Wirtschaftsgespräche mit den USA: China verspricht Öffnung seines Kapitalmarkts

Ob Brokerhäuser, Terminkontrakte oder Autoversicherungen: Bei Spitzengesprächen mit den USA hat China offenbar eine Reihe von Lockerungen des heimischen Kapitalmarkts zugesagt. US-Vertreter sprechen von einem "sehr willkommenen Wandel".

Dollar- und Renminbi-Noten: Die chinesische Währung wird bislang künstlich niedrig gehalten Zur Großansicht
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Dollar- und Renminbi-Noten: Die chinesische Währung wird bislang künstlich niedrig gehalten

Hamburg - Wenn Ausländer in China investieren, müssen sie sich an strenge Vorgaben halten. Unternehmensgründungen sind nur als Joint Ventures mit chinesischen Partnern möglich, der chinesische Kapitalmarkt ist stark reglementiert. Doch mittlerweile ist die Regierung zu einer vorsichtigen Öffnung bereit, das zeigt sich nun auch bei chinesisch-amerikanischen Wirtschaftsberatungen in Peking. Dort sicherte die chinesische Seite weitere Liberalisierungen der Kapitalmärkte zu.

Die Regierung in Peking werde ausländischen Firmen einen größeren Zugang zum heimischen Wertpapierhandel gewähren, sagte ein US-Regierungsvertreter am Freitag. Die Obergrenze für eine Beteiligung von Brokern und anderen Handelshäusern an Gemeinschaftsunternehmen in China solle von 33 auf 49 Prozent angehoben werden.

Das liegt deutlich über einer Zusicherung von 20 Prozent, die China im Rahmen seiner Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation gegeben hat. Der US-Vertreter sprach von einem "sehr willkommenen Wandel". Zudem könnten die Joint Ventures künftig Terminkontrakte in China handeln. "Dies wird große Möglichkeiten eröffnen und dazu beitragen, Chinas Kapitalmärkte zu stärken."

Größeren Zugang will China laut US-Angaben auch zu seinem Markt für Autoversicherungen gewähren. Außerdem sei das Land bereit, über die Konditionen seiner Exportkredite zu verhandeln. Im Gegensatz zu den USA, den EU-Mitgliedsländern und zahlreichen weiteren Industriestaaten hat sich China bislang keinen gemeinsamen Regeln für die Finanzierung von Ausfuhren unterworfen. US-Firmen kritisieren dies als Wettbewerbsverzerrung.

Bedeutsam sind die angekündigten Liberalisierungen auch vor dem Hintergrund eines Richtungstreits innerhalb von Chinas Kommunistischer Partei. Während ein Teil der KP an einem staatlich gelenkten Wirtschaftsmodell festhalten will, plädieren andere Funktionäre für eine stärkere Öffnung. Zuletzt häuften sich die Anzeichen dafür, dass die Wirtschaftsreformer die Überhand gewinnen. Dafür sprechen auch Ankündigungen, eine Aufwertung der bislang künstlich niedrig gehaltenen chinesischen Währung Renminbi zuzulassen.

Überschattet wurden die Wirtschaftsgespräche durch die Kontroverse um den blinden chinesischen Menschenrechtsaktivisten Chen Guangcheng, der sich vorübergehend in die US-Botschaft geflüchtet hatte. Mittlerweile stellte die chinesische Regierung jedoch eine Ausreise von Chen in Aussicht.

dab/Reuters/AP

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1. Ist ja sehr schön!
lynx2 04.05.2012
Zitat von sysopOb Brokerhäuser, Terminkontrakte oder Autoