Kampf gegen Kreditblase China entzieht Banken Milliarden

In China wächst die Angst vor einer Kreditblase, nun steuert die Notenbank gegen. Sie saugt umgerechnet fast sechs Milliarden Euro aus dem Geldmarkt ab. Die Drosselung des Geldverleihs ist dringend nötig - doch sie birgt auch Gefahren.

Chinesische Geldscheine: Treiber des Turbowachstums
AFP

Chinesische Geldscheine: Treiber des Turbowachstums


Peking/Frankfurt am Main - Die Zentralbank von China reagiert auf den jüngsten Kreditboom in der zweitgrößten Volkswirtschaft. Am Dienstag kassierte die Notenbank 48 Milliarden Yuan - umgerechnet knapp 5,8 Milliarden Euro - aus dem Geldmarkt ein, wie Händler übereinstimmend berichteten.

Dazu gab die Notenbank Anleihen an Banken heraus und erhielt im Gegenzug Geld von den Instituten. Auf diese Weise verringert sich die im Umlauf befindliche Geldmenge.

Die Börse reagierte verhalten auf den Schritt der Notenbank. Der Index CSI 300, der die Aktien der 300 größten festlandchinesischen Unternehmen mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, gab um rund ein Prozent nach. Der Hongkonger Hang-Seng-Index dagegen drehte zuletzt leicht ins Plus. Vergangenen Sommer hatte die Börse noch regelrecht panisch reagiert, als die Notenbank das Ende der Geldschwemme ankündigte.

Die Verschuldung von Staatsfirmen und Provinzen wird zu einem immer größeren Problem für die Zentralregierung in Peking. Experten fürchten eine Kreditblase. Tatsächlich steigt die Geldmenge stetig.

Allein im Januar wurden laut Zentralbank neue Darlehen im Volumen von 1,32 Billionen Yuan - etwa 160 Milliarden Euro vergeben. Das gesamte Kreditvolumen, inklusive im Schattenbankensektor vergebener Mittel, stieg um den Rekordwert von 2,58 Billionen Yuan - etwa 310 Milliarden Euro.

Doch auch die Drosselung von Chinas Kreditboom birgt Gefahren. Das Turbo-Wachstum der vergangenen Jahre war maßgeblich von lockerer Kreditvergabe und billigem Geld getrieben. Nun braucht die Regierung ein neues Wachstumsmodell - einen makroökonomischen Masterplan. Doch für diesen sind tiefgreifende Reformen nötig, bei denen Präsident Xi Jinping auf großen Widerstand stößt.


Lesetipp: Eine gute Übersicht über das Schuldenproblem von Chinas Provinzen bietet diese interaktive Google-Karte des "Wall Street Journal". Ebenfalls empfehlenswert: eine aktuelle Analyse der "FAZ"-Kollegen zum grauen Kapitalmarkt.

Der Autor auf Facebook

ssu/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dieinstanz 18.02.2014
1. Mal sehen...
... was an der Front noch auf die Weltwirtschaft zukommt... Passt gut ins Bild, dass sich China als weltgrößter Goldproduzent jetzt auch zum weltgrößten Goldretailkonsumenten mausert ;D
seneca55 18.02.2014
2. Was sind 6 Mrd.-Bremse im Billionen-Markt?
VRChina produziert das exorbitanten Wachstum seit Jahren mit Krediten s.g. Schattenbanken, die unabgesichert für hohe Zinsen Invetitionen finanzieren.Treten die Erwartungen nicht ein und die Investments erweisen sich als Fehlinvest, dann erleiden die unabgesicherten Schattenbanken Totalverluste. Na und?? So sind die Spielregeln im Kapitalismus. Wenn jetzt in VRChina nicht mehr soviel investiert wird wie früher, dann sinkt das Wachstum wie in der EU die seit Jahren in der Rezession steht, aber davon geht die Welt nicht unter. Nur Deutschlands Export-Industrie könnte Hüsteln, wenn die Chinesen weniger importieren sollen, aber davon ist noch nicht auszugehen. VRChina wird in 2014 mit 7% im schlechten Fall weiter wachsen, was zur EU mit nur 0,7 Prozent immer noch einen Faktor "10"! ausmacht. Also wozu die vorschnellen Krokodilstränen?
tao chatai 18.02.2014
3. Wenigstens noch eine Zentralbank
die nach herkoemmlichen Oekonomischem Wissen dem Markt Geld entziehen kann/will/muss/darf... Angenommen die EZB,die BoE oder die FED wuerden dies machen,da wuerden ja die Supermarktregale fuer Ostern leer bleiben im Westen......hahahaha
kumi-ori 18.02.2014
4. Ich höre immer von den gigantischen Schulden Chinas
aber bis vor Kurzem konnte man auch immer wieder über die riesigen Außenstände Chinas gegenüber verschiedenen Ländern, v. a. die USA lesen (1 Bio.?, 2 Bio.? - ich weiß es nicht mehr). Lässt sich das nicht gegeneinander aufrechnen? Und überhaupt: was sind eigentlich 6 Mrd. Euro für ein Land mit 1,3 Mrd. Einwohner?
muellerthomas 18.02.2014
5.
Zitat von tao chataidie nach herkoemmlichen Oekonomischem Wissen dem Markt Geld entziehen kann/will/muss/darf... Angenommen die EZB,die BoE oder die FED wuerden dies machen,da wuerden ja die Supermarktregale fuer Ostern leer bleiben im Westen......hahahaha
In Chian droht eine Kreditüberhitzung, in Westeuropa ist das Gegenteil der Fall. Weshalb sollte die EZB Geld entziehen? Ja, dann hätten wir direkt die nächste Rezession. Ist das erstrebenswert?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.