Langsamer Stromleitungsbau Netzagentur korrigiert Falschaussage

Kein einziger Kilometer wichtiger Stromleitungen sei 2013 gebaut worden, monierte der Chef der Bundesnetzagentur. Irrtum, sagen die Erbauer dieser Strippen, man habe 52 Kilometer geschafft. Das ist zwar immer noch zu wenig - weckt aber Zweifel an der Arbeit der obersten Kontrollbehörde.

Strommasten: Stockender Netzausbau, aber kein kompletter Stillstand
DPA

Strommasten: Stockender Netzausbau, aber kein kompletter Stillstand


Berlin - Ist die Bundesnetzagentur bei der Steuerung des Stromnetzausbaus voll im Bilde? Eine Posse um den sogenannten Monitoringbericht der Behörde lässt Zweifel daran aufkommen.

In dem Bericht ist von Stillstand beim Ausbau wichtiger Stromleitungen die Rede. Von den sogenannten EnLag-Vorhaben - jenen Trassen, die für die Energiewende unverzichtbar sind - dürften laut Prognosen der Stromnetzbetreiber erst 2014 neue Abschnitte fertiggestellt werden, heißt es in dem Dokument, über das auch SPIEGEL ONLINE am Wochenende berichtet hatte. Diese Aussage bekräftigte Jochen Homann, der Chef der Bundesnetzagentur, noch einmal in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Kein einziger neuer Kilometer sei 2013 gebaut worden, sagte er am Samstag.

Nun zeigt sich: Das stimmt gar nicht. Entgegen der Darstellung der Bundesnetzagentur sind 2013 durchaus entsprechende Leitungen gebaut worden. Insgesamt wurden nach Angaben der Netzbetreiber 52 Kilometer fertiggestellt. Der Betreiber Amprion hatte bereits am 27. November öffentlich bekanntgegeben, die 30 Kilometer lange Strecke Grafschaft-Sechtem in Nordrhein-Westfalen sei fertig. In Ostdeutschland kamen 22 Kilometer hinzu, sagte der Betreiber 50Hertz am Mittwoch der dpa.

52 Kilometer. Das ist immer noch zu wenig. Ursprünglich sollten bis Ende 2015 insgesamt 23 Trassen mit einer Gesamtlänge von 1855 Kilometern weitgehend gebaut sein. Mit den zuvor geschafften Abschnitten sind gerade 320 Kilometer fertig. Dennoch sorgten Homanns Aussagen in der Branche für Verwunderung. Es ist immerhin Kernkompetenz seiner Behörde, den Netzausbau in Deutschland zu steuern und zu kontrollieren. Warum schafft es ihr Chef also nicht, den Fortschritt von 23 Stromstrippen im Blick zu behalten?

Das liegt offenbar daran, dass die Bundesnetzagentur die Netzbetreiber in größeren Zeitabständen kontrolliert. Man habe bei den Unternehmen vor einiger Zeit Anfragen gestellt, erklärte die Bundesnetzagentur. Diese hätten ergeben, "dass kein Baufortschritt zu verzeichnen war und sich daran auch bis Ende dieses Jahres nichts ändern würde". Diese Angaben hatten offenbar weder die Behörde noch ihr Chef später noch einmal überprüft.

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ssu

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