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19. Juni 2012, 08:04 Uhr

China, Indien und Russland

Schwellenländer geben Milliarden für Krisenfonds

Die wichtigsten Schwellenländer springen Europa in der Krise mit neuen Hilfsgeldern bei. Beim G-20-Gipfel in Mexiko sagten China, Indien und Russland insgesamt 63 Milliarden Dollar zu. Im Gegenzug verlangen sie mehr Mitspracherechte in internationalen Institutionen.

Los Cabos - Der Internationale Währungsfonds (IWF) erhält zur Abwehr globaler Finanzkrisen mehr Milliarden als bisher erwartet. Nach der Zusage weiterer Länder werden die Mittel des IWF um insgesamt 456 Milliarden Dollar aufgestockt. Das teilte IWF-Chefin Christine Lagarde am Rande des G-20-Gipfels im mexikanischen Los Cabos mit.

Wichtige Schwellenländer machten erstmals konkrete Zusagen. So will China 43 Milliarden Dollar zum Krisenfonds beisteuern. Indien und Russland kündigten an, jeweils zehn Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen. Dabei appellierte Indiens Regierungschef Manmohan Singh an andere Staaten, ebenfalls mehr Geld zur Verfügung zu stellen.

Der Fonds des IWF kann zur Eindämmung von Finanzkrisen auf der ganzen Welt eingesetzt werden. Anlass für die Aufstockung ist jedoch die aktuelle Krise der Euro-Zone. Das Geld aus den Schwellenländern soll helfen, die Brandmauer um verschuldete Euro-Staaten höher zu ziehen, als es die Europäer alleine mit ihren eigenen Rettungsfonds schaffen.

Bei den Mitteln handelt es sich nicht um Zahlungen, sondern um Kredite der jeweiligen Notenbanken an den IWF, die im Notfall eingesetzt werden können, wenn die bisherigen Mittel in Höhe von 400 Milliarden Dollar aufgezehrt sind.

Die BRICS-Staaten verlangen mehr Mitsprache

Bereits im April hatten die IWF-Mitgliedsländer neue Kredite von 430 Milliarden Dollar zugesagt. Knapp 200 Milliarden Dollar davon kommen von den Euro-Staaten; Deutschland allein steuert über die Bundesbank gut 55 Milliarden Dollar bei. Nun haben laut IWF-Chefin Christine Lagarde zwölf weitere Staaten Zusagen gemacht. Damit erhöhe sich die Zahl der Länder, die frische Mittel beitragen, auf insgesamt 37.

China, Indien und Russland gehören neben Brasilien und Südafrika zu den aufstrebenden Schwellenländern, den sogenannten BRICS-Staaten. Diese hatten neue Finanzierungszusagen bisher offengelassen und noch kurz vor dem G-20-Gipfel Bedingungen für ein stärkeres finanzielles Engagement gestellt. Vor allem verlangten sie Reformen des IWF, die ihnen mehr Mitspracherechte sichern.

Die fünf BRICS-Staaten stellen 42 Prozent der Weltbevölkerung und 18 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung, sind bislang aber in den Entscheidungsgremien deutlich unterrepräsentiert. Die etablierten Industrieländer hatten bereits zugesagt, die Stimmrechtsverteilung in der Institution zu überarbeiten.

Auf dem G-20-Gipfel im mexikanischen Badeort Los Cabos warnten Vertreter der fünf BRICS-Staaten vor den Gefahren der europäischen Schuldenkrise und forderten "kooperative Lösungen". Sie vereinbarten auch eine engere Kooperation in Währungsfragen.

stk/Reuters/dpa/AFP

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