Berlin - Im Vergleich zu vielen anderen EU-Staaten schlägt sich die deutsche Wirtschaft noch immer gut. Zusehends jedoch erreicht die Krise auch deutsche Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesfinanzministerium in seinem aktuellen Monatsbericht. Die Gesamtheit der Daten deute darauf hin, "dass sich das Wirtschaftswachstum im weiteren Jahresverlauf gegenüber der unerwartet günstigen Entwicklung in der 1. Jahreshälfte abschwächen dürfte".
Den Regierungsexperten zufolge zeigen zwar einige Konjunkturindikatoren unerwartet günstige Ergebnisse. So stiegen die Steuereinnahmen im August so stark wie seit etwa eineinhalb Jahren nicht mehr. Bund und Länder nahmen 12,8 Prozent mehr Steuern ein als im Vorjahresmonat. Auch für das Gesamtjahr zeichnen sich höhere Einnahmen ab als bisher erwartet: Zwischen Januar und August lag das Plus ohne reine Gemeindesteuern bei 5,8 Prozent. Steuerschätzer hatten zuletzt einen Zuwachs von vier Prozent vorhergesagt.
Dennoch gibt sich das Finanzministerium zurückhaltend: Die Unternehmensstimmung trübe sich weiter ein. Für eine Abschwächung der Konjunktur sprächen auch ungünstigere Perspektiven für die Weltwirtschaft.
Der Außenhandel zeigte sich dem Bericht zufolge zu Beginn des dritten Quartals in robuster Verfassung. Im weiteren Jahresverlauf dürfte aber mit einer gewissen Abschwächung der Exportdynamik zu rechnen sein, heißt es. Auch die vom Internationalen Währungsfonds und der Industrieländer-Organisation OECD prognostizierte ungünstigere Entwicklung der Weltwirtschaft deute in diese Richtung.
Im zweiten Quartal hatte sich die Wirtschaftsleistung mit einem Plus um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal etwas abgeschwächt. Wachstumsimpulse kamen vor allem vom privaten Konsum und von Exporten. Die Zunahme der Binnennachfrage wurde jedoch durch deutlich rückläufige Ausrüstungsinvestitionen gebremst. Dies sei möglicherweise auf "Verunsicherungen im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum" zurückzuführen, schreibt das Ministerium.
dab/dpa
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