Berlin - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erweist sich einmal mehr als einsamer Kämpfer - doch diesmal stellt er sich nicht wie bei den Anleihekäufen gegen seine Amtskollegen im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern gegen die Politik im eigenen Land: Er schließt einen Schuldenschnitt für Griechenland nicht mehr aus. Am Ende müsse man auf Forderungen verzichten, damit Griechenland wieder Zugang zu den Kapitalmärkten bekomme, sagte Weidmann am Freitag in Berlin vor Spitzenmanagern bei der Führungskräfte-Tagung der "Süddeutschen Zeitung".
Die Frage sei aber, ob man mit einem Schuldenschnitt zum jetzigen Zeitpunkt die richtigen Anreize setze. Zunächst wolle er auf die Regierung in Athen den "Handlungsdruck aufrechterhalten", damit sie weiter Reformen umsetze. Vielleicht sollte Griechenland ein Schuldenerlass in Aussicht gestellt werden, wenn die Reformen umgesetzt würden, sagte der Bundesbank-Präsident. "Der Schuldenschnitt löst ja die Probleme noch nicht." Wenn man heute auf Forderungen verzichte und Athen Gelder erlasse, Haushalt und Defizit aber nicht tragfähig seien, werde man in zehn Jahren in der gleichen Situation sein wie heute.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) pocht auf einen weiteren Schuldenerlass - diesmal zu Lasten der öffentlichen Geldgeber. Etwa zwei Drittel der griechischen Schulden von mehr als 300 Milliarden Euro entfallen auf sie. Im Frühjahr hatten bereits die privaten Geldgeber auf Forderungen verzichtet.
Die Bundesregierung erneuerte hingegen ihre Absage an einen Schuldenschnitt zu Lasten staatlicher Gläubiger. Er sei rechtlich nicht durchführbar. Dem deutschen Steuerzahler würde damit erstmals eine Rechnung aus der Euro-Krise präsentiert - was der Regierungskoalition im Wahljahr äußert ungelegen kommen dürfte.
Am Dienstag treffen sich die Euro-Finanzminister zu einer Sondersitzung in Brüssel, um über das weitere Vorgehen zu Griechenland zu beraten. Für die Finanzminister geht es vor allem darum, das bis 2014 reichende Hilfsprogramm wieder auf Kurs zu bringen und abzusichern, sagte Schäuble-Sprecherin Marianne Kothé.
sun/dpa/daps/Reuters
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