Plan für die Energiewende: Netzagentur kürzt Trassenausbau

Die Bundesnetzagentur hat die Pläne für den Hochspannungsnetz-Ausbau in Deutschland zusammengestrichen. Die Behörde hat weniger Projekte aufgenommen, als von den Übertragungsnetzbetreibern vorgeschlagen. So sollen zunächst nur drei von vier neuen Stromautobahnen gebaut werden.

Stromleitungsbau in Brandenburg (Archivbild): 1000 km Leitungen weniger als geplant Zur Großansicht
dapd

Stromleitungsbau in Brandenburg (Archivbild): 1000 km Leitungen weniger als geplant

Berlin - Die Bundesnetzagentur hat ihre Planung für den Ausbau des Stromnetzes vorläufig abgeschlossen. In ihrem Entwurf hat die Behörde aber deutliche Abstriche an den Ursprungsplänen der vier Übertragungsnetzbetreiber vorgenommen. So sollen bei neuen Stromautobahnen zunächst nur 2800 statt 3800 Kilometer gebaut werden. Damit enthält der nun vorgelegte Entwurf nur drei von vier vorgeschlagenen Stromautobahnen (siehe Grafik). Sie sollen künftig den im Norden erzeugten Windstrom in die Verbrauchszentren im Westen und Süden transportieren.

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Geplant sind an neuen Hochspannungsleitungen von Nord nach Süd nun eine ganz im Westen von der Nordseeküste über das Ruhrgebiet ins Rhein-Main-Gebiet, eine aus dem Raum Hamburg bis östlich von Stuttgart sowie eine Trasse von Thüringen nach Bayern. Vorerst gestrichen wurde ein Verbindung aus dem Raum Bielefeld in den Großraum Frankfurt.

Bei der Modernisierung des bestehenden Höchstspannungsnetzes hält es die Behörde für notwendig, zunächst nur 2800 statt 4400 Kilometer zu optimieren, damit die Leitungen für die schwankende Ökostrom-Einspeisung bereit sind.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, übergab Wirtschaftsminister Philipp Rösler den Entwurf für den ersten nationalen Netzentwicklungsplan, der als zentraler Baustein für die Energiewende gilt. Darin sind Maßnahmen zum Ausbau, zur Optimierung und zur Verstärkung der bestehenden Stromnetze enthalten. So soll der Atomausstieg bis 2022 zu schaffen sein. Der Plan basiert auf Szenarien für den Strombedarf in den nächsten zehn Jahren.

Insgesamt hat die Bundesnetzagentur nur noch 51 von 74 vorgeschlagenen Maßnahmen als vordringlich eingestuft. "Im Ergebnis bestätigen wir heute nur die Netzausbauvorhaben, die nach strengen Kriterien auch unter veränderten energiewirtschaftlichen Bedingungen unverzichtbar sind", sagte Homann. Dass Abstriche gemacht wurden, bedeute allerdings nicht, dass die anderen Maßnahmen auf Dauer nicht erforderlich seien, sagte Homann.

Behörde sieht nun die Regierung und die Länder am Zug

Eine zentrale Bedeutung komme nun der zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer vereinbarten abgestimmten Gesamtstrategie für die Energiewende zu, sagte Homann. "Je schneller diese Strategie vorliegt, desto solider ist die Grundlage für die Planung der Stromnetze der Zukunft."

Die Bundesnetzagentur hatte in den vergangenen Wochen zahlreiche Anhörungen durchgeführt, in denen Bürger und Verbände ihre Einwände gegen die Planungen der Netzbetreiber zum Ausbau der deutschen Stromautobahnen vorbringen konnten. Kritiker hielten die Pläne der Netzbetreiber von vorneherein für überdimensioniert. Allerdings legt der Netzentwicklungsplan noch keine konkreten Trassenverläufe fest. Das soll erst in späteren Planungsschritten geschehen.

Das Bundeswirtschaftsministerium muss als nächstes ein Bundesbedarfsplangesetz vorlegen. Dieses soll noch im Dezember vom Kabinett verabschiedet werden, damit das parlamentarische Verfahren beginnen kann. Mit dem Gesetz stehen die Anfangs- und Endpunkte der künftigen Höchstspannungsleitungen fest. Erst dann werden die Trassenkorridore festgelegt, bis zu tausend Meter breite Streifen, in denen später einmal die Leitungen verlaufen werden. Verlaufen die Stromautobahnen durch mehrere Bundesländer, liegt die Verantwortung künftig bei der Netzagentur.

mmq/dpa/dapd

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insgesamt 106 Beiträge
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1. dezentrale Versorgung
denkdochmalmit 26.11.2012
Bei konsequenter dezentrale Versorgung können wir mit den bestehenden Leitungen hinkommen....
2.
pepe_sargnagel 26.11.2012
Zitat von denkdochmalmitBei konsequenter dezentrale Versorgung können wir mit den bestehenden Leitungen hinkommen....
Ich hab da mal eine praktische Frage. Ist es möglich diese Stromtrassen in der Nähe von Autobahnen zu verlegen? Wäre doch eine Idee, um die zahlreichen Anwohnerbeschwerden zu minimieren. Wissen tu ich aber auch nicht, ob das dann ökonomisch sinnvoll ist - könnte schon sein, würde ja viele Gerichtsprozesse ersparen und eine Welle von weiteren "Räumungs-" und "Abholzaktionen" ersparen. Wäre mal eine interessante Debatte.
3. Das...
vincent1958 26.11.2012
Zitat von denkdochmalmitBei konsequenter dezentrale Versorgung können wir mit den bestehenden Leitungen hinkommen....
..gilt lt.Bundesnetzagentur für PV Anlagen eh schon!
4.
günter1934 26.11.2012
Zitat von denkdochmalmitBei konsequenter dezentrale Versorgung können wir mit den bestehenden Leitungen hinkommen....
Wir haben doch in Deutschland eine dezentrale Stromversorgung. Überall, wo es notwendig war, wurden Kraftwerke gebaut, Grosse, Kleine, Atom, Kohle Gas. Da hatte der Strom nirgendwo weit zu fliessen. Lediglich die Wasserkraftwerke mussten den natürlichen Gegebenheiten folgen. Erst durch das EEG werden wir gezwungen, den Windstrom im Norden Deutschlands nach dem Süden zu verfrachten. Und wie Sie den Süden Ds konsequent dezentral mit Erneuerbaren Energien versorgen wollen, das müssten Sie schon mal genauer erklären!
5.
Attila2009 26.11.2012
Na toll und unser Bundeswirtschaftsminister wollte dafür vorsorglich gleich mal die Umweltgesetzte schleifen. Was mich wundert. Früher haben süddeutsche Kernkraftwerke den Strom in den hohen Norden geleitet und nachdem sie abgeschaltet werden wären ja die Stromtrassen frei um Strom vom Norden nach Süden zu leiten aber das geht nicht ? wegen dem Gefälle ? Ich habe den Verdacht dass der ganze Trassenhype ein künstliches Gespenst der Stromlobby ist um die Kernenergie noch ein bißchen zu betreiben um Geld zu verdienen. Eigentlich wäre die dezentrale Stromerzeugung per regenerative Quellen und kommunale Anbieter die perfekte Lösung ohne große zusätzliche Trassen. Aber was machen wir dann mit den schönen großen teuren Kraftwerken ?
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