Marktöffnung China könnte Importzölle auf Autos kürzen

Die chinesische Regierung will ihren Automarkt offenbar weit stärker öffnen als bislang bekannt ist. Der Strategieschwenk ist mehr als nur ein Zugeständnis im Handelsstreit mit den USA.

Straße in Peking
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Straße in Peking


China prüft offenbar eine weitere Öffnung des heimischen Automarkts. Die Importzölle auf Pkw könnten um etwa die Hälfte gekürzt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf Insider.

Bislang muss jeder, der Pkw nach China bringt, 25 Prozent Zoll bezahlen. Chinas Kabinett, der Staatsrat, wolle diese Rate auf 10 bis 15 Prozent kürzen, berichtet Bloomberg. Schon im Juni könnte diese Entscheidung offiziell verkündet werden.

Niedrigere Zölle dürften auch deutschen Autobauern wie BMW Chart zeigen oder Daimler Chart zeigen helfen, ihre Modelle im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz günstiger zu verkaufen. China ist der weltgrößte Automarkt und gerade für die deutschen Hersteller enorm wichtig.

Vergangene Woche hatte die Regierung in Peking bereits angekündigt, dass internationale Autofirmen bald mehr als 50 Prozent an chinesischen Zweigstellen besitzen dürfen. Das bedeutet, dass sie nicht mehr zwangsweise Gemeinschaftsfirmen gründen müssen, um in Chinas Automarkt mitzumischen.

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Peking will Joint-Venture-Regeln lockern: So stehen westliche Autokonzerne in China da

Hinter der Öffnung eines Schlüsselsektors steckt strategisches Kalkül (eine ausführliche Analyse dazu lesen sie hier). Der Schutzwall, den die Führung in Peking in der Vergangenheit um die eigene Autoindustrie zog, erfüllte schon lange nicht mehr die Erwartungen.

"Der politischen Führung ist über die vergangenen Jahre klargeworden, dass private Unternehmen wie Geely, Chery oder Great Wall sich viel besser entwickeln als die großen staatlichen Hersteller", sagte der chinesische Autoanalyst Li San dem SPIEGEL. "Daraus hat sie den Schluss gezogen, dass auch die großen staatlichen Firmen dem Wettbewerb ausgesetzt werden sollen."

Und noch eine Überlegung dürfte für die Entscheidung der obersten chinesischen Wirtschaftsbehörde eine Rolle gespielt haben. Das Auto mit klassischem Verbrennungsmotor wird über kurz oder lang vom Elektroauto abgelöst werden. Und auf diesem Gebiet jedoch haben die chinesischen Hersteller ihren Konkurrenten weitaus mehr entgegenzusetzen als beim herkömmlichen Auto.

Chinesische Internetgrößen wie Tencent, Alibaba oder Baidu und deren Start-up-Töchter liefern das Know-how für E-Mobilitäts-Netzwerke. Auch was die Batterien betrifft, haben Chinas Hersteller gute Ausgangsvoraussetzungen - allein schon, weil sie exklusiven Zugriff auf viele der notwendigen Rohstoffe haben. Seltene Erden lagern zum großen Teil in chinesischer Erde, andere Stoffe in afrikanischen Minen, an denen wiederum chinesische Unternehmen in den vergangenen Jahren systematisch Beteiligungen erworben haben.

Vor dem Hintergrund dieser Stärke ist die Öffnung des Marktes durchaus sinnvoll. Denn China kann ausländisches Kapital gut gebrauchen. "Es ist fast unmöglich, das allein zu schaffen", sagte Analyst Li Anding dem SPIEGEL. "Nur wenn ausländisches Kapital hereinkommt, wird Chinas E-Auto-Industrie wirklich wettbewerbsfähig werden."

ssu/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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jasuly 26.04.2018
1.
"Seltene Erden lagern zum großen Teil in chinesischer Erde ..." *** Und noch einmal: 'Seltene Erden' sind NICHT selten, auch außerhalb Chinas nicht: https://www.passives-einkommen-verdienen.de/wie-selten-sind-seltene-erden-metalle-wirklich-und-ist-eine-investition-in-die-minenbetreiber-jetzt-sinnvoll/ . Was Cobalt betrifft, gehört es nicht zu den 'Seltenen Erden'. LiFePO4-Akkkus, z. B. von BYD verwendet, kommen komplett ohne Cobalt aus.
thequickeningishappening 26.04.2018
2. The Empire strikes back
Zuckerbrot und Peitsche: man hat den wettbewerbsfähigen Level erreicht und senkt Die Schranken. Gleichzeitig zeigt man Stärke und schließlt Die große Müllabfuhr (Verschiffung von Müll zwecks "Recycling", ehm Dumpingp nach China) !
joG 26.04.2018
3. Natürlich ist das "mehr als nur ein Zugeständnis...."....
...."... im Handelsstreit mit den USA". Die Forderungen der USA waren konform mit einem Wirtschaftsoptimum im globalen Handel und werden auch China nutzen, wenn es sein politisches System genügend anpassen kann die zum gesellschaftlichen Optimum notwendigen Freiheiten der Bürger zu gewährleisten. Dei Beschränkungen des Handels sind effektiv in zerstörten Gesellschaften, wie das Maos China war, deren Ordnung erst erzwungen werden muss und daher die Freiheiten der Bürger sehr eng gesteckt werden. Selbst unter diesen Bedingungen ist dieses Modell nur dann möglich, wo ein Gegenüber da ist, der erlaubt, dass Leistungsbilanzdefizite aus diesem Grund entstehen. Die USA erfüllten diese Funktion, weil sie wie bei Deutschland hofften, dass Entwicklung zu Wohlstand eine liberalere Gesellschaft mit sich bringen würde wie man das in Japan und Deutschland bereits es erreicht hatte. Nun ist aber das notwendige Defizit nicht mehr nachhaltig aufrecht zu erhalten und die Chinesen müssen entweder ihren internen Wachstum ankurbeln oder die Überschussproduktion an andere Länder verkaufen. Vielleicht an uns?
Mr Bounz 26.04.2018
4. Dann ist jetzt Trump dran
Dann wären es nun also nur noch die USA die Ihren Fahrzeugmarkt mit hohen Zöllen schützen. Die machen es zwar trickreich über die Chicken Tax (Landwirtschaftliche Produkte) mit 25%, aber die in den USA am meisten verkauften Fahrzeuge, also Pickup Trucks, fallen unter diese Regelung. Das wird lustigerweise bei dem Thema Zölle auf Kraftfahrzeuge NICHT erwähnt!!
w.diverso 26.04.2018
5. Sehr richtig!
Zitat von Mr BounzDann wären es nun also nur noch die USA die Ihren Fahrzeugmarkt mit hohen Zöllen schützen. Die machen es zwar trickreich über die Chicken Tax (Landwirtschaftliche Produkte) mit 25%, aber die in den USA am meisten verkauften Fahrzeuge, also Pickup Trucks, fallen unter diese Regelung. Das wird lustigerweise bei dem Thema Zölle auf Kraftfahrzeuge NICHT erwähnt!!
Trump tut zwar so als ob nur Amerika so einen freier Markt hat der von allen anderen Ländern ausgenutzt wird, dabei wissen auch die Amerikaner sehr gut wie sie ihren Markt schützen können. Zu den amerikanischen Produkten und dem Export sei noch angemerkt: Wenn die amerikanischen Produkte eine bessere Qualität, Technik und Design hätten, wobei es schon auch einige gute Produkte gibt, wären sie am Weltmarkt auch besser zu verkaufen. Das vergessen die Amerikaner aber sehr gerne.
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