Kommentar zum Hauptstadtflughafen Die peinlichste Baustelle Deutschlands

Selbst wenn ab jetzt alles glattgehen sollte - von den bisherigen Pannen wird sich der Hauptstadtflughafen nie mehr erholen. Am besten wäre ein Neustart an einem anderen Standort. Und mit anderen Verantwortlichen.

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Nordpier des Hauptstadtflughafens in Schönefeld: Besser als Mahnmal
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Nordpier des Hauptstadtflughafens in Schönefeld: Besser als Mahnmal


Als Hartmut Mehdorn die Verantwortung für die Flughafengesellschaft übernahm und versprach, den Bau des neuen Hauptstadtflughafens zu einem guten Ende zu führen, wusste er offensichtlich nicht, worauf er sich einließ. Wie chaotisch es tatsächlich hinter den Kulissen zugegangen war, vermochten sich selbst notorische Schwarzseher kaum in ganzem Ausmaß auszumalen.

Seit Mehdorns Amtsantritt kommen nun fast im Monatsrhythmus neue Details ans Licht, die nicht nur belegen, wie schlecht die Verantwortlichen geplant und koordiniert haben. Auch bei der Auswahl der Subunternehmer versagten offensichtlich die simpelsten Kontrollmechanismen. Jetzt wurde klar, dass der Beauftragte für die Planung der Entrauchungsanlage, Alfredo Di Mauro lediglich einen Abschluss als technischer Zeichner vorweisen konnte. Eine ehrenwerte Qualifikation, keine Frage - aber für die Berechnung einer so komplexen Anlage, von der im Ernstfall die Sicherheit Tausender Menschen abhängt, braucht es einen Ingenieur.

In einem zweiten Fall verletzte ein Planungsbüro der ehemals federführenden Planungsgesellschaft BBI jede Sorgfaltspflicht bei der Entsorgung von vertraulichen Unterlagen. Seriöses Geschäftsgebahren geht anders.

Die Kaskade der Enthüllungen hat einen verhängnisvollen Effekt: Selbst wenn der Hauptstadtflughafen eines Tages doch in Betrieb gehen sollte, nachdem die vielen technischen Mängel behoben sind - sein Image als peinlichste Baustelle Deutschlands wird er nie wieder los. Der Flughafen als die Visitenkarte einer Stadt - was München, Singapur oder Hongkong gelungen ist, wird Berlin versagt bleiben.

Auch das finanzielle Desaster, das Politik und Flughafengesellschaft zu verantworten haben, lässt sich nicht mehr reparieren. Die jüngste Zwischenkalkulation liegt bei 5,4 Milliarden Euro, doch auch diese monströse Summe wird kaum zu halten sein. Und selbst wenn es dabei bliebe, wäre die Zinslast so hoch, dass der Flughafen sie selbst bei voller Auslastung nie erwirtschaften könnte.

Vielleicht wäre die Radikallösung am Ende die beste: eine Umwidmung zum Mahnmal für provinziellen Größenwahn.

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Hauptstadflughafen dicht machen?

Image-GAU für Berlin, in finanzieller Hinsicht ein Fass ohne Boden: Selbst wenn ab jetzt auf der Baustelle alles glatt geht, wird der neue Flughafen in Schönefeld für Berlin ein ewiger Klotz am Bein. Sollte man die Arbeiten dort besser einstellen und ganz woanders neu anfangen?

