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Rentenversicherung: Bundestag beschließt Beitragssenkung auf 18,9 Prozent

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung sinkt im kommenden Jahr auf 18,9 Prozent. Im Bundestag stimmte die schwarz-gelbe Koalition für die Reduzierung, die Opposition votierte geschlossen dagegen. Sie forderte, stattdessen eine Reserve für die Zukunft aufzubauen.

Rentner am Gardasee: Von 2013 an geringere Beiträge zur Altersvorsorge Zur Großansicht
dapd

Rentner am Gardasee: Von 2013 an geringere Beiträge zur Altersvorsorge

Berlin - Die Rentenkasse ist prall gefüllt, die Einnahmen sind dank der guten Arbeitsmarktlage üppig - nun hat der Bundestag beschlossen, den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung ab Januar 2013 drastisch von 19,6 auf 18,9 Prozent zu reduzieren. Die Abgeordneten der Regierungskoalition aus Union und FDP stimmten für die Beitragssenkung, die Oppositionsfraktionen geschlossen dagegen.

Der Beitragssatz sinkt damit auf den niedrigsten Stand seit 1996. Die Arbeitnehmer werden laut Berechnungen des Haushaltsausschusses durch die Anpassung um rund 3,2 Milliarden Euro pro Jahr entlastet, auch die Arbeitskosten der Arbeitgeber sinken um 3,2 Milliarden Euro. Da der Bundeszuschuss an die Beitragshöhe gekoppelt ist, kommen auch auf den Bund Einsparungen von rund 1,6 Milliarden Euro zu.

Der Bundesrat muss das Gesetz zwar noch billigen, derzeit zeichnet sich aber nicht ab, dass die Beitragssenkung dort noch gestoppt werden wird. In der Länderkammer wäre dazu eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig.

Im Bundestag scheiterte die SPD mit dem Antrag, auf die Senkung des Beitragssatzes zu verzichten und angesichts der alternden Bevölkerung einen Demografiefonds einzurichten. Der SPD-Arbeitsmarktexperte Anton Schaaf kritisierte, für einen Durchschnittsverdiener bedeuteten die niedrigeren Beiträge gerade acht Euro im Monat. Bei Niedrigverdienern seien es sogar nur zwei, drei oder vier Euro.

Die Grünen konnten sich nicht mit einem ähnlichen Vorschlag durchsetzen - sie wollen den Anpassungsmechanismus der Rentenbeiträge so verändern, dass eine höhere Nachhaltigkeitsrücklage gebildet werden kann. Der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Strengmann-Kuhn sagte, notwendig seien langfristig konstante Beitragssätze und keine kurzfristige Senkung. Die Linksfraktion scheiterte ebenfalls mit ihrer Forderung, die Leistungen der Rentenversicherung zu erhöhen.

Das geltende Recht schreibt fest, dass die Beiträge sinken müssen, wenn die Rücklagen der Rentenversicherung 1,5 Monatsausgaben übersteigen - das entspricht etwa 25 Milliarden Euro. Zurzeit betragen die Rücklagen rund 28 Milliarden Euro.

fdi/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Reserven sind überflüssig
n+1 25.10.2012
Die Lösung heißt: Pensionen für alle. Sind drei mal so hoch. Altersarmut ade. Rentenkassen sind leer. Pensionskassen bersten vor Prallheit. Pension ab 65 ohne Nachhaltigkeitsfaktor. Bei den Beamten gehts doch auch. Und die Nichtbeamten haben meistens mehr gearbeitet.
2. schrittweise Abschaffung der Rente?
GoaSkin 25.10.2012
Kürzlich behauptete noch Frau Von Der Leyen, dass es aufgrund der Haushaltslage und den demographischen Gegebenheiten notwendig sei, das Rentenniveau auf 42% abzusenken und behauptete dabei, dass die Bevölkerung einen solchen Schritt mehrheitlich akzeptieren würde. Wie passt es zusammen, dass man sich unter solchen Umständen eine Beitragssenkung leisten kann? Zugleich wird Altersarmut eine zunehmende Problematik mit dem Effekt, dass immer mehr Menschen ihre Rente durch Grundsicherung aufstocken müssen. Wie wäre es denn, wenn man statt einer Beitragssenkung einfach mal die Renten deutlich erhöht? Dann wäre der Eine oder Andere auch nicht mehr p.D. altersarm und die Anzahl derer, die Grundsicherung im Alter bekommen, würde sinken. Die Grundsicherung zahlt eh der Steuerzahler. Senkt man die Rentenbeiträge, muss der Steuerzahler auf Dauer sowieso das, was er nicht mehr in die Rentenkasse zahlt, an das Finanzamt überweisen.
3. ...
h_grabowski 25.10.2012
Es ist einfach nur noch lächerlich und unerträglich, was unsere Politik so beschließt...Mehr kann man dazu gar nicht sagen.
4.
Celestine Trueheart 25.10.2012
Wieder mal eine Entscheidung für die eigene Klientel: Je höher das Einkommen, desto mehr gespart. Statt etwas gegen die steigende Altersarmut zu unternehmen. Ach ja, die davon Bedrohten können ja freiwillig mehr zahlen, die haben's ja! :->>
5. Nein
trehalose 25.10.2012
Zitat von Celestine TrueheartWieder mal eine Entscheidung für die eigene Klientel: Je höher das Einkommen, desto mehr gespart. Statt etwas gegen die steigende Altersarmut zu unternehmen. Ach ja, die davon Bedrohten können ja freiwillig mehr zahlen, die haben's ja! :->>
Das ist so nicht ganz richtig. Ich spare dadurch so um die 15 €/Monat, (hammerhart viel !) das meiste davon wird aber wieder durch die Erhöhung der Versicherungsgrenze in der Krankenversicherung aufgefressen. Ergebnis: Linke Tasche, rechte Tasche; Nullsummenspiel. :(
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Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.

Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.

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