Bundesrat: Reiche Erben sollen strenger besteuert werden

Reiche Erben sollen sich nicht mehr so leicht vor der Steuer drücken können. Darum will der Bundesrat ein Schlupfloch im Erbrecht schließen: Privatvermögen sollen nur noch eingeschränkt in Betriebsvermögen umgewandelt werden können.

Testament: Bundesrat will Steuerkniffe erschweren Zur Großansicht
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Testament: Bundesrat will Steuerkniffe erschweren

Hamburg - Der Bundesrat will Steuerkniffen reicher Erben ein Ende setzen. Wohlhabende sollen sich künftig nicht mehr so leicht vor der Erbschaftssteuer drücken können. Der Bundesrat sprach sich daher am Freitag in Berlin dafür aus, die Umwandlung von Privatvermögen in steuerlich begünstigtes Betriebsvermögen zu erschweren. Dies war bislang eine Möglichkeit, um ein Erbe vor Besteuerung zu schützen.

Die Forderung fließt in die Bundestagsberatungen über das Jahressteuergesetz 2013 ein. Die Länderkammer reagiert damit auf die zunehmende Zahl sogenannter Cash GmbHs. Diese werden allein zu dem Zweck gegründet, um die Steuerlast zu mindern. Fortan soll eine Verlagerung von Finanzmitteln wie Aktien oder Bargeld nur noch bis zu einer Grenze von zehn Prozent des Unternehmenswertes möglich sein.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sagte, es könne nicht hingenommen werden, dass das Erbschaftssteuerrecht praktisch dazu einlade, Cash GmbHs zu gründen. Das dort eingebrachte Vermögen diene in keiner Weise dem Gemeinwohl und dürfe steuerlich nicht bessergestellt werden.

Die schwarz-gelbe Koalition hingegen reagiert zurückhaltend auf den Bundesratsvorstoß, berichtet das Handelsblatt. "Wir müssen sicherstellen, dass Maßnahmen zur Schließung von steuerlichen Schlupflöchern nicht über das Ziel hinausschießen", sagte demnach der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU).

Die Länder sprachen sich außerdem dafür aus, auf Dividenden, die Konzerne aus Beteiligungen an anderen Unternehmen beziehen, wieder Kapitalertragsteuer zu erheben. Bisher sind diese Erträge faktisch steuerfrei. Künftig soll die Freistellung erst ab einer Beteiligungsquote von zehn Prozent gelten.

bos/Reuters

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1.
SpitzensteuersatzZahler 06.07.2012
Die Erbschaftsteuer generell ist viel zu niedrig. Wers nicht glaubt, schaue sich mal an, ab welchem Zeitpunkt in den USA diese Milliardendynastien entstanden sind - genau dann als man die Erbschaftssteuer von teilweise über 90% fast abgeschafft hat. Sowas kann kein vernünftiger Mensch wollen. Das Argument, dass es sich um bereits versteuerten Geld handel ist schlicht dumm. Ich muss doch von meinem versteuerten Einkommen auch noch Mehrwertsteuer etc. bezahlen, wenn ich einkaufe. Einkommen gleich welcher Art sollte gleich hoch besteuert werden. Mindestens. Erbschaft eher noch höher, da keine Leistung dafür erbracht wurde, außer den richtigen Nachnamen zu haben.
2. Typisch
petsy157 06.07.2012
Wann hört denn diese Frechheit endlich mal auf. Erbschaftssteuer ist eine Doppelsteuer, denn das Vermögen das man erbt ja bereits vom Erblasser regulär versteuert worden. In anderen Staaten geht es doch auch, dass Erschaftssteuer nur auf Gelder erhoben wird, die bisher unversteuert waren. Das wäre der richtige Ansatz, aber dann würde der Staat keine Miliarden mehr zum verschleudern haben und müsste sich Gedanken machen, wie man spart, so wie es der kleine Bürger schon sehr lange machen muss um irgendwie über die Runden zu kommen.
3.
petsy157 06.07.2012
[QUOTE=SpitzensteuersatzZahler;10508761]Die Erbschaftsteuer generell ist viel zu niedrig. Wers nicht glaubt, schaue sich mal an, ab welchem Zeitpunkt in den USA diese Milliardendynastien entstanden sind - genau dann als man die Erbschaftssteuer von teilweise über 90% fast abgeschafft hat. Das ist definitiv Falsch. In den USA gibt es eine viel höhere Erbschaftssteuer als in Deutschland, nur ist sie auf das Geld beschränkt, das bisher noch nicht versteuert war oder ist,
4. So so,
tbf325e 06.07.2012
Zitat von SpitzensteuersatzZahlerDie Erbschaftsteuer generell ist viel zu niedrig. Wers nicht glaubt, schaue sich mal an, ab welchem Zeitpunkt in den USA diese Milliardendynastien entstanden sind - genau dann als man die Erbschaftssteuer von teilweise über 90% fast abgeschafft hat. Sowas kann kein vernünftiger Mensch wollen. Das Argument, dass es sich um bereits versteuerten Geld handel ist schlicht dumm. Ich muss doch von meinem versteuerten Einkommen auch noch Mehrwertsteuer etc. bezahlen, wenn ich einkaufe. Einkommen gleich welcher Art sollte gleich hoch besteuert werden. Mindestens. Erbschaft eher noch höher, da keine Leistung dafür erbracht wurde, außer den richtigen Nachnamen zu haben.
... ist das also "schlicht dumm"? Das vererbschaftssteuerte Geld wird aber auch noch mal durch indirekte Steuern reduziert. Also wird es irgendwie doch einmal mehr versteuert als "verdientes" Geld. Und was hat denn der liebe Staat (Sie meinen doch aber eigentlich sich selbst) dafür getan, dass er die Kohle bekommen soll? Der (bzw. Sie) hat ja noch nicht einmal den richtigen Nachnamen ... Aber solange es einen selbst nicht trifft (mich üübrigens auch nicht), kann man natürlich mal Maximalforderungen aufstellen. Tut ja nicht weh. Ich freu' mich auf die Räterepublik ...
5. Umgekehrt wird ein Schuh daraus!
adam68161 06.07.2012
Die Erbschaftsteuer ist eine reine Neidsteuer. Wird sie weiter erhöht, führt dies zur Kapitalflucht. Auch ein Millionär kann nur eine begrenzte Zahl von Schnitzeln essen, das Kapital aber investiert er bisher und sorgt damit für Arbeitsplätze. Nach allem, was wir wissen, ist der Finanzhunger des Staates unersättlich und sein Ausgabeverhalten alles andere als rational.
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