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Bundesbank: Staat spart 120 Milliarden Euro durch Niedrigzinsen

Jens Weidmann (Archivbild): "Fiskus spart jährlich Milliarden" Zur Großansicht
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Jens Weidmann (Archivbild): "Fiskus spart jährlich Milliarden"

Des einen Leid, des anderen Freud: Die niedrigen Zinsen haben laut Bundesbank die Kosten der Staatsverschuldung seit 2007 um rund 120 Milliarden Euro gedrückt - die Zahlen für die vergangenen sechs Jahre im Überblick.

Frankfurt am Main - Anleger ärgern sich über die niedrigen Zinsen, für Schuldner sind sie eine Erleichterung - so auch für den deutschen Staat. Nach Zahlen der Bundesbank hat Deutschland dank der extrem niedrigen Zinsen seit der Finanzkrise ab 2007 rein rechnerisch rund 120 Milliarden Euro eingespart.

Seit Jahren sei die durchschnittliche Verzinsung der deutschen Staatsschulden stark rückläufig, erklärte die Notenbank. Das lasse sich jedoch "nicht unbedingt in voller Höhe mit einer Haushaltsentlastung gleichsetzen".

Musste der deutsche Staat Anfang der Neunzigerjahre im Schnitt noch acht Prozent Zinsen für seine Schulden zahlen, sank die Durchschnittsverzinsung auf 4,3 Prozent im Jahr 2007. Im Jahr 2012 lag die Verzinsung laut Bundesbank bei gut drei Prozent, 2013 nur noch bei etwa 2,6 Prozent.

Im Überblick ergeben sich laut Bundesbank rein rechnerisch folgende Summen für die vergangenen sechs Jahre: Die gesamtstaatliche Entlastung gegenüber dem Durchschnittszins des Jahres 2007 betrug für

  • 2008 rund 2 Milliarden Euro
  • 2009 gut 10 Milliarden Euro
  • 2010 etwa 19 Milliarden Euro
  • 2011 circa 24 Milliarden Euro
  • 2012 gut 28 Milliarden Euro und
  • 2013 schließlich fast 37 Milliarden Euro

Zusammengerechnet ergeben diese Beträge rund 120 Milliarden Euro.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) - aktuell liegt der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent - drückte den Wert ebenso wie die hohe Nachfrage nach als sicher geltenden deutschen Staatspapieren in der Krise. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte bereits Ende 2013 in einer Rede die Einsparungen des deutschen Fiskus thematisiert, die exakten Zahlen lieferte die Bundesbank nun nach.

bos/dpa

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insgesamt 108 Beiträge
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1. wenn wir
alois.hingerl 11.08.2014
Zitat von sysopAFPDes einen Leid, des anderen Freud: Die niedrigen Zinsen haben laut Bundesbank die Kosten der Staatsverschuldung seit 2007 um rund 120 Milliarden Euro gedrückt - die Zahlen für die vergangenen sechs Jahre im Überblick. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bundesbank-deutscher-staat-spart-milliarden-durch-niedrige-zinsen-a-985575.html
mit den Schulden sparen können, sollten wir vielleicht mehr machen: vielhilft viel!
2. Milchmädchenrechnung
Progressor 11.08.2014
Wenn man die Belastung des Bundes genau berechnen will, dann gilt es die Inflationsrate zu berücksichtigen. Realzinssatz = Nominalzins - Inflation Und da sieht die Sache schonmal nicht mehr so gut aus. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1046/umfrage/inflationsrate-veraenderung-des-verbraucherpreisindexes-zum-vorjahr/
3. ...und dennoch neue Schulden!
gbofeld 11.08.2014
Noch nie gab es so hohe Steuereinnahmen und noch nie mussten für die Staatsverschuldung so wenig Zinsen bezahlt werden und dennoch bekommt unsere Regierung keinen wirklich ausgeglichenen Haushalt auf die Reihe... und dennoch ist Mutti Angela die BESTE! UNGLAUBLICH...
4. Rein rechnerisch
luny 11.08.2014
Zitat von sysopAFPDes einen Leid, des anderen Freud: Die niedrigen Zinsen haben laut Bundesbank die Kosten der Staatsverschuldung seit 2007 um rund 120 Milliarden Euro gedrückt - die Zahlen für die vergangenen sechs Jahre im Überblick. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bundesbank-deutscher-staat-spart-milliarden-durch-niedrige-zinsen-a-985575.html
Guten Abend, alles sehr schön, nur sind diese Angaben zum einen nur "rein rechnerisch" und zum anderen hat diese "Ersparnis" nicht dazu geführt, daß der Schuldenberg abgebaut wurde. Ganz im Gegenteil, der oft versprochene ausgeglichene Haushalt wurde wieder in die Zukunft verschoben. Die Verwendung des Wortes "Sparen" bedeutet lediglich, weniger Schulden zu machen, als geplant. Mit dem herkömmlichen Sinn des Wortes, also Geld zur Seite zu legen, das man übrig hat, hat dieser Wortgebrauch leider nichts zu tun. Oder banal gesagt: Die 120 Milliarden EUR sind futsch :-) LUNY
5. 37 Milliarden weniger Zahlungsverpflichtungen in 2013
kpkuenkele 11.08.2014
und dennoch kein ausgeglichener Haushalt. Was muss eigentlich noch passieren, dass unsere Regierung es schafft, ordentlich zu wirtschaften?
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