Burnout etc.: Psychische Leiden treiben immer häufiger in die Frührente

Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund, warum Arbeitnehmer frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden. Nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung treiben vor allem Depressionen und Angststörungen Beschäftigte in die Frührente.

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Überforderung in der Arbeitswelt: Frühverrentung erreicht Rekordwert

Berlin - Es ist ein besorgniserregender Trend: Immer mehr deutsche Arbeitnehmer geben ihren Beruf auf, weil sie unter psychischen Krankheiten leiden. 2011 erreichte die Zahl einen Rekordwert: 41 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Erwerbsminderungsrente beantragten, wollten sich wegen Depressionen, Angststörungen oder anderer seelischer Leiden vor dem 65. Lebensjahr in den Ruhestand verabschieden. Das geht aus noch unveröffentlichten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervor, die der "Welt am Sonntag" vorliegen.

Im Jahr 2000 machten nur 24 Prozent psychische Erkrankungen geltend, bis 2010 war der Anteil auf 39 Prozent gestiegen. Der DRV zufolge sind mehr als vier von zehn vorzeitig Arbeitsunfähigen also psychisch krank. Andere Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegen als Grund für eine Frührente demnach weit dahinter. Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, geht die DRV davon aus, dass sich der Anstieg in großen Teilen durch eine größere Offenheit der Deutschen mit dem Thema erklären lässt. Erkrankungen wie Depressionen würden öffentlich auch mehr anerkannt als früher.

Dennoch warnen Gewerkschafter vor der zunehmenden Belastung am Arbeitsplatz, die mit ein Grund für die steigende Frühverrentung sei. "Die psychischen Belastungen durch Hetze und Stress am Arbeitsplatz sind inzwischen so hoch, dass sie die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährden", sagt Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) der "Welt am Sonntag".

Im März hatte die jährliche DGB-Umfrage ergeben, dass jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland wegen wachsender Arbeitsbelastung mindestens zehn Überstunden pro Woche macht. Gut ein Viertel der Beschäftigten muss nach eigenen Angaben sehr häufig auch in der Freizeit erreichbar sein. 52 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich dadurch erheblich gestresst.

Wie Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, der "Welt am Sonntag" sagte, erlaubten die Arbeitsbedingungen vielen Beschäftigten nicht, Beruf und Familie zu vereinbaren. "Das erklärt, warum weit häufiger Frauen als Männer aus psychischen Gründen arbeitsunfähig werden." Nach Angaben der DRV waren 2011 48 Prozent der Frauen, die arbeitsunfähig wurden, psychisch krank. Bei den Männern lag der Anteil demzufolge bei 32 Prozent.

Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigte sich angesichts des Trends besorgt und kündigte der Zeitung zufolge an, Arbeitnehmer besser vor extremen psychischen Belastungen schützen zu wollen. "Jetzt erarbeiten wir Hand in Hand mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Unfallkassen, welche Programme und Konzepte und konkreten Regeln Belegschaften wirksam vor psychischen Belastungen schützen können", sagte von der Leyen. Ende Januar wolle sie die Initiative für besseren psychischen Arbeitsschutz ins Leben rufen.

cib

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insgesamt 212 Beiträge
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1. :???
janne2109 30.12.2012
Frührente?? Davon haben einige Mitarbeiter von mir schon vor Jahren geträumt und ich kenne eine Menge denen das auch ohne wirklich Krank und erschöpft zu sein gelungen ist. Mir fehlt der Glaube, hatten unsere Großeltern und Eltern nicht sehr viel mehr Stress und Sorgen??
2. optional
Xangod 30.12.2012
Leuchtet mir nicht ein, daß sich alle nur am Arbeitsplatz ihre Detsche holen. Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis so umschaue, dann sind das er die Leute mit den lockeren Jobs, die unter einem Burn-out-Syndrom leiden. Man sollte auch mal das Privatleben bzw. den Freizeitstreß dieser Leute anschauen. Typisch ist auch, daß es Leute sind, die sich selbst oder vom Partner aus welchem Grund auch immer unter Druck setzen, gar nicht mal vom Chef. Und zur Unvereinbarkeit von Arbeit und Familie, der Tag hat nur 24 Stunden. Mehr geht nicht. Und Nahles' 30 Stunden Woche auf Staatskosten war doch nur Wählerfang und nicht wirklich ernst gemeint. Hoffe ich zumindest.
3. Klingt alles ein bisschen nach dem alten amerikanischem Scheidungsgrund
schandmaul1000 30.12.2012
Das sind also die taffen Weiber die an den Türen der DAX Unternehmen klopfen.Na denn gute Nacht Marie.Das Leben im eigenem Heim mit den Oberklasse PKW der Finca in Spanien und der Privatschule für den Prinzen und die Prinzessin gibt es nunmal nicht für 38 Stunden easygoing.
4. ich bin böse
lebenslang 30.12.2012
leider habe ich den eindruck, das sich viele einfach aus dem stressigen alltag, wie arbeiten gehen, kinder erziehen, wäsche waschen verabschieden wollen. arbeiten gehen kann natürlich stressig sein, das weiss man seit jahrtausenden, neu ist das bewußtsein dafür, das "gestresst sein" eventuell ausdruck einer ernsthaften psychischen erkrankung sein kann. pech für diejenigen, die weiterarbeiten, zwar auch gestresst sind, aber noch nicht wissen, das sie ebenfalls psychisch erkrankt sind. jeder der mit 50 noch arbeitet ist dumm oder einfach spät dran.
5. Alles relativ
zaunkoenig1982 30.12.2012
Zitat von sysopCorbisPsychische Erkrankungen sind der häufigste Grund, warum Arbeitnehmer frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden. Nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung treiben vor allem Depressionen und Angststörungen Beschäftigte in die Frührente. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/burnout-psychische-leiden-treiben-immer-mehr-menschen-in-fruehrente-a-875151.html
Ohne die absoluten Zahlen der Frühverrentungen zu kennen kann man nicht von einem Anstieg der Zahl der Burnouts sprechen. In dem Artikel wird nur beklagt, dass psychische Belastungen prozentual einen immer größeren Teil der Frühverrentungen verursachen. Das kann aber auch daher kommen, dass andere Gründe (Herz-/Kreislaufprobleme, andere physische Krankheiten) durch einen gesünderen Lebensstil mehr in den Hintergrund verschwinden.
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