Bilanz für 2015 Bundesbank macht 3,2 Milliarden Euro Gewinn

Wolfgang Schäuble kann sich über viel Geld für seinen Bundeshaushalt freuen. Die Bundesbank hat 2015 einen Gewinn von 3,2 Milliarden Euro erzielt - auch wegen der Anleihekäufe, die sie gar nicht will.

Bundesbank-Zentrale in Frankfurt: Höhere Erträge als 2014
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Bundesbank-Zentrale in Frankfurt: Höhere Erträge als 2014


Die Bundesbank hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr leicht steigern können. Die Notenbank erzielte einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro, das waren 250 Millionen Euro mehr als noch im Jahr 2014 - trotz der extrem niedrigen Leitzinsen, die für den Hauptteil der Gewinne sorgen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärte den Anstieg unter anderem mit gesunkener Risikovorsorge und höheren Erträgen aus Anleihengeschäften. Der Gewinn fließt in den Bundeshaushalt.

Die sehr niedrigen Zinsen hatten sich bereits im Jahr 2014 negativ auf den Überschuss der Bundesbank ausgewirkt. Im vergangenen Jahr sanken die Nettoerträge aus den Zinsen für die Bundesbank von 3,1 auf 2,3 Milliarden Euro. Zudem belasteten Milliarden-Rückstellungen für Kreditrisiken infolge der gemeinsamen Geldpolitik unter Regie der Europäischen Zentralbank (EZB) die Bilanz der Bundesbank.

Die Bundesbank sieht etwa den Kauf von Staatsanleihen kritisch, an dem sie sich im Rahmen der gemeinsamen Geldpolitik für den Euroraum beteiligten muss. Allerdings sind die Wertpapiere auch eine Einnahmequelle, denn die Zinserträge aus den Geschäften kommen anteilig der deutschen Notenbank zugute.

Gewinn aus kritisierten Anleihenkäufen

Zudem konnte die Bundesbank einen Teil der Rückstellungen für solche Geschäfte nun auflösen, weil griechische und italienische Anleihen, die auf dem Hoch der Schuldenkrise erworben wurden, auslaufen. Dennoch verringerte die Bundesbank die Rückstellungen nur leicht von 14,4 auf 13,6 Milliarden Euro.

Im Rahmen eines gewaltigen neuen Kaufprogramms pumpt die EZB seit vergangenem März monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Die Befürworter wollen mit der Geldflut das Wirtschaftswachstum antreiben und die niedrige Inflation im Euroraum bekämpfen, die als Konjunkturrisiko gilt.

Bundesbank-Chef Weidmann ist profilierter Kritiker dieser Politik und warnte wiederholt vor Risiken und Nebenwirkungen. So könnte etwa die Reformbereitschaft der Regierungen erlahmen, weil sich die Politik einmal mehr auf die Feuerkraft der Zentralbank verlasse.

Dank des höheren Bundesbank-Gewinns wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäubles (CDU) Finanzpolster zur Bewältigung der Flüchtlingszuwanderung dicker. Denn was über 2,5 Milliarden Euro hinausgeht, fließt in die Rücklage des Bundes zur Finanzierung der Kosten für Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Eingeplant im Bundeshaushalt für dieses Jahr war ein Bundesbank-Gewinn von 2,5 Milliarden Euro.

fdi/dpa

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