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Langfristige Wachstumsprognose: Britische Wirtschaft könnte 2030 Deutschland überholen

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Das Empire schlägt zurück. Im Jahr 2030 könnte die britische Wirtschaftsleistung größer sein als die deutsche, prophezeit ein Londoner Forschungsinstitut - es sei denn, die Bundesrepublik kehre zur D-Mark zurück.

Londoner Kaufhaus Harrods: Immer mehr Briten produzieren immer mehr Zur Großansicht
REUTERS

Londoner Kaufhaus Harrods: Immer mehr Briten produzieren immer mehr

Alle Jahre wieder trifft Wirtschaftswissenschaft auf Wirtschafts-Stammtisch. Und zwar immer dann, wenn das britische Forschungsinstitut Centre for Economics and Business Research (CEBR) seine "World Economic League Table" vorlegt. In dieser Weltrangliste geht es um die simple Frage: Wer hat die größte Volkswirtschaft - und wer wird in den kommenden Jahren auf- und absteigen?

In der Prognose vom 26. Dezember 2013 dehnen die CEBR-Wirtschaftsforscher, die als seriös, aber industrienah gelten, ihren Vorhersage-Zeitraum erstmals von zehn auf 15 Jahre aus - und kommen zu einem brisanten Ergebnis, was Deutschland betrifft: 2028 wird die britische Wirtschaft bis auf drei Prozent an die deutsche herangerückt sein. Und diese Aufholjagd dürfte sich auch nach 2028 fortsetzen, so dass die CEBR-Experten die Prognose wagen: "Etwa 2030 wird Großbritannien Deutschland als größte westeuropäische Volkswirtschaft ablösen."

Auf den ersten Blick erscheint diese Vorhersage ziemlich gewagt. Schließlich betrug die Wirtschaftsleistung in Großbritannien 2012 lediglich rund drei Viertel des deutschen Werts. Ein Unterschied, der sich im wesentlichen aus der unterschiedlichen Bevölkerungsgröße der beiden Länder erklärt: Die 82 Millionen Bewohner der Bundesrepublik produzieren schlicht mehr Waren und Dienstleistungen als die 64 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich.

Doch genau hier liegt auch einer der beiden Hauptgründe für die prognostizierte britische Aufholjagd: Die deutsche Bevölkerung schrumpft und altert. Zugleich tut sich Deutschland schwer, diese Entwicklung durch mehr Einwanderer auszugleichen. Großbritannien hingegen ist seit jeher ein beliebtes Ziel für junge Zuwanderer. "Bis 2030 wird die Bevölkerungszahl beider Länder etwa identisch sein", sagt CEBR-Chef Douglas McWilliams Spiegel ONLINE. Da das prognostizierte Wirtschaftswachstum pro Kopf in beiden Ländern etwa gleich hoch liege, rücke Großbritannien unweigerlich immer näher an Deutschland heran.

Die Währung als dominierender Faktor

Während dieser demografische Vorteil Großbritanniens unter Experten weitgehend unstrittig ist, dürfte das zweite Hauptargument für die prognostizierte britische Aufholjagd wesentlich mehr Widerspruch auslösen: Das CEBR sieht die deutsche Mitgliedschaft in der Euro-Zone als wichtige Wachstumsbremse für die Bundesrepublik. Es sei mit weiteren deutschen Rettungsaktionen zugunsten schwächelnder Euro-Staaten zu rechnen und mit einem Wertverlust des Euro gegenüber anderen Währungen. "Hätte Deutschland die D-Mark als Währung, würde es noch viele Jahre dauern, bis es von Großbritannien überholt würde - wenn überhaupt", so Douglas McWilliams.

An dieser Stelle zeigt sich aber auch die Schwäche der in Dollar berechneten CEBR-Weltrangliste: Währungsschwankungen haben einen großen Einfluss auf die nominale Wirtschaftsleistung der einzelnen Länder. Wertet das Pfund um zehn Prozent gegenüber dem Dollar auf, ist auf dem Papier auch die britische Wirtschaftleistung um zehn Prozent gestiegen - obwohl auf der Insel nicht ein Pint Bier mehr gebraut worden ist. Im Gegenteil: gerade für exportorientierte Staaten wie Deutschland kann eine vergleichsweise schwache Währung sogar von Vorteil sein, weil sie deutsche Ausfuhren billiger macht. Am tatsächlichen Wohlstand in den betroffenen Ländern ändert sich durch solche Währungsschwankungen erst einmal nichts.

