Nach Kurssturz Chef der chinesischen Börsenaufsicht offenbar vor Rücktritt

Mehr als fünf Billionen Dollar haben Papiere an Chinas großen Börsen an Wert verloren - in weniger als acht Monaten. Nun soll Xiao Gang, der Chef der Börsenaufsicht, seinen Rücktritt angeboten haben.

Xiao Gang: Ist Chinas Börsenaufsicht künftig nicht mehr unter seiner Leitung?
REUTERS

Xiao Gang: Ist Chinas Börsenaufsicht künftig nicht mehr unter seiner Leitung?


Der Chef der chinesischen Börsenaufsicht hat wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten seinen Rücktritt angeboten. Der 57-jährige Xiao Gang wolle seinen Platz an der Spitze der China Securities Regulatory Commission (CSRC) räumen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei Insider. Formal endet die Amtszeit Xiaos erst Ende 2018. Unklar ist bislang, ob die Regierung den Rücktritt angenommen hat. Die CSRC selbst wollte sich zunächst nicht äußern.

Allerdings soll die Unzufriedenheit mit dem obersten Börsenaufseher in der Pekinger Regierung einem Insider zufolge extrem hoch sein. Es sei sicher, dass er seinen Posten nicht behalten werde. Bereits in der vergangenen Woche habe Xiao seinen Rücktritt angeboten. Drei Kandidaten seien für seine Nachfolge in der engeren Auswahl.

Xiao gilt als Vater des Stopp-Mechanismus, bei dem der Börsenhandel nach größeren Verlusten eingestellt wird. Dieses System war erst zu Jahresbeginn eingeführt, aber bereits am 7. Januar wieder beendet worden.

Kritiker werfen Xiao vor, dieser Mechanismus habe zur Panik an den Märkten beigetragen. Trotz massiver staatlicher Interventionen hatte der Shanghai Composite Index in der ersten Handelswoche des Jahres insgesamt fast zehn Prozent verloren, beim Shenzhen Composite Index waren es sogar mehr als 14 Prozent. Insgesamt haben die Börsen in Shanghai und Shenzhen seit Juni 2015 mehr als fünf Billionen Dollar an Marktkapitalisierung verloren.

Finanzspritzen und Investitionen in Schienen

Währenddessen versucht die Notenbank Chinas, die schwächelnde Konjunktur mit einer weiteren Geldspritze für das Finanzsystem zu stützen. Sie habe insgesamt 55 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 7,7 Milliarden Euro) ins Bankensystem gepumpt, teilte sie am Montag mit. Sie nutzte dafür kurzfristige Liquiditätsgeschäfte, die auf drei Tage angelegt sind. Die Finanzinstitute müssen dafür einen Zins von 2,1 Prozent zahlen. Im Dezember hatten die chinesischen Banken weniger neue Kredite vergeben, was weitere Sorgen über den Zustand der Wirtschaft genährt hatte.

Zudem will die chinesische Führung weiter massiv in Infrastruktur investieren, um einen wirtschaftlichen Einbruch zu verhindern. So sollen allein in diesem Jahr umgerechnet 112 Milliarden Euro in den Schienenverkehr investiert werden. Bereits 2015 ist der "Shanghai Securities News" zufolge in etwa die gleiche Summe investiert worden, womit das Schienennetz um 9531 Kilometer erweitert wurde.

fdi/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Darwins Affe 18.01.2016
1. Wie Japan
China hat mit Abstand die größte Verschuldung der Welt; die Demographie lässt Böses ahnen; ein funktionierendes Sozialsystem fehlt; Mindeststandards einer Mitsprache der Bevölkerung im Land fehlen; hinzu kommt eine für ein Schwellenland überdimensionierte militärische Aufrüstung. Manches spricht dafür, dass China wirtschaftlich den Weg Japans in den 1990er Jahren geht.
shodanpc 18.01.2016
2. @Darwins Affe
Googeln hilft. China belegt Platz 147 auf der Verschuldungsliste Weltweit. Die USA sind Platz 13. Aber vielleicht haben sie die beiden auch verwechselt. Könnte aber auch daran liegen das China Hauptgläubiger der USA sind. Denen gehöhrt quasie das Land schon, wenn sie es sich auszahlen lassen könnten.
Darwins Affe 18.01.2016
3. Google-Bildung
Zitat von shodanpcGoogeln hilft. China belegt Platz 147 auf der Verschuldungsliste Weltweit. Die USA sind Platz 13. Aber vielleicht haben sie die beiden auch verwechselt. Könnte aber auch daran liegen das China Hauptgläubiger der USA sind. Denen gehöhrt quasie das Land schon, wenn sie es sich auszahlen lassen könnten.
Sie haben wohl aus Versehen die Staatsschulden Chinas mit der Gesamtverschuldung des Landes verwechselt. Zu den Staatsschulden kommen noch die Verpflichtungen der Privatpersonen, Firmen, Banken, Schattenbanken, Provinzregierungen etc. ; Google ist im Prinzip nicht schlecht – man muss aber wissen, was man sucht. Vielleicht ist’s auch hilfreich, mal ein Buch zu lesen. Nebenbei: Die Zitatfunktion beim Spiegel ist nicht allzu schwer zu lernen.
Andreas1979 19.01.2016
4. an Darwins affe
das zitieren von Texten funktioniert nur am PC und nicht bei der Mobile App
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.