Umfrage Europäische Firmen beklagen feindliches Umfeld in China

Das Wachstum stottert und chinesische Wettbewerber werden bevorteilt: Unternehmen aus Europa bewerten ihre Zukunft in China zunehmend pessimistisch. Nur noch jede zweite Firma will expandieren.

Arbeiter in China
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Arbeiter in China


Sogar während der globalen Finanzkrise waren die Aussichten besser: Europäische Unternehmen beklagen ein zunehmend feindliches Umfeld in China. Weil einheimische Unternehmen bevorzugt würden, bekämen europäische Unternehmen die wirtschaftliche Abkühlung im Land umso stärker zu spüren, teilte die Europäische Handelskammer, eine Lobby-Vertretung europäischer Firmen, mit.

"Die Enttäuschung nimmt zu", sagte Kammerpräsident Jörg Wuttke. Die Kammer stellte eine jährliche Befragung unter rund 500 Unternehmen vor. Demnach blicken nur noch 44 Prozent optimistisch in die Zukunft. Das ist der schlechteste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2007. Sogar während der Finanzkrise lag er mit 65 Prozent darüber.

Kein freier Zugang zum Markt

Nur noch jedes zweite Unternehmen will in China expandieren. 41 Prozent planen Einsparungen.

Chinas Wirtschaft war zuletzt mit 6,7 Prozent so langsam gewachsen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Neben der stotternden Wirtschaft sei der weiterhin eingeschränkte Zugang zum chinesischen Markt das größte Problem, so die Handelskammer.

Statt wie versprochen die Märkte weiter zu öffnen, sieht es "in der Realität oft so aus, dass Peking sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt", schreibt die Europäische Kammer in ihrer Analyse. So fürchten die befragten Firmen, "dass die schlimmste Phase der wirtschaftlichen Abschwächung erst noch folgen wird".

Auch USA beschweren sich

Die Diskriminierung im Vergleich zu chinesischen Konkurrenten drückt bei den Europäern auf die Stimmung. Mehr als jedes zweite Unternehmen aus Europa fühlt sich im Vergleich zu chinesischen Wettbewerbern benachteiligt. 58 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die strengen Internetsperren in China ihre Geschäfte belasten.

Die gewaltigen Überkapazitäten der Wirtschaft seien laut Wuttke noch immer das sichtbarste Problem in China. Praktisch alle wichtigen Industriezweige des Landes leiden darunter, dass sie mehr Fabriken betreiben und Mitarbeiter beschäftigen als notwendig wären.

Auch die USA beschweren sich über Chinas Wirtschaftspolitik. Die Behörden erschwerten ausländischen Unternehmen immer mehr die Geschäfte, sagte US-Finanzminister Jack Lew beim strategischen und wirtschaftlichen Dialog zwischen China und den USA. "Ausländische Unternehmen sind mit einem komplexeren regulatorischen Klima konfrontiert und fragen sich, ob sie in China willkommen sind."

sep/dpa/Reuters

insgesamt 36 Beiträge
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Bananenschale 07.06.2016
1. Was mich stört!
Beteiligungen westlicher Unternehmen an Unternehmen in China unterleigen sehr starken Beschränkungen. Umgekehrt nicht. Ich kann es nicht leiden, wenn chinesische Unternehmen in Europa ein Unternhemen nach dem anderen einkaufen. Mit solchen Unternehmen z.B. aus dem Bereich des Maschinenbaus verschwinden auch die Patente - und irgendwann auch die Arbeitsplätze! Es hat hier das Prinzip der Gegenseitigkeit zu gelten! Wer unter heutigen Umständen in China investiert, ist blöd.
realplayer 07.06.2016
2.
Das begreifen die Manager nicht. Irgendwann können wir nur noch Brot backen und uns gegenseitig die Haare schneiden.
Wunderläufer 07.06.2016
3. Erwartbar
Mich überrascht das Problem überhaupt nicht. Ich finde es naiv, wenn die Ausländer sich heute beleidigt in den Schmollwinkel stellen; schließlich sind sie doch wie die Lemminge gen Peking gepilgert, trotz aller Einschränkungen. Prinzip der Gegenseitigkeit?, das funktioniert nur in VWL-Büchern
hapebo 07.06.2016
4. Und nu?
Was erwarten denn die ach so armen Unternehmen in China? Es war doch der Markt und jetzt,jammern auf höchstem Niveau,man bekommt halt den Kragen nicht voll.Auch China kocht nur mit Wasser und die verlängerte Werkbank des Westens emanzipiert sich,siehe die Zukäufe in Deutschland.
OskarVernon 07.06.2016
5.
Zitat von BananenschaleBeteiligungen westlicher Unternehmen an Unternehmen in China unterleigen sehr starken Beschränkungen. Umgekehrt nicht. Ich kann es nicht leiden, wenn chinesische Unternehmen in Europa ein Unternhemen nach dem anderen einkaufen. Mit solchen Unternehmen z.B. aus dem Bereich des Maschinenbaus verschwinden auch die Patente - und irgendwann auch die Arbeitsplätze! Es hat hier das Prinzip der Gegenseitigkeit zu gelten! Wer unter heutigen Umständen in China investiert, ist blöd.
Überhaupt nichts neues - und an einschlägigen Warnungen hat es noch nie gemangelt. Die haben bloß (zu) viele nicht hören wollen: Die einen des kurzfristigen "Erfolges" wegen, die anderen aus tiefer Überzeugung, dass Kommunisten irgendwie per definitonem "Die Guten" und folglich im Kampf gegen die "kapitalistische" Konkurrenz zu unterstützen seien...
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