China überholt die USA

Das deutsch-britische Gekabbel im Mittelfeld der Rangliste dürfte in 15 Jahren aber ohnehin nur noch die Wirtschafts-Stammtische zwischen London und Berlin interessieren. Die wahre Musik spielt dann längst in Asien:

  • Im Jahr 2028, so die CEBR-Prognose, wird China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt abgelöst haben. Eine Position, die die Chinesen laut einer historischen Datenbank der Universität Groningen übrigens im Jahr 1890 verloren hatten.
  • Auf Platz zwei folgt weiterhin der bisherige Spitzenreiter USA
  • mit weitem Abstand gefolgt vom Aufsteiger Indien
  • Japan, bislang die Nummer drei der Welt, fällt auf den vierten Platz zurück
  • dahinter Brasilien, ebenfalls eine der Aufsteiger-Nationen
  • Auf Platz sechs liegt 2028 Deutschland
  • Doch der britischen Verfolger setzt bereits zum Überholen an und dürfte dieses Manöver weitere zwei Jahre später abgeschlossen haben.
  • Die Plätze sieben bis zehn belegen in dieser Reihenfolge Russland, Mexiko und Kanada.

Die große Enttäuschung heißt Südafrika

Auf den ersten Blick wirkt die neue Rangordnung wie ein unaufhaltsamer Vormarsch der Emerging Markets, der wachstumsstarken Nationen außerhalb Europas. Doch nicht alle Emerging Markets werden laut CEBR-Prognose die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen können. Das zeigt sich besonders drastisch am Beispiel Südafrikas: Das Land, derzeit auf Platz 33 der Weltwirtschaft, dürfte bis 2028 auf Platz 38 zurückfallen. Die größte Wirtschaftsmacht im Afrika südlich der Sahara heißt dann längst Nigeria.

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insgesamt 390 Beiträge
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1. Wer glaubt,
wiedumirsoichdir 26.12.2013
wird selig.
2. Zwei Thesen ,eine ist richtig
spmc-122226439819235 26.12.2013
Die Wirtschaft in GB wird nie mehr alte Stärke erreichen,die Gründe ganz simple,a. der Zerfall des Landes in Folge verqueren Nationalismus und die Macht der Gewerkschaften,die qualifiziertesd Arbeiten in der Breit verhindern,secundiert von einem sehr schlechten Bildungssystem für die Masse der Bevölkerung,diese These ist also blanker Unsinn und Selbstüberschätzung.These zwei ist zu 100 % richtig,nur eine nationale Währung schützt die dt.Wirtschaft und damit das Gesamtstaatsvolk vor dem wirtschaftliche Ruin,alle anderen Manöver der nationalvergessenen Regierung Merkel bringen grossen Vermögenschaden für die Mittelschicht,dies merken es nur noch nicht,der Griff in die Taschen wird immer stärker ,2014 bringt jhierbei die erst fiskalischen Wahrheiten.
3. einer frage bleibt offen.
c3345744 26.12.2013
... hier stellt sich mir nun doch eine wirklich sehr wichtige frage: was haben "die" eigentlich geraucht XD
4. Wer weiß was in 17 Jahren ist?
stefan.k 26.12.2013
Wusste man 1972 dass in 17 Jahren die Mauer fallen würde? Wusste man 1916 dass 17 Jahre später Hitler die Macht übernehmen würde? Wusste man 1990 dass 17 Jahre später eine Finanzkrise unsere Wirtschaft komplett umnieten würde? Ich persönlich vertraue keinen Prognosen die auf solch einen Zeitraum ausgelegt sind. Schließlich weiß man nie was die Zukunft bringt.
5. Ist heute schon der 1. April?
fenixblack 26.12.2013
Zukunftsaussichten in der Wirtschaft, vorallem über Jahrzehnte, hatten bisher ja auch immer eine Trefferquote von nahezu 100%. Danke, dass sie mich mit diesem Artikel am 2. Weihnachtsfeiertag noch ein wenig amüsiert haben.
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