Deutsche Automanager im Weißen Haus Zu Bittstellern degradiert

Die Chefs von VW, Daimler und BMW zeigen sich nach ihrem Treffen mit dem US-Präsidenten zwar optimistisch. Dabei machte Donald Trump klar: Viel Grund dafür haben die deutschen Wirtschaftsbosse nicht.

REUTERS

Von , Washington


Standortpolitik geht normalerweise so: Politiker umwerben die potenziellen Investoren, servieren Häppchen und Sekt und versprechen Subventionen, wenn sich das Unternehmen für ihren Bezirk entscheidet. Doch als diese Woche die Spitzenmanager gleich dreier globaler Konzerne in Washington eintrafen, hatte niemand den roten Teppich ausgerollt.

Mit der braunen Lederaktenmappe in der Hand musste VW-Vorstandschef Herbert Diess am Dienstagmorgen minutenlang in der Kälte am Seiteneingang zum Gelände des Weißen Hauses warten und den Pass vorweisen, bevor die Sicherheitsbeamten ihn einließen. Normales Prozedere an der Pforte zur Machtzentrale der Welt. Aber auch ein Symbol: Donald Trump hat die Wirtschaft, die für Jobs in seinem Land sorgen soll, zum Bittsteller degradiert.

VW-Vorstandschef Herbert Diess (l.) in Washington
AP

VW-Vorstandschef Herbert Diess (l.) in Washington

Diess war gemeinsam mit Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter gekommen, um die von Trump angedrohten bis zu 25-prozentigen Importzölle auf Autos aus Europa zu verhindern. Die Autobosse bekamen am Ende eine halbstündige Audienz beim Präsidenten - und die Hoffnung, dass Trump ihre Investitionsversprechen wohlwollend prüft.

"Konstruktiv" seien die Gespräche gewesen, beteuerten Diess und Zetsche nach dem Treffen wortgleich, bevor sie in ihren Firmenjets zurück nach Deutschland flogen. In der Sprache der Politik bedeutet "konstruktiv" allerdings meist: ergebnislos. Auch wenn Diess an diesem Tag "einen großen Schritt vorwärts, um die Zölle zu vermeiden" festgestellt haben will.

Die Bedingungen für das Gespräch waren gut

Dabei hatten die Deutschen eigentlich alles Notwendige im Gepäck, um in Washington auftrumpfen zu können. Das in vielen Regionen vom Strukturwandel gebeutelte Amerika braucht dringend global erfolgreiche Industriekonzerne - und VW, BMW und Daimler haben geliefert. Knapp 120.000 Jobs verdankt Amerika den deutschen Autobauern und ihren Zulieferern. BMW exportiert aus South Carolina seine SUVs erfolgreich in die Welt.

Aber vor allem haben die Konzerne derzeit eine ganze Reihe weiterer Investitionsprojekte in der Pipeline: BMW erwägt, an einem zweiten Standort in den USA Motoren und Getriebe zu bauen. VW will die Produktion in Chattanooga ausweiten und zudem ein neues Werk für Elektrofahrzeuge für den US-Markt errichten. Mercedes hat im Oktober den Spatenstich für eine Batteriefabrik in der Nähe seiner Pkw-Produktion in Tuscaloosa, Alabama, unternommen. Und BMW wie auch Daimler haben erklärt, dass das neue Abkommen der USA mit Mexiko dazu führen könnte, dass sie die Produktion von dort in die USA verlagern.

BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter in Washington
DPA

BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter in Washington

Doch in Trumps verkehrter Welt verschafft das den Investoren keinen Bonus. Nicht er wirbt um Investoren, sondern die Investoren werben um ihn. Denn dieser Präsident ist unberechenbar. Dass seine Protektionismuspolitik Amerika auf längere Sicht schaden wird, ist ihm egal. Geht es nach Trump, soll es möglichst überhaupt keine Autoimporte mehr in die USA geben. "Baut sie hier", hat er die deutschen Unternehmen ultimativ aufgefordert. Und Trump habe, wie Diess offen eingesteht, nun mal "das Heft des Handelns in der Hand". Der amerikanische Absatzmarkt ist für die Deutschen einfach zu wichtig, um sich mit einem impulsiv und instinktiv handelnden Präsidenten anzulegen.

