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11. Januar 2013, 19:03 Uhr

Konjunkturprognose

Chinesische Experten fürchten Wachstumsdelle

Nach dem schwächsten Anstieg der Wirtschaftsleistung seit 13 Jahren könnte China im laufenden Jahren ein noch geringeres Wachstum bevorstehen. Eine wichtige staatliche Kommission sagt lediglich ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Analysten sehen dennoch Hoffnungszeichen.

Peking - China und die Weltwirtschaft brauchen dringend Wachstum in der Volksrepublik. Doch die Hoffnung auf einen stärkeren Aufschwung könnte sich 2013 nicht erfüllen. Für das laufende Jahr sei lediglich mit einem Anstieg um 7,5 Prozent zu rechnen, sagte der Chef der mächtigen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, Zhang Xiaoqiang, der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge. Im vergangenen Jahr ist die Wirtschaftsleistung demnach nur um 7,7 Prozent gestiegen - damit wächst die chinesische Wirtschaft so schwach wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Mindestens sieben Prozent beim BIP sind in einem Schwellenland wie China wegen des großen Nachholbedarfs notwendig, um ausreichend Jobs zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen. Noch Anfang Dezember hatte ein staatliches Institut prognostiziert, dass Chinas Wachstum wieder anzieht. Die Wissenschaftler der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften sagten für 2013 ein Wirtschaftswachstum von 8,2 Prozent voraus. Sie warnten aber zugleich vor Risiken für die Wirtschaft des Landes, die von weltweiten Unsicherheiten ausgingen. Zudem hielten sie es für zwingend, dass die Regierung Geld in die Märkte pumpt.

Trotz der nun verhaltenen Prognose der Entwicklungs- und Reformkommission setzen Analysten darauf, dass die Wirtschaft in China doch stärker anzieht. Als Vorbote gilt der unerwartet kräftige Anstieg der Lebenshaltungskosten. Beobachter sehen in der anziehenden Teuerung ein Anzeichen dafür, dass die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft dank einer zunehmenden Nachfrage im Inland langsam wieder an Fahrt gewinnt. Die Inflation legte angesichts deutlich teurerer Lebensmittel auf 2,5 Prozent zu und erreichte damit den höchsten Stand seit sieben Monaten, wie Statistiker mitteilten.

Verbraucherpreise stiegen 2012 um 2,6 Prozent

Ein Grund für die höhere Teuerung sei der harte Winter, sagte ein Statistiker: In China ist es derzeit so kalt wie seit 28 Jahren nicht mehr. Das erschwert den Anbau und den Transport von Gemüse und treibe daher dessen Preis in die Höhe. Im gesamten Jahr 2012 stiegen die Verbraucherpreise um 2,6 Prozent. Die Notenbank hat sich ein Inflationsziel von vier Prozent gesetzt.

Die Notenbank kündigte an, an einer "umsichtigen" Geldpolitik im laufenden Jahr festzuhalten und zugleich eine vernünftige Versorgung der Wirtschaft mit Geld und Krediten sicherzustellen. Aus Angst, die Inflation anzutreiben und die hohen Immobilienpreise weiter anzuheizen, hat die Zentralbank den Leitzins seit Sommer 2012 nicht weiter gesenkt. Häuser und Wohnungen verteuern sich einer privaten Umfrage zufolge in den 100 größten Städten Chinas im Dezember um 0,2 Prozent, das ist der siebte Anstieg in Folge. Die Regierung in Peking arbeitet seit drei Jahren daran, den Immobilienmarkt abzukühlen.

mmq/Reuters

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