Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Rückholaktion: Bundesbank sammelt Goldbarren ein

Weil besorgte Bürger den Goldschatz der Republik lieber in den eigenen Tresoren sehen, begann die Bundesbank 2013 damit, die Depots in den Partnerstaaten aufzulösen. Das komplizierte Projekt kommt gut voran.

Goldbarren der Bundesbank: Legendärer Schatz Zur Großansicht
DPA

Goldbarren der Bundesbank: Legendärer Schatz

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Der Goldschatz der Bundesbank ist legendär: Mit mehr als 270.000 Barren ist er der zweitgrößte der Welt. Doch der Großteil der 3384 Tonnen Edelmetall lagert aus historischen Gründen im Ausland - noch. Seit 2013 bringt die Notenbank schrittweise Gold nach Frankfurt, insgesamt 674 Tonnen sollen bis 2020 aus den Tresoren der US-Notenbank Fed und der Banque de France in heimische Tresore verlagert werden. Auch in diesem Jahr wurde auf streng geheimen Wegen tonnenweise Gold aus dem Ausland nach Frankfurt gebracht - zu den Transportwegen macht die Notenbank aus Sicherheitsgründen keine Angaben.

"Wir sind gut im Plan. Bis 2020 werden wir die Hälfte des deutschen Goldes in Deutschland haben", verspricht Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Zum Vergleich: Ende 2012 lagen nur 31 Prozent der Goldreserven oder 1036 Tonnen in Frankfurt. Auch das war relativ viel, wie Thiele betont: "Wir holen das Gold nicht zurück, denn es war nie hier. Bis zur deutschen Einheit hatten wir nur 77 Tonnen in Deutschland - aus Sicherheitserwägungen zu Zeiten des Kalten Krieges." Das waren seinerzeit nur zwei Prozent des Gesamtbestandes.

Trotzdem dürfte es viele Deutsche beruhigen, dass sich die heimischen Tresore nun nach und nach füllen: Sie wissen den wertvollen Schatz lieber in der Heimat als in der Fremde. Denn die Öffentlichkeit bis hin zum Bundesrechnungshof ist misstrauisch, ob das deutsche Gold nach Jahrzehnten in Tresoren anderer Notenbanken sicher und noch vollständig vorhanden ist - und ob Deutschland im Krisenfall darauf zugreifen könnte. Daher fordert etwa die Initiative "Holt unser Gold heim" eine vollständige und unabhängige Überprüfung der deutschen Goldbestände an allen Lagerorten - und "die zeitnahe Rückführung des im Ausland gelagerten Goldes nach Deutschland".

Partnerbanken über jeden Zweifel erhaben

Thiele versichert, Sorgen über das im Ausland lagernde Gold seien unbegründet. Dieses hätten die Eingangskontrollen der angelieferten Barren bestätigt. Zudem bestünden an der Integrität der Partnernotenbanken nicht die geringsten Zweifel.

Die Bundesbank begann 2013 mit der Verlagerung des Edelmetalls aus Paris und New York, die Goldbestände in London bleiben unangetastet. In den ersten beiden Jahren kamen zusammen 157 Tonnen in die Keller der Bundesbank. Wie viel es 2015 waren, sagt die Notenbank noch nicht.

Dass der Großteil des deutschen Goldes bisher in den Tresoren der Fed, der Banque de France in Paris und der Bank of England in London lagert, hat historische Gründe. Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder - die Vorgängerin der Bundesbank - Goldreserven auf. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant: Die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des Exports viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten.

Wert: 109 Milliarden Euro

Das Ergebnis: Heute hat die Bundesbank nach den USA den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Aktuell sind die Barren 109 Milliarden Euro wert. Allerdings schwanken die Preise: Der Marktwert der Goldreserven lag 1997 umgerechnet bei nur 25,2 Milliarden Euro, seinen Höchststand erreichte er 2012 mit 137,5 Milliarden Euro. Dabei trennen sich die Frankfurter Jahr für Jahr von wenigen Tonnen: Der Goldbestand sinkt durch Verkauf an das Bundesfinanzministerium für das Prägen von Goldmünzen, 2014 schrumpfte die Reserve so um 2930 Kilogramm.

Während des Kalten Krieges wurde deutsches Gold gezielt außerhalb der Landesgrenzen aufbewahrt. Seit der Euro-Einführung dies- und jenseits des Rheins ist jedoch zumindest für den Standort Paris das Argument hinfällig, man könne das dort gelagerte Gold im Krisenfall in Devisen umtauschen. Daher wird dieser Lagerort komplett aufgelöst.

Für New York und London gilt das nicht. Daher werden aus den USA nur 300 von mehr als 1500 Tonnen Gold nach Deutschland überführt, die 35.640 Barren in London bleiben komplett unberührt. Das hat handfeste Gründe, wie Thiele betont: "Es ist wichtig, für Krisenfälle Vorsorge zu betreiben. Deshalb werden wir einen Teil des Goldes in dem Land mit der größten Leitwährung der Welt lassen - das sind die USA mit dem Dollar. Und einen anderen Teil lassen wir in der Bank of England in London als größtem Goldhandelsplatz der Welt."

Zusammengefasst: Die Bundesbank will bis 2020 die Hälfte des staatlichen Goldbestandes nach Deutschland holen. Bislang hatte Deutschland den sagenhaften Schatz in den Tresoren der Banken befreundeter Staaten gelagert. Der Transport ist schon wegen der notwendigen Geheimhaltung aufwendig.

mik/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 202 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
dosmundos 21.12.2015
Was das kostet, bloß weil ein paar Wichtigtuer Zweifel daran hatten, dass die Goldbarren auch tatsächlich aus Gold sind und entsprechend Rabatz gemacht hatten!
2. ....
Strichnid 21.12.2015
"kein Zweifel über die Integrität der anderen Zentralbanken" ... mag sein. Aber deren Regierungen kann man nicht trauen, das ist das Problem. Danke SpOn für das Update!
3. 109 Mrd Euro Gold
t dog 21.12.2015
Zur Rettung des Euros wird das Gold wohl nicht reichen, da allein Griechenland einen ähnlich hohen Betrag an Schulden bei Deutschland hat. Aber vielleicht ist es hilfreich, wenn Deutschland demnächst eine eigene, neue Währung etablieren muss. Gold schafft Vertrauen und das hat der Nachfolger des Euros auch bitter nötig.
4. Der zweitgrößte Goldschatz der Welt.
supergrobi123 21.12.2015
Mit anderen Worten: Wir sind reich? Kommt mir manchmal nicht so vor.
5.
muellerthomas 21.12.2015
Ihr VTler seid witzig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: