Bundesbank-Vermögensbericht Jeder Haushalt besitzt 214.000 Euro - im Schnitt

Das Vermögen der Deutschen steigt - doch es ist zunehmend ungleich verteilt: Den oberen zehn Prozent gehören laut einer Bundesbank-Studie 60 Prozent, der unteren Hälfte nur 2,5 Prozent.

Königsallee in Düsseldorf
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Die Bundesbank ist nicht dafür bekannt, ihre Studienergebnisse zugespitzt zu formulieren. Wenn es etwa um die Entwicklung der Häuserpreise geht, betonen die Bundesbanker regelmäßig, dass trotz deutlicher Steigerungen keine Immobilienblase festzustellen sei.

In ihrem aktuellen Bericht über Vermögen und Finanzen privater Haushalte in Deutschland wird die Bundesbank hingegen deutlich: Bereits in den ersten Absätzen weist sie darauf hin, dass die Ungleichheit in Deutschland deutlich höher ist als im Schnitt der Eurozone - und zwar gleich in mehreren möglichen Messgrößen.

Zum zweiten Mal hat die Bundesbank von April bis November 2014 repräsentativ ausgewählte Haushalte nach ihren Finanzen befragt. Die erste Erhebung fand im Jahr 2010 statt und wurde drei Jahre später veröffentlicht. Schon damals hatte die Bundesbank eine relativ große Vermögenskluft in Deutschland konstatiert. Daran hat sich in den vier Jahren zwischen den Erhebungen kaum etwas geändert. Die Ungleichheit ist sogar noch etwas größer geworden. (Hier finden Sie den Monatsbericht der Bundesbank als PDF-Datei.)

So besaß 2014 die untere Hälfte der Haushalte lediglich 2,5 Prozent des gesamten Nettovermögens. Den obersten zehn Prozent der Haushalte gehörten hingegen 59,8 Prozent des Vermögens. Im Jahr 2010 waren es noch 59,2 Prozent.

Auch der sogenannte Gini-Koeffizient ist noch einmal leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 76 Prozent gestiegen. Er misst die Verteilung - je höher der Prozentwert, desto ungleicher sind Vermögen verteilt. Zum Vergleich: In der gesamten Eurozone lag der Gini-Koeffizient 2014 demnach bei 69 Prozent. Selbst in den traditionell von Ungleichheit geprägten USA lag er 2013 bei rund 80 Prozent. In Deutschland liegt die Vermögensungleichheit also weit näher an den Zuständen in den USA als in der europäischen Währungsunion.

Insgesamt gesehen sind die Privatvermögen in Deutschland von 2010 bis 2014 leicht gestiegen. Im Durchschnitt betrugen die Bruttovermögen pro Haushalt 240.200 Euro (2010: 222.200 Euro). Zieht man die Schulden der Haushalte ab, ergibt sich ein durchschnittliches Nettovermögen von 214.500 Euro (2010: 195.200 Euro).

Deutsche im Euroraum-Vergleich relativ unvermögend

Der Mittelwert der Nettovermögen, der sogenannte Median, liegt also deutlich niedriger. Um den Medianwert zu ermitteln, werden die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte geteilt. Das Vermögen des Haushalts in der Mitte ist das Medianvermögen. Dieses lag 2014 netto bei 60.400 Euro (2010: 51.400 Euro). Das ist eine Steigerung um 18 Prozent binnen vier Jahren und entspricht damit der Zunahme der verfügbaren Einkommen. Die große Differenz zwischen Durchschnitts- und Medianvermögen ist ein weiteres Zeichen für hohe Ungleichheit, schreiben die Autoren.

Im europäischen Vergleich haben die Deutschen ein recht niedriges Vermögen. So lag das Netto-Medienvermögen in Italien 2014 etwa bei 138.000 Euro. Allerdings liegt dies teilweise auch an der Methodik der Vermögensmessung: So zählen etwa die Ansprüche aus einer privaten Altersvorsorge zum Vermögen - die Ansprüche auf die gesetzliche Rentenversicherung jedoch nicht. Außerdem schlägt sich der in Deutschland mit 44 Prozent relativ niedrige Anteil an Haushalten nieder, die ihre Wohnimmobilie selbst besitzen - in anderen europäischen Ländern ist Immobilienbesitz weiter verbreitet.

Zu den von der Bundesbank erhobenen Vermögen zählen Sachvermögen wie Immobilien, Gewerbebetriebe, Schmuck oder Autos und Finanzvermögen inklusive Wertpapiere und Aktien. Davon abgezogen werden Schulden wie Hypotheken oder Konsumentenkredite.

Die Entwicklung bei Zinsen und Häuserpreisen schlägt sich daher auch bei den privaten Vermögen nieder: So konnten vor allem die Haushalte mit Immobilienbesitz von 2010 bis 2014 deutliche Zuwächse verzeichnen. Bei der Hälfte dieser Haushalte stiegen die Nettovermögen um mehr als 33.500 Euro. Die Mehrzahl der Mieter musste sich laut Bundesbank-Studie mit Zuwächsen von weniger als 1000 Euro begnügen - oder verlor sogar Vermögen.

Wachsende Ungleichheit

Mitarbeit: Philipp Seibt



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insgesamt 551 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 21.03.2016
1.
Ist doch mal erfreulich auch den Median Wert zu lesen statt immer nur das arithmetische Mittel. Darf ich im Übrigen mal ehrlich sein? Es wundert mich überhaupt nicht, dass die unteren 50 % so wenig besitzen. Ich kenne diese Leute auch: Noch bevor IRGENDWELCHE Summen angespart werden können wird direkt das neue Sofa auf Pump gekauft, das vierte Auto in 3 Jahren verkauft und ein Neues gekauft sowie nebenher noch zwei neue Handyverträge abgeschlossen. Tja, eigene Schuld.
grain 21.03.2016
2. Wo denn ?
Ich hab überall nachgeguckt : Die genannte Summe ist definitiv nicht auf meinem Konto, auch nicht unter dem Kopfkissen oder im Keller. Fazit : Irgendjemand hat mein Geld und nun stimmt der Schnitt nicht mehr.....
P-Centurion 21.03.2016
3.
Cool, wo kann ich das Geld abholen?
SPONU 21.03.2016
4. Ich komme vor lauter
Konsum nicht zum Sparen :)
marxtutnot 21.03.2016
5. 214 000?
Dann hat mir meine Bank doch glatt die 2 vorneweg nicht ausgewiesen.
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