Fristverlängerung Bundestag erlaubt Ferkelkastration ohne Betäubung bis 2020

Dieses Jahr sollte ursprünglich das letzte werden, in dem Schweine ohne Betäubung kastriert werden dürfen. Nun hat der Bundestag beschlossen, die Frist um zwei Jahre zu verlängern.

Ein Ferkel in einem Stall in Mecklenburg-Vorpommern
DPA

Ein Ferkel in einem Stall in Mecklenburg-Vorpommern


Der Bundestag hat der Verlängerung der Kastration ohne Betäubung von Ferkeln zugestimmt. Die Praxis ist demnach noch bis Ende 2020 erlaubt. Ursprünglich sollte sie schon zum Ende dieses Jahres verboten werden, Anfang November hatte sich die Große Koalition dann auf eine Fristverlängerung um zwei Jahre geeinigt.

Die Verschiebung hatten Vertreter der Landwirtschaft und der Fleischindustrie gefordert. Sie gaben an, dass die Branche noch nicht weit genug sei, um das Verbot flächendeckend umzusetzen.

In Deutschland werden Millionen männlicher Ferkel wenige Tage nach der Geburt betäubungslos kastriert. Diese Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. 2013 war mit der Reform des Tierschutzgesetzes beschlossen worden, die Praxis ohne Betäubung ab Anfang 2019 zu beenden. Die Koalitionsspitzen hatten sich bereits Anfang Oktober auf eine längere Übergangsfrist geeinigt.

Umwelt- und Tierschutzverbände kritisierten die Verschiebung des Verbots. Die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) warf der Großen Koalition vor, sie sei der "parlamentarische Arm von Bauernverband und Schlachtindustrie" und trete den Tierschutz mit Füßen.

Kritik kam auch von Greenpeace, dem Deutschen Tierschutzbund und dem Verein ProVieh. Der Präsident des Tierschutzbundes, Thomas Schröder, sagte, es gebe bereits drei tierschutzgerechte, praktikable Alternativen.

Dem widersprach die Koalition. Die vorhandenen Alternativmethoden seien noch nicht ausgereift, sagte die Tierschutzbeauftragte der SPD-Fraktion, Susanne Mittag. So seien etwa die Geräte für eine Betäubung mit Isofluran noch nicht ausreichend vorhanden.

Bauernpräsident Joachim Rukwied forderte einen geregelten Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration. Die zwei Jahre Aufschub müssten genutzt werden, um pragmatische Lösungen für alle Betriebe und Betriebsgrößen zu finden.

kko/dpa



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