Tricks verboten Regierung knöpft sich Spielautomaten-Branche vor

Die Bundesregierung will die Glücksspielindustrie mit strengeren Auflagen belegen. Die Branche muss laut "Berliner Zeitung" Hunderttausende Spielautomaten austauschen oder umrüsten, weil ein Trick der Hersteller verboten wird.

Spielautomat (in Stuttgart): Schluss mit süchtig machenden Tricks der Branche
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Spielautomat (in Stuttgart): Schluss mit süchtig machenden Tricks der Branche


Berlin - Das wird für die Branche teuer: Die schwarz-rote Bundesregierung will einem Zeitungsbericht zufolge die Spielautomaten-Branche in die Schranken weisen und so den Schutz vor Spielsucht erhöhen. Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, muss die Branche mehrere Hunderttausend Geldspielautomaten austauschen oder umrüsten, weil ein Trick der Hersteller verboten werde, mit dem Vorschriften für den Spielerschutz umgangen werden. Darauf habe sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit allen beteiligten Bundesministerien geeinigt, schreibt das Blatt.

Das Verbot betreffe das sogenannte Punktespiel, das in praktisch allen Geldspielautomaten in Deutschland praktiziert wird. Dabei wird der eingeworfene Geldbetrag sofort in Punkte umgewandelt, womit alle gesetzlichen Regelungen zur Spieldauer, zum Höchsteinsatz oder zum Maximalverlust ausgehebelt werden. Das Spiel um Punkte ist nach Ansicht von Suchtforschern besonders gefährlich, weil die Spieler jeden Bezug zum Geld verlieren.

Neue Verordnung kommt frühestens im Herbst

Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte später am Montag den Bericht. Die schwarz-rote Bundesregierung verschärfe auf Druck der Länder nochmals die Novelle der seit 2006 geltenden Spielverordnung, teilte das Ministerium mit. Die Automatenindustrie und viele Gaststätten müssen sich nun frühestens ab Herbst auf strengere Auflagen einstellen. Der auf Wunsch des Bundesrats verschärfte Entwurf der Rechtsverordnung befinde sich derzeit im sogenannten Notifizierungsverfahren bei der EU-Kommission, das Papier könne erst anschließend in Kraft treten.

Konkret einigte sich die Bundesregierung laut Zeitung auf eine Neufassung der Spielverordnung, in der viele Details zum Betrieb von Geldspielautomaten geregelt sind. Eine erste Fassung der Novelle hatte 2012 der damalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vorgelegt. Den Ländern ging der damalige Entwurf aber nicht weit genug, weshalb sie die Verordnung durch einen sogenannten Maßgabebeschluss änderten und zum Beispiel das Verbot des Punktespiels ergänzten.

Gabriel entschied nun nach Gesprächen mit den Bundesländern, die verschärfte Verordnung umzusetzen, schreibt die "Berliner Zeitung". Sie müsse noch von der Europäischen Kommission bestätigt und formal vom Bundeskabinett zur Kenntnis genommen werden.

Dem Bericht zufolge sieht die Verordnung noch weitere Regelungen zum Schutz der Spieler vor. So seien künftig in Kneipen und Gaststätten nur noch zwei statt drei Spielautomaten erlaubt. Der maximale Verlust pro Stunde werde von 80 auf 60 Euro herabgesetzt, der maximale Gewinn pro Stunde von 500 auf 400 Euro reduziert.

nck/dpa



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insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
i.b.s 23.06.2014
1. Wer's glaubt,
denn jetzt werden die Lobbybataillione zum Kampf rüsten und der Dicke wird genauso einknicken, wie der Kinderarzt vor ihm auch. Spon kontakariert Berichte aus früheren Spiegel-Ausgaben nach belieben.
ruditzki 23.06.2014
2.
Klar das die Länder gegen die Automaten sind solange sie nicht in ihren staatlichen Casinos stehen. Im Namen des Spielerschutzes werden die privaten Aufsteller von Automaten eingeschränkt damit die Gewinne in Den Staatlichen Casinos weiter steigen können. ein Schelm der Böses denkt.
flushbush 23.06.2014
3. Alles Zocker
oder was, wohne im LK Celle, klein, beschaulich, aber es wimmelt nur so von diesen "Spielhallen" , selbst auf dem Land. Bin ich nur von Zockern umgeben und habe es noch nie bemerkt ?? Von irgendwas muessen die "spielhoellen" ja leben, Geldwaesche vielleicht ?
kimmberlie67 23.06.2014
4. Da wird der mit der Sonne fürchterlich aufheulen
Aber keine Angst der hat eine gute Lobby und geschmierte Politiker die das sehr stark abmildern.
fatherted98 23.06.2014
5. Lächerlich....
...das eigentliche Problem der Spielhöllen sind nicht die Automaten sondern das Schwarzgeld das über solche Buden gewaschen wird...aber daran zu rütteln hat wohl keiner Interesse...wenn ich bei uns um die Ecke eine solche Spielhalle sehe, in der am Tag vielleicht 3 Typen rumhängen bei über 1000,- Miete im Monat....lach...da weiß ich schon vom Zusehen das da Geld gewaschen wird. Naja...Hauptsache Steuern einnehmen....
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