Konkurrenz zum Dollar China bietet Rohölhandel in Yuan an

Jahrzehntelang hat China gezögert, nun hat das Land einen eigenen Terminhandel mit Rohöl eingeführt. Der Zeitpunkt scheint günstig: Mitten im Handelsstreit mit den USA greift China so die Dominanz des Dollar an.

Chinesische Flagge vor einer Ölraffinerie (Symbolbild)
AFP

Chinesische Flagge vor einer Ölraffinerie (Symbolbild)


Nach jahrzehntelangem Zögern ist China zum Wochenbeginn in den sogenannten Terminhandel am Rohölmarkt eingestiegen. Damit macht das Reich der Mitte den bislang führenden Öl-Handelsplätzen Konkurrenz. Zudem stellt das Land die Dominanz des US-Dollar als Weltleitwährung infrage.

Der Schritt, einen chinesischen Terminhandel für Rohöl zu etablieren, ist der erste seit einem gescheiterten Versuch im Jahr 1993. Die hohen chinesischen Ölimporte sind ein wichtiger Grund für das Bedürfnis Chinas, die Preisbildung am Ölmarkt mit zu kontrollieren. Im vergangenen Jahr hatte China die USA als weltweit größter Importeur ausländischen Öls überholt.

Weiterer Schritt im Handelsstreit?

Fachleuten zufolge geht es für China aber auch darum, die Bedeutung der Landeswährung Yuan zu steigern. Bislang wird Rohöl überwiegend in Dollar gehandelt. Auch beim sonstigen Warenhandel ist die Dominanz der US-Währung ungebrochen. Vereinzelte Verabschiedungen des Dollar als Weltwährung haben sich bislang als verfrüht erwiesen.

Daran hat auch die Aufnahme des Yuan in die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF), eine Art Weltreservewährung, nichts geändert. Der jetzige Schritt der Chinesen könnte als weitere Provokation im Handelsstreit mit den USA gewertet werden.

18.000 Transaktionen zum Handelsstart

Seit Montag werden die ersten auch als Future bekannten Verträge auf zukünftige Öllieferungen im Finanzzentrum Shanghai gehandelt. Bei Futures oder Terminkontrakten handelt es sich um ein juristisch bindendes Finanzinstrument, bei denen Käufer und Verkäufer das Recht erhalten, während eines festgelegten Zeitraums eine Aktie, einen Index oder Ähnliches zu erwerben. Futures gelten als hochriskant, können allerdings in kürzester Zeit hohe Kursgewinne ermöglichen.

Der Terminhandel wird in der chinesischen Landeswährung Yuan (Renminbi) abgewickelt und steht auch ausländischen Anlegern offen. Ein Barrel (159 Liter) Öl zur Lieferung im September wurde nach Handelsstart bei rund 428 Yuan (knapp 68 Dollar) gehandelt. Dabei wurden über 18.000 Transaktionen verzeichnet.

Chinesische Futures teurer als WTI-Kontrakte

Terminkontrakte sind der übliche Weg, über den am Ölmarkt gehandelt wird. Er findet bislang vor allem an Rohstoffbörsen in den USA und Großbritannien satt. Der Käufer eines Futures ersteht Öl zu einem feststehenden Preis bei Lieferung zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt.

Der größte Nutzen liegt in der Verringerung von Risiken durch Preisschwankungen, die sowohl Käufer als auch Verkäufer treffen können. Andererseits monieren Kritiker, dass Terminkontrakte Spekulanten auf den Plan rufen und dadurch zu irrationalen Kursschwankungen führen können.

Bislang wird der Ölhandel von zwei Terminkontrakten dominiert, die sich auf das Nordseeöl Brent Oil Spot Chart zeigen beziehungsweise auf das US-Öl West Texas Intermediate (WTI) beziehen. Beide Kontrakte werden in Dollar abgewickelt.

Der Brent-Kontrakt zur Lieferung im September kostete am Montag umgerechnet ähnlich viel wie der neue chinesische Future, der sich auf verschiedene Ölsorten bezieht. Der Preis des WTI-Kontrakts lag mit rund 64 Dollar wie üblich niedriger als der des Brent-Futures, was auf die geringere Qualität des US-Öls zurückzuführen ist.

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ans/dpa



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jufo 26.03.2018
1. Genialer Zug
Der Rohölhandel ist eine wesentliche Ursache für die Dominanz des Dollar. Ohne das faktische Monopol auf den Rohölhandel wird der Dollar schnell an Bedeutung verlieren. Das wiederum schwächt die USA. Angeblich wollte Saddam Hussein sein Öl in Euro verkaufen. Plötzlich stellten die USA fest, dass der Irak Chemiewaffen besäße. China ist da viel stabiler als der Irak. Dummer , alter , weißer Mann der einen Handelskrieg gegen China führen möchte und glaubt, diesen Krieg gewinnen zu können.
Referendumm 26.03.2018
2. Interessant, sehr interessant
Bisher haben die USA alle Länder ausgeschaltet (das letzte war der Irak), die den Petrodollar (https://de.wikipedia.org/wiki/Petrodollar) infrage stellten. Bin mal gespannt, wie dieser Konflikt zwischen China und den USA gelöst wird.
diefans 26.03.2018
3.
Der Autor könnte ja mal wenigstens etwas darauf eingehen, daß man jetzt ein Yuan/Gold-Future und ein Yuan/Öl-Future zur Hand hat und man somit relativ unabhängig von einem US-Dollar denominierten Konto (mit all seinen Nachteilen) ist, wenn es um die Ölbeschaffung geht.
wekru 26.03.2018
4. Fake News
Schreiben Sie doch dazu, dass der Yuan fest an den Dollar gebunden ist und es deswegen ökonomisch schnurtzpiepegal ist in welcher Währung das Öl gehandelt wird. Wenn der Dollar abschmiert, so wie das momentan der Fall ist, schmiert der Yuan mit ab, was die Chinesen freut soweit sie exportorientiert sind. Schreiben Sie doch mal, dass die Wechselkursbindung aufgehoben wird. Das wäre ein ökonomisches Erdbeben über das es sich zu bereichten lohnt. Aber wird wohl so schnell nicht passieren. Denn dann kracht es in China gewaltig und wird sich der Rest der Welt wundern, wie teuer die Waren auf einmal sind die wir heute geschenkt bekommen.
smok 26.03.2018
5. Antwort auf unfaire Praktiken mit fairen Praktiken
Die finanzielle Macht der USA ist von der Gnade der Welt bestellt, Erdöl in US-Dollar zu bezahlen. Bedingt durch diese einfache Tatsache können sich die USA Dollar drucken so viel sie wollen, ohne weitreichende Folgen fürchten zu müssen. Stellt man den Petrodollar in Frage, was schon so manchen Staat die Räson gekostet hat, so steht das meiner Meinung nach wirklich unfairste Element des Welthandels auf dem Tapet, weil es sich nie entwickelt, sondern nur be- und neuerdings ausgenutzt wurde. Ich tippe, dass einige aus der US-Regierung gefeuert wurden, weil sie eine "softere" Gangart in der internationalen Politik bevorzugt hätten weil sie eben genau diesen Schritt Chinas geahnt haben. Fällt der Petrodollar, dann stehen die USA vor einer Zeitenwende.
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