Jahrhundertprojekt EU-Botschafter warnen vor Chinas neuer Seidenstraße

Straßen, Eisenbahnen, Häfen, Airports, Pipelines: China lässt entlang historischer Handelsrouten neue Infrastruktur bis nach Europa bauen. Die EU fühlt sich bei der Vergabe von Aufträgen benachteiligt.

Kunstinstallation zur neuen Seidenstraße in Peking
REUTERS

Kunstinstallation zur neuen Seidenstraße in Peking


Ein historisches Infrastrukturprojekt der chinesischen Regierung, die sogenannte neue Seidenstraße, provoziert in Europa zunehmend Unbehagen. 27 der 28 EU-Botschafter in Peking kritisieren laut einem Bericht des "Handelsblatts" die chinesischen Vorgaben für Beteiligungen an Bauprojekten entlang der Handelsrouten.

Die Seidenstraßen-Initiative laufe "der EU-Agenda für die Liberalisierung des Handels entgegen und verschiebt das Kräfteverhältnis zugunsten subventionierter chinesischer Unternehmen", heißt es laut "Handelsblatt" in einer gemeinsamen Stellungnahme der EU-Diplomaten, die allein vom ungarischen Botschafter nicht mitgetragen worden sei.

Das ungewöhnlich offensiv formulierte Papier ist dem Bericht zufolge Teil der Vorbereitungen des kommenden EU-China-Gipfels im Juli. Die EU-Kommission arbeitet demnach zurzeit an einem Strategiepapier, um die Mitgliedstaaten auf eine einheitliche Antwort auf Chinas Prestigeprojekt einzuschwören.

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Ziel von Staatschef Xi Jinping ist es, entlang alter Handelsrouten besser mit Handelspartnern vernetzt zu werden. Rund 900 Milliarden Dollar sollen insgesamt investiert werden, um Pipelines, Kraftwerke, Straßen, Eisenbahnen, Häfen und Flughäfen zu bauen. Mit dem Projekt will Xi an die Größe Chinas zu Zeiten Marco Polos anknüpfen.

Neben dem langfristigen Aufbau neuer Handelsrouten hat die neue Seidenstraße für China auch noch einen kurzfristigen Nutzen. Weil der Bauboom im Reich der Mitte allmählich endet, sollen die Überkapazitäten der chinesischen Stahl-, Zement- und Aluminiumhersteller vorerst durch Projekte im Ausland ausgelastet werden.

"Wir sollten uns der Zusammenarbeit nicht verweigern, aber höflich und bestimmt unsere Bedingungen formulieren", sagte ein hochrangiger EU-Diplomat dem "Handelsblatt". Dazu zähle, dass chinesische Firmen nicht bei der Auftragsvergabe bevorzugt werden dürften.

Im Bundeswirtschaftsministerium hieß es, die Seidenstraßen-Initiative müsse "die Interessen aller Teilnehmer berücksichtigen".

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Projekt "Neue Seidenstraße": Spitzentreffen in Peking

ssu



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
ein-berliner 17.04.2018
1. Wo ist das Problem?
Niemand kann genötigt werden einer Seideneinbahnstrasse zuzustimmen. Dafür gibt es in Europa genügend Verkehrsschilder.
steingärtner 17.04.2018
2. Auch eine Möglichkeit
Handelswege statt Miltärstützpunkte in aller Welt.
andreass61 17.04.2018
3. oh,oh
ich vermute Washington wird dieses Vorhaben nicht gefallen, dann wird es wohl nicht lange dauern und Deutschland wird die Seidendtraße ebenfalls stark kritisieren müssen. Ist dieses Projekt umgesetzt,wird da wohl der größte Wirtschaftsraum entstehen.
chrismuc2011 17.04.2018
4.
Wer zahlt, schafft an! So einfach ist das.
see_baer 17.04.2018
5. Na nu
Wachen die Herren langsam auf? Wir werden uns noch warm anziehen müssen, der Zauberlehrling wird erwachsen. Uns steht das Chinesische Jahrhundert bevor.
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