Zum Autor
Arne Siemeit
Michael Kröger ist Korrespondent im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Michael_Kroeger@spiegel.de

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insgesamt 197 Beiträge
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Seite 1
matbhmx 25.06.2014
1. Dieser Beitrag hat ...
... nicht Mal mehr Unterhaltungswert! Dass diese Baustelle einfach nur peinlich ist, ist nun seit längerem jedem bekannt, hilft als Erkenntnis in der Sache nicht weiter. Darüber hinaus fußt der Kommentar auf der Grundlage nicht abschließend recherchierter Daten und symptomatisch für die Minderqualität deutscher Journalisten. Bevor man di Mauro irgendwelche Vorwürfe machen will, sollte man dann erst einmal recherchieren, was er überhaupt selbst geplant hat und was tatsächlich von Ingenieuren geplant worden ist (er führt offensichtlich Firmen mit Angestellten; wenn dort Ingenieure beschäftigt sind, bleibt die Frage, was ihm vorgeworfen werden sollte, offensichtlich hat SPON in diese Richtung nix, aber absolut nix recherchiert). Und schließlich sollte SPON, auch da ist wieder nix, aber auch überhaupt nix recherchiert, erst einmal prüfen, welche Planungsmängel an der Entrauchtungsanlage bestehen. Bisher sind Planungsmängel nicht Mal ansatzweise mitgeteilt. Nach dem bisherigen Erkenntnisstand ist die Entrauchungsanlage an der Software, die Bosch und Siemens liefern sollten, sowie an der Ausführung durch die Baufirmen gescheitert. So sollen für die Schächte zu dünne Bleche verbaut worden sein, sodass bei Einschalten der Ventilatoren diese implodierten. Geplant waren offensichtlich dickere Bleche. Aber all das könnten ja Mal die Dauerschwätzer von Journalisten recherchieren, statt hier Mal wieder ins Blaue hinein wilde Behauptungen aufzustellen. Und das bietet Anlass für folgende Bemerkung: Dem deutschen Journalisten steht genau genommen Kritik an irgendetwas überhaupt nicht zu, weil er nicht nur seine Arbeit nicht macht, sondern noch nicht Mal erkennt, was Gegenstand redlicher journalistischer Tätigkeit ist. Seit dem unseeligen Onanistenjournal "Tempo" meinen die meisten Journalisten, journalistische Tätigkeit bestehe darin, vom fesch gestylten Schreibtisch mit Apple-Rechner (weil dieser so schick aussieht) flotte, kesse Sprüche loszulassen - und solchen lockeren Srüchen steht nichts mehr im Wege als Fakten, Fakten, Fakten. Dass journalistische Tätigkeit in erster Linie darin besteht, solche Fakten zu sammeln (sehr arbeitsaufwändig, und man muss tatsächlich das gestylte Büro verlassen und sich in die Niederungen des Alltags begeben) und diese dann auch - belegbar (hört, hört!) im Artikel wiedergeben. Anschließend darf man das Ganze dann auch gerne noch kommentieren.
fs123 25.06.2014
2. Mal vergleichen ...
- Mehdorn beteiligt? Ja - Unfertige Pläne, unqualifizierte Planer, fehlende Genehmigungen? Ja - Prestigeprojekt der Lokalpolitiker? Ja - Kostenexplosion, Finanzierung unklar, nachweislich unwirtschaftlich? Ja => Stuttgart 21 ist auch Mahnmal für provinziellen Größenwahn!
ph.latundan 25.06.2014
3. die peinlichste ...........
berlin ist .......... die peinlichste hauptstadt, hat den peinlichsten buergermeister, die peinlichste finanzsituation, den peinlichsten flughafen und ist im uebrigen nur noch peinlich. die hauptstadt mit samt ihrem flughafen abschaffen.
troncologne 25.06.2014
4. Keine Verantwortung
"Auch das finanzielle Desaster, das Politik und Flughafengesellschaft zu verantworten haben, lässt sich nicht mehr reparieren." Ich meine, genau dort liegt das Problem. Bei den Verantwortlichen existiert kein Verantwortungsbewusstsein, noch haben sie mit Konsequenzen zu rechnen, die sich ggf. durch deren Verantwortung ergeben müssten.
mitch72 25.06.2014
5. Wie bitte?
>>Zitat: Vielleicht wäre die Radikallösung am Ende die beste: eine Umwidmung zum Mahnmal für provinziellen Größenwahn
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