Werben um Investoren: China will Finanzmärkte für Ausländer öffnen

Ausländische Anleger könnten vom Machtwechsel an der Spitze von Chinas KP profitieren. Beim Parteitag versprach ein ranghoher Beamter Investoren einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt. Das Kalkül dahinter: Wachstum schaffen und so das Volk besänftigen.

Skyline von Shanghai: China will ausländischen Investoren mehr Geschäfte erlauben Zur Großansicht
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Skyline von Shanghai: China will ausländischen Investoren mehr Geschäfte erlauben

Peking - Chinas Kommunisten vollziehen in diesen Tagen einen Machtwechsel in der Partei. Gespannt warten Investoren darauf, ob die neue Führung die Wirtschaft stärker für ausländische Kapitalgeber öffnet. Genau das hat nun ein hochrangiger Finanzaufseher der Volksrepublik in Aussicht gestellt. Ausländische Investoren sollen einen einfacheren Zugang zu den Aktien- und Anleihemärkten bekommen, sagte Guo Shuqing laut "Financial Times" .

China will demnach die strengen Quoten erhöhen, an die sich Kapitalgeber aus dem Ausland halten müssen, wenn sie sich auf dem strikt regulierten chinesischen Markt engagieren wollen. Die Aussagen von Guo, der die Wertpapieraufsicht der Volksrepublik leitet, hat Gewicht, weil er seine Ankündigung am Rande des Parteitags von Chinas KP machte. Während des einwöchigen Kongresses wird die Partei Xi Jinping zu ihrem neuen Chef ernennen.

Die Ankündigung der Öffnung der Finanzmärkte deutet an, dass die künftige Regierung zumindest zu vorsichtigen Reformen bereit ist und in welche Richtung diese gehen werden. Bereits im Frühjahr hatte die Führung bei chinesisch-amerikanischen Wirtschaftsberatungen versprochen, ausländischen Firmen einen größeren Zugang zum heimischen Wertpapierhandel zu gewähren.

Guo kündigte eine Aufwertung der bislang künstlich niedrig gehaltenen chinesischen Währung Renminbi an. Zudem werde China die Gesamtquote für ausländische Investitionen erhöhen. Diese wurde vor einigen Monaten auf 80 Milliarden Dollar aufgestockt. Wenn diese Marke erreicht sei, werde erneut aufgestockt, versprach Guo. Auch die Investitionssumme für einzelne Unternehmen und Kapitalgeber werde angehoben. Zudem werde die Führung steuerliche Anreize geben und Kapitaltransfers vereinfachen.

Ausländische Investoren kritisieren, dass der chinesische Kapitalmarkt enorm undurchsichtig ist und einheitliche Regeln für saubere Geschäfte fehlen. Beobachter erklären Guos Ankündigungen auch damit, dass die Wertpapieraufsicht des Landes unter enormem Druck steht, den chinesischen Finanzmarkt zu stabilisieren.

Banken sollen wieder mehr Freiraum für Kredite haben

Offenbar gibt es hier auch erste Erfolge zu vermelden. Denn die Finanzlage der Banken in China hat sich nach offiziellen Angaben wieder gebessert. Das könnte ein weiteres Signal dafür sein, dass die Geldhäuser wieder mehr Kredite an Unternehmen ausgeben können und das Wirtschaftswachstum im Land erstmals nach sieben Quartalen nicht mehr rückläufig ist.

"Derzeit ist die Profitabilität bei den Banken ganz gut", sagte der Vorsitzende des chinesischen Bankenregulierers, Shang Fulin. "Sie sind in der Lage, ihre Rückstellungen für faule Kredite zu erhöhen und einige faule Kredite abzuschreiben, um künftigen Risiken vorzubeugen."

Die Daten zur Kreditvergabe der chinesischen Banken gehörten in den vergangenen Monaten für Investoren zu den am stärksten beachteten Statistikzahlen. Sie könnten Hinweise darauf geben, wie schnell die Regierung in Peking neue Investitionsprojekte auf den Weg bringt und damit das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt insgesamt stärkt.

KP verspricht seinem Volk Reichtum

Zuletzt hatte die Führung angekündigt, dass sie im laufenden Jahr 7,5 Prozent Wachstum erwartet. Im dritten Quartal war das Wachstum mit 7,4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2009 nach Ausbruch der globalen Finanzkrise gefallen. Im März hatte die Regierung ein Wachstumsziel von 7,5 Prozent vorgegeben. Es war das erste Mal seit acht Jahren, dass weniger als acht Prozent angepeilt wurden.

Sieben Prozent Wachstum sind in einem Schwellenland wie China wegen des großen Nachholbedarfs notwendig, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

Zum Auftakt des 18. Parteikongresses der chinesischen Kommunisten hatte der scheidende Parteichef Hu Jintao seinem Volk eine Verdoppelung des Einkommens bis 2020 angekündigt. Auch die gesamte Wirtschaftsleistung der Volksrepublik will die Führung bis dahin verdoppeln.

