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EU-Abstimmung: Bundesregierung lässt Zulassung von Genmais zu

Protest von Campact vor dem Kanzleramt: Bundesregierung uneins Zur Großansicht
Campact / Jakob Huber

Protest von Campact vor dem Kanzleramt: Bundesregierung uneins

Deutschland wird sich bei der Abstimmung über Genmais in der EU enthalten. Hintergrund ist, dass sich die Bundesregierung nicht auf eine einheitliche Position einigen konnte. Die Grünen sprechen von einer "Ohrfeige für Gentechnikgegner".

Berlin - Die Bundesregierung stellt sich der Zulassung von gentechnisch verändertem Mais in der EU nicht in den Weg. Regierungssprecher Steffen Seibert kündigte am Mittwoch an, Deutschland werde sich bei der Abstimmung auf EU-Ebene enthalten. Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums ergänzte, dass die Bundesregierung die Zulassung auch bei einer Ablehnung nicht hätte verhindern können. Die EU-Kommission hatte seinen Angaben zufolge mitgeteilt, sie werde den Anbau der Maissorte 1507 von DuPont und Dow Chemical zulassen, da es unter den EU-Staaten keine qualifizierte Mehrheit dagegen gebe.

Durch eine Änderung in ihrem Erbgut produziert die Pflanze unter anderem ein Gift gegen bestimmte Insekten, die der Pflanze schaden, wie etwa Mottenlarven. Kritiker halten die Risiken für nicht ausreichend erforscht. "Die heutige Kabinettsentscheidung ist eine Ohrfeige für eine überwältigende Mehrheit der Menschen in unserem Land, die keine Gentechnik auf Acker und Teller wollen", erklärte der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner. Der baden-württembergische Agrarminister Alex Bonde (Grüne) kritisierte, die Enthaltung der Bundesregierung ebne der Maissorte 1507 den Weg zur Zulassung.

Auch der SPD-Parteitag am 26. Januar hatte ein Nein der Regierung gefordert. Enthaltung sei das übliche Verhalten, wenn es unterschiedliche Auffassungen in der Regierung gebe, sagte Seibert. Im Bundestag lehnte die SPD trotz des Parteitagsvotums am 30. Januar gemeinsam mit dem Koalitionspartner Union einen Gesetzesantrag der Grünen für ein Verbot der Maissorte 1507 in Deutschland ab. "Schuld daran sind die Verhältnisse in der Großen Koalition", erklärte die SPD-Politikerin Dagmar Ziegler, die mit 70 SPD-Abgeordneten ihre Ablehnung der Maissorte nur in einer persönlichen Erklärung zu Protokoll gab. Die CDU-geführten Ministerien für Gesundheit und Forschung seien für die Zulassung. Daher sei sich die Koalition nicht einig.

cte/Reuters

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insgesamt 115 Beiträge
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1. optional
ralf_si 05.02.2014
Das Freihandelsabkommen mit den USA muss ja schleichend eingeläutet werden... Ein Hoch auf den zukünftigen Dreck auf unseren Tellern.
2. Ein kleiner Vorgeschmack
raphaela45 05.02.2014
auf das sogenannte "Frei"handelsabkommen: Alle Freiheiten für globale Konzerne und Eliten, Ohnmacht, Hilflosigkeit und drohende Kriminalisierung allen, die sich deren Interessen entgegenstellen um, die Interessen der BEVÖLKERUNG zu vertreten. - Unsere Politiker-Elite besteht aus gekauften und/oder erpressten Marionetten.
3. Wählerauftrag
postman pat 05.02.2014
Die Regierenden sind unfähig die Bevölkerung zu vertreten, die, das sollte zu jenen durchgedrungen sein, mehrheitlich keine gentechnisch veränderten Pflanzen wünscht. Oder ignoriert man den Wunsch der Wähler ganz bewusst? Anders kann man sich die Enthaltung wohl kaum erklären. Man sollte eine Petition starten, um die Position der Bevölkerung noch einmal ganz deutlich zu signalisieren.
4. warum dreck
Steuerzahler0815 05.02.2014
Zitat von ralf_siDas Freihandelsabkommen mit den USA muss ja schleichend eingeläutet werden... Ein Hoch auf den zukünftigen Dreck auf unseren Tellern.
es gibt keinen unterschied zwischen genmais und normalen mais der beweis: Es gibt keine massenhaften unerklärlichen Todesfälle in der USA Die Gentechnikgegner wären vor 100 Jahren auch für ein Verbot von Flugzeugen gewesen... Aber immer nur dagegen sein hilft unserem Land nicht
5.
zynik 05.02.2014
Zitat von sysopDeutschland wird sich bei der Abstimmung über Genmais in der EU enthalten. Hintergrund ist, dass sich die Bundesregierung nicht auf eine einheitliche Position einigen konnte. Die Grünen sprechen von einer "Ohrfeige für Gentechnikgegner". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bundesregierung-laesst-zulassung-von-genmais-zu-a-951739.html
...da wird einem nur noch schlecht. Alternativvorschlag: Kann man den Genfrass bitte nur den Wählern der derzeitigen Kanzlerin vorsetzen?
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Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.

Hintergrund
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Evolution
Die Veränderung des Erbguts und damit des Phänotyps von Individuen von Generation zu Generation.
Population
Eine Gruppe von Organismen einer Art oder auch verschiedener Arten (Mischpopulation) an einer bestimmten Örtlichkeit.
Phänotyp
Das Erscheinungsbild eines Individuums ist die Gesamtheit der durch die Erbanlagen (Genotyp) und die Einflüsse der Umwelt sich ausprägenden Merkmale eines Lebewesens.
genetische Variabilität
Die einzelnen Individuen einer Art besitzen genetische Unterschiede.
natürliche Selektion
Das Erbgut von Individuen einer Art wird nicht mit gleicher Wahrscheinlichkeit weiter gegeben. Manche Individuen einer Population vermehren sich stärker als andere - je nachdem wie überlebenstüchtig sie in einer bestimmten Umwelt sind. Selektionsfaktoren der Umwelt üben eine natürliche Selektion aus.
sexuelle Selektion
Ein Individuum bevorzugt bei seiner Partnerwahl bestimmte Merkmale. Dadurch haben nicht alle potentiellen Sexualpartner die gleichen Chancen zur Fortpflanzung, es findet somit eine Selektion statt. Die Erbanlagen, die die Merkmale hervorbringen, die fr die Partnerwahl entscheidend waren, werden dadurch weiter gegeben.
künstliche Selektion
Vom Mensch gewünschte Eigenschaften werden durch Selektion und Zucht einzelner Individuen gezielt vermehrt.
genetische Drift
Auch Gendrift genannt. Vorgang bei der Evolution, der zu einer Veränderung im Genbestand kleiner Teilpopulationen gegenüber der Ausgangspopulation führt. Je kleiner eine Population ist, umso leichter kann der Zufall eine vom allgemeinen Durchschnitt abweichende Kombination von Genen zusammenführen. Gelangen beispielsweise nur wenige Individuen einer Art in ein isoliertes Gebiet (Insel, abgeschnittenes Gebirgstal), so können sich nun von ihrem Selektionswert unabhängige Mutationen aufgrund des Zufalls durchsetzen oder verlorengehen. Dies kann zu Formen führen, die in einzelnen Merkmalen nicht angepasst sind (beispielsweise auffällige Färbung, die sie als Beutetiere mehr gefährdet). Der Wirkungsgrad der Gendrift kann durch die mathematische Statistik erfasst werden.

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