Steigerung um 45 Millionen Euro Bundesregierung gibt deutlich mehr für externe Berater aus

Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr laut Berichten rund 146 Millionen Euro für Beratung von außen gezahlt. Die Ausgaben stiegen damit binnen einem Jahr um 45 Millionen Euro.

Regierungsviertel mit Bundeskanzleramt in Berlin
DPA

Regierungsviertel mit Bundeskanzleramt in Berlin


Trotz tausender Beamter hat die Bundesregierung 2017 offenbar verstärkt auf externen Sachverstand gesetzt. Laut Berichten der "Welt" und der "Rheinischen Post" hat die Große Koalition im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld für die Dienste externer Berater ausgegeben. Insgesamt zahlten die Bundesministerien demnach 146,2 Millionen Euro. Das gehe aus einem Bericht des Finanzministeriums hervor.

Die Kosten für Beraterleistungen stiegen damit im Vergleich zu 2016 um 45,1 Millionen Euro oder 44,5 Prozent. Der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke kritisierte die Mehrausgaben. "Es stellt sich nicht nur die Frage, warum man dies nicht mit eigenem Personal schafft, sondern auch, wo Interessenkonflikte bestehen und wie man diese vermeiden kann", sagte er.

Beim Ranking der Ausgaben lagen 2017 dieselben Ministerien vorne wie bereits im Jahr davor.

Laut "Welt" nahm das Innenministerium, das 2017 noch von Thomas de Maizière geleitet wurde, die Dienste von Beratungsunternehmen am intensivsten in Anspruch. Dort seien insgesamt rund 250 entsprechende Verträge im Umfang von 66,3 Millionen Euro geschlossen worden. Dahinter folgen das Verkehrsministerium mit 58 Verträgen für 27,8 Millionen Euro sowie das Finanzministerium mit 84 Verträgen und Kosten von 24,4 Millionen Euro.

Dem Bericht zufolge holten sich Innen- und Finanzministerium vor allem Rat zu IT-Themen, etwa dem Schutz vor Hackern. Das Verkehrsministerium habe vor allem für Beratung zur Maut Geld ausgegeben.

Die Beraterverträge der Bundesregierung sorgen immer wieder für Kritik. So hatte auch der Bundesrechnungshof die teure Dienstleistung moniert.

mmq/dpa



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wolfabc 10.07.2018
1.
Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis. Hast du danach einer Kater, hole dir 'nen Berater. Danach bist du zwar nicht schläuer, aber der Eindruck ist ungeheuer. Vom Geld bleibt keine Spur, was soll's, ist ja Steuergeld nur.
derjuergie 10.07.2018
2.
Vielleicht sollte man dann den Bundestag von derzeit 709 Abgeordnete auf ca. 1200 erhöhen um sich die externen Berater zu sparen und die Arbeit selbst machen zu können. Ironie aus.
garfield53 10.07.2018
3.
Was ist daran nun neu oder gar erstaunlich? Wir wissen doch schon Jahre, das der Einfluß auf die Gesetzgebung und vieler wirtschaftlicher und juristischer Vorlagen und Entscheidungen durch externe Berater und Mitarbeiter in vielen Ministeriumstuben durch Wirtschaftsvertreter, Kanzleien und Lobbyistenorganisationen erfolgt. Peinliche "Ausrutscher" für Gesetzesvorlagen, nachweislich von außen "diktiert" und deren fast wortgetreue Übernahme zur Gesetzgebung sind ja mittlerweile medial aufgekochte Legende. Das es trotzdem, angeblich keinen, interessiert, liegt am System, auch wenn es strikt von sich gewiesen wird, wir sind eine von privaten Interessen fremdbestimmtes Land. Seit Jahrzehnten. Es wird allgemein akzeptiert, ansonsten würden die derzeit "Regierung" Spielenden nicht die notwendige parlamentarische Mehrheit für ihr Tun und Handeln erhalten! Und solange die "Märkte", die Götter der kleinen Frau Merkel, sich in Deutschland wohlfühlen, wofür sie ja laut Eigendarstellung, wirklich Alles tun wird, muß sich nichts ändern.
wo_st 10.07.2018
4. alles meinen Verwandten und Bekannten
Wir waren und sind eine Bananenrepublik, denn nur da können Gelder so verschleudert werden.
frider 10.07.2018
5. Gewünschtes Ergebnis
Oftmals wird auf auswärtige Berater gesetzt weil dort die gewünschten Ergebnisse leichter zu erreichen sind. Auch sind die ausgehandelten Kaufverträge dann eindeutig im Interesse des Lieferanten. Zum Beispiel Militärtransporter A 400 oder der neue Mautvertrag und so weiter in einer sehr langen Liste. Die Beamten hingegen sehen nicht das Interesse des Ministers und seiner Freunde an erster Stelle und sind meist auch noch durch Sachkunde beeinflusst und wollen für das ausgegebene Geld entsprechende Leistungen sehen. So etwas geht in einer Spezelwirtschaft überhaupt nicht.
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