deckung haben bei ihm im Hause einfach als "unwichtig" präsentiert werden - warum eigentlich diese und eine ganze Reiche von anderen Erklärungen zum Target2 System nicht aus seinem Mund kommen - und nicht diese Beschwichtungungs szenarien von ..wir können unseren Müll schützen .. wir haben ja den Durchblick .. Nein - haben Sie schon lange Nicht mehr - auch nicht bei der Bundesbank oder im Kanzleramt!
5. Bubble Economy
Absurdistan-Veteran 28.03.2012
Jaja, "die Märkte könnten verunsichert werden" ... Übersetzung: Aktien werden auch mal billiger und (Anleihe-)Zinsen steigen. Was steigt, fällt eben auch wieder. Das ist Marktwirtschaft, sozusagen einfache Geldphysik. Stattdessen bewegen wir uns immer mehr in Richtung einer monetären Planwirtschaft. Der Aufschwung muss herbeigekauft werden, mit Tonnen frischen Geldes, hinterlegt mit zweifelhaften Sicherheiten. Die Inflationsangst wird hierbei in Kauf genommen, kurbelt sie doch den Konsum an - Bravo, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Diese Aufblähung der Bilanzen führt dann dazu, dass die Politik die nötige Konsolidierung bis nach den nächsten Wahlen verschieben kann. Danach heißt es wieder "Gürtel enger schnallen, die Lage ist ernst". Das Schlimmste ist, dass immer größere Blasen an den Märkten erzeugt werden, obwohl solche erkennbar die eigentlichen Verursacher der Krisen an den Finanzmärkten sind.
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