Ende des Booms Chinas Export bricht ein

Der chinesischen Wirtschaft geht es offenbar noch schlechter als angenommen. Der Export fällt um mehr als zehn Prozent, der Import noch stärker. Erstmals schrumpft der Absatz der deutschen Autokonzerne.

Skyline von Shanghai (Archivbild): Bedenkliche Handelsbilanz
Getty Images

Skyline von Shanghai (Archivbild): Bedenkliche Handelsbilanz


Der Handel in China hat sich zum Jahresbeginn deutlich verlangsamt. Die Ausfuhren gingen im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,2 Prozent zurück, der Import brach gar um 18,8 Prozent ein. Das gab die chinesische Zollverwaltung bekannt.

Die Zahlen sind weit schlechter als erwartet. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang bei den Exporten um 1,9 Prozent und bei den Importen um 0,8 Prozent gerechnet. "Die Handelszahlen sind deutlich steiler gefallen als gedacht", sagte Chester Liaw, Ökonom bei der Firma Forecast Pte in Singapur.

Die chinesischen Börsen reagierten vergleichsweise gelassen. Der Leitindex in Shanghai notierte nach einer Woche Pause wegen des chinesischen Neujahrs nur leicht im Minus. Händler sagten, eine wirklich aussagekräftige Analyse sei erst im Februar möglich. Die Daten seien zu Jahresbeginn wegen der Feierlichkeiten stets verzerrt.

Dennoch sind viele Experten beunruhigt. Denn auch im gesamten letzten Jahr sind Chinas Handelszahlen deutlich stärker zurückgegangen als erwartet. Insgesamt brachen sie 2015 um acht Prozent ein. Die kommunistische Regierung hatte nur einen Rückgang um sechs Prozent angepeilt.

Für das laufende Jahr wolle die Regierung erst gar keine Prognose mehr herausgeben, berichten die staatliche Zeitung "Economic Times" und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend. Experte Liaw nannte das "eine weise Entscheidung". Die Handelszahlen dürften sich seiner Einschätzung zufolge zunächst weiter verschlechtern.

All das schürt Sorgen über eine weitere Konjunkturabkühlung in der Volksrepublik. Chinas exportlastige Wirtschaft ist 2015 so schwach gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Im laufenden Jahr wird das Wachstum nach Einschätzung der meisten Experten weiter zurückgehen.

Absatz deutscher Autokonzerne erstmals rückläufig

Das sinkende Wachstum in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft belastet auch deutsche Firmen. Der Absatz der deutschen Autohersteller auf dem weltgrößten Pkw-Markt China ist 2015 erstmals zurückgegangen. BMW, Daimler und der VW-Konzern verkauften im vergangenen Jahr zusammen 4,4 Millionen Autos und damit ein Prozent weniger als noch 2014. Das ergab eine Analyse des Wirtschaftsprüfungskonzerns Ernst & Young.

Grund für die sinkenden Absätze ist jedoch nicht nur das sinkende Wirtschaftswachstum - sondern auch die erstarkende einheimische Konkurrenz. Insgesamt legte Chinas Automarkt, der inzwischen für gut 20 Millionen Pkw steht, im vergangenen Jahr immerhin noch um neun Prozent zu. Einheimische Marken wuchsen um 15 Prozent, während ausländische Marken gerade einmal zwei Prozent schafften.

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ssu/AP/dpa/Reuters



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insgesamt 131 Beiträge
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reinerhohn 15.02.2016
1. Es ist ein...
...Irrglaube zu denken alles koenne ewig wachsen, womoeglich gar zweistellig.
jalu-2008 15.02.2016
2. Zur Erinnerung:
am 12 Februar 2016, also vor drei Tagen, wusste SPON zu berichten: "Chinesen reißen sich um VWs" und "Der VW-Konzern kann sich über gute Absatzzahlen in China freuen. In dem wichtigsten Markt für den Autohersteller stiegen die Verkäufe um knapp 14 Prozent."
BeatDaddy 15.02.2016
3. Wer hat
behauptet, dass es immer nur bergauf geht? Und vor allem, wer ist so dumm, das zu glauben???
rohanseat 15.02.2016
4. iregend wann ist
jedes wachstum an der grenze.Die profit caravane zieht weiter dorthin wo es billig ist.- Ob sich der käufer immer wieder dazu verführen läßt etwas neues zu kaufen was keiner braucht weil er alles hat?? Da werden dann wohl einige der super-containerschiffe zum schnäppchen preis verschleudert.Nur wer kauft die ungetüme.?-Der preis für eine ungezügelte wirtschaft die nur "profit" sieht.
mictann 15.02.2016
5. Ach ja ... die Analysten
es ist nur gut, dass andere Berufe ihren Job richtig machen. Wenn die Stromversorger ihren Job wie die Wirtschaftsanalysten machen würden, dann hätten wir heute 10kV an der Steckdose anliegen, morgen Gleichstrom und übermorgen käme Wasser raus. Warum glaubt den Leuten eigentlich noch jemand?
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