China hat eine Schlüsselrolle im Welthandel. Laut Internationalem Währungsfonds ist die Volksrepublik mittlerweile für 78 Staaten der wichtigste oder zweitwichtigste Handelspartner. Auch viele deutsche Firmen sind von der Konjunktur des Landes abhängig.

mmq/Reuters

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Was nun?
w.uljanow 12.11.2012
Wenn das Einkommen verdoppelt werden soll, welches das nominale oder reale, wie dem auch sei, wenn das reale verdoppelt werden soll, dann muessen es aber ein wenig mehr als 7.5% Wachstum pro Jahr sein. Mindestens 9.05% pro Jahr. Und es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Im 8ten Jahr muss die absolute Produktionssteigerung fast doppelt so hoch sein wie im ersten Jahr.
2. Was für saubere Geschäfte?
Litajao 12.11.2012
Zitat von sysopAusländische Anleger könnten vom Machtwechsel an der Spitze von Chinas KP profitieren. Beim Parteitag versprach ein ranghoher Beamter Investoren einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt. Das Kalkül dahinter: Wachstum schaffen und so das Volk besänftigen. China: KP verspricht Investoren Reformen des Finanzmarktes - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/china-kp-verspricht-investoren-reformen-des-finanzmarktes-a-866605.html)
So, so, es fehlen tatsächlich einheitliche Regeln und der Kapitalmarkt ist enorm undurchsichtig für "saubere Geschäfte". Ja dann! Wenn also diese "Investoren" die gleichen Ordnungen in den Chinesischen Kapitalmarkt bringen, wie sie ja bereits sehr erfolgreich in den westlichen Ländern bewiesen haben, mit faulen Sub-Prime-Anlagen, Leerverkäufen, Derivaten ohne Ende, kann ich nur hoffen und bangen, dass China sich nicht auf diesen Wahnsinn einlässt, denn die Immobilienblase allein reicht doch wohl für China. Hat sich jetzt für diese Glücksspieler und Zocker - oh, sorry, diese Investoren - herausgestellt, dass da in der Euro-Zone nicht mehr viel geht, weil der Euro auf der Kippe steht? Suchen Sie jetzt in China nach "neuen" Dummen? Wollen sie jetzt das billige Euro-Geld in China "gewinnbringend" anlegen? Also wenn solche ausländischen "Investoren" von sauberen Geschäften reden, kann man nur Angst bekommen. Da kann man nur sagen: Vorsicht!! und nach Konfuzius: "Erzähle mir die Vergangenheit und ich werde die Zukunft erkennen."
3. 7% Wachstum sind notwendig?
allblick 12.11.2012
solange 1 1 = alles meins gerechnet wie es bei Investoren üblich ist, wird sich dadurch kaum eine Erhöhung des Wachstum erreichen lassen. Wachstum = Angebot Nachfrage und Investoren erhalten zwar meist Angebote, zerstören aber massiv Nachfrage . Im Westen wurde durch Investitionen noch nie langfristiges Wachstum geschaffen. Im Gegenteil der nachhaltige Wirtschaftskreislauf wurde zerstört. Investments bedeutet nichts anders als kurzfristige Gewinne für Investoren auf Kosten der Gesellschaft und Demokratie.
4. nachhaltig + 7% sind nicht durch
allblick 12.11.2012
Zitat von allblicksolange 1 1 = alles meins gerechnet wie es bei Investoren üblich ist, wird sich dadurch kaum eine Erhöhung des Wachstum erreichen lassen. Wachstum = Angebot Nachfrage und Investoren erhalten zwar meist Angebote, zerstören aber massiv Nachfrage . Im Westen wurde durch Investitionen noch nie langfristiges Wachstum geschaffen. Im Gegenteil der nachhaltige Wirtschaftskreislauf wurde zerstört. Investments bedeutet nichts anders als kurzfristige Gewinne für Investoren auf Kosten der Gesellschaft und Demokratie.
Aus mir unbekannten Gründen wird das Plus-Zeichen in meinem Beitrag nicht dargestellt. Hier die Korrektor: Investitionen zu schaffen. solange 1 plus 1 = alles meins gerechnet wie es bei Investoren üblich ist, wird sich dadurch kaum eine Erhöhung des Wachstum erreichen lassen. Wachstum = Angebot plus Nachfrage. Im Westen wurde durch Investitionen noch nie langfristiges Wachstum geschaffen. Im Gegenteil der nachhaltige Wirtschaftskreislauf wurde zerstört. Investments bedeutet nichts anders als kurzfristige Gewinne für Investoren auf Kosten der Gesellschaft und Demokratie.
5. optional
LeisureSuitLenny 12.11.2012
Die Chinesen haben so hohe moralische Werte und halten sich so vorbildlich an alle nationalen und internationalen Bestimmungen. Dort wird unser Geld absolut sicher sein ! Wir sollten auch das deutsche Gold - also das virtuelle, das wir nicht sehen dürfen - nach China verlegen.
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