Kleinlaute Worte vom VW-Chef

So klingt es eher hilflos, wenn der Daimler-Chef unterstreicht, dass die Investitionspläne seines Konzerns daran hingen, dass "die Randbedingungen, wie wir sie heute haben, nicht verschlechtert werden". Der VW-Chef gestand Trump gar zu, mit seinen Klagen über die Exportüberschüsse der Deutschen "einen Punkt" zu haben. Kleinlauter geht es kaum.

Es seien "gute Gespräche" in Washington gewesen, sagte Zetsche, nachdem die Autobosse aus dem Weißen Haus kamen. "Und das sollte normalerweise auch nach vorne führen " - sprich: zum Verzicht Trumps auf die angedrohten Zölle. Bei diesem US-Präsident aber, das haben schon viele schmerzhaft erlebt, ist wenig normal.

insgesamt 125 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sunshine422 05.12.2018
1. So falsch?
Nun ich denke es tut der selbstherrlichen Riege mal gut zu sehen, wie es auf der anderen Seite aussieht. Sonst erpressen die Konzerne ständig die Regierungen. Anscheinend geht es auch anders rum. Besser wäre ein Miteinander. Aber wenn man halt betrügt...
quark2@mailinator.com 05.12.2018
2.
Der Kuchen bleibt immer gleich groß und was der eine gewinnt, verliert der andere. Aus meiner Sicht hat der Westen bis 1990 ganz gut funktioniert, weil man sich eben nicht gegenseitig an die Wand gedrückt hat. Das scheint vorbei zu sein und ich denke, wenn wir nicht schnell dahin zurückkommen, uns gegenseitig zu helfen und Luft zum atmen zu lassen, dann wird das Ergebnis dem der 20er Jahre entsprechen. Eine komplett auf nationalen Vorteil und Unternehmergewinne ausgerichtete Gesellschaft kann mMn. nur im Desaster enden, entweder nach außen, oder nach innen, oder beides. Wir können uns das aber nicht wirklich leisten und sollten es auch nicht wollen. Wenn Trump ärmeren Amerikanern helfen will, dann bitte nicht auf Kosten ärmerer Europäer.
s.l.bln 05.12.2018
3. Falsche Strategie
Inzwischen sollte jeder mitbekommen haben, wie Trump funktioniert. Wird ihm auf einem Feld soviel Widerstand geboten, daß es anfängt öffentlich an ihm zu kratzen, setzt er "Strafen " aus und verkündet das als großen Deal, den er errreicht habe. Siehe aktuell China. Die haben mit ihren gezielten Zöllen auf US Landwirtschaftsprodukte Wirkung erzielt und haben jetzt eine Option darauf, die gegenseitigen Autozölle auf den alten Stand zu senken. Trump nennt das den größten Deal aller Zeiten. Hätten die deutschen Autohersteller gedroht, im Falle von höheren Autozöllen ihre Werke in den Staaten z.B. nach Mexiko zu verlegen, wär man da evtl. ziemlich nervös geworden. Das hätte dem "größten Jobbproduzenten aller Zeiten" medial ziemlich geschadet, zumal GM grade massiv abbaut. Statt dessen signalisieren sie, daß seine Erpressungen funktionieren, womit sie den Grundstein für die nächsten Maßnahmen und Forderungen legen. Daß sie damit den Interessen Deutschlands und der EU massiv schaden, spielt für sie offenbar keine Rolle.
darmstädter 05.12.2018
4. Trump ist nicht Merkel
Bei uns ist die Politik die Erfüllungsgehilfin der Industrie. In den USA realisiert der Präsident die Interessen der arbeitenden Bevölkerung. S. Diesel-Betrug und wie die Politik damit umgeht.
te36 05.12.2018
5.
Den Zetsche habe ich gefressen seit er in den 2000'ern Chrysler durch seine dumme SUV&Truck Strategie und selbstherrliche Werbeclips in den USA heruntergewirtschaftet hat. Und das Mercedes so eine Gurke danach befoerdert hat ist weiterhin unglaublich. Der Mann weiss natuerlich das Arsch lecken bei Trump nix weiter bringt als seine persoehnlichen EInnahmen bei Mercedes zu sichern - "ich habe alles getan was ich konnte". Komplett sinnlos. Wenn die deutschen Konzerne was erreichen wollen, dann muessen sie wie Trump mit Erpressung arbeiten. Z.b. androhen, die Geschaefte der deutschen Bank mit Trump offenzulegen. Das koennte Trump bei seinen Wahlern echt schaden. Der Deutschen Bank natuerlich auch, aber der ist eh nicht zu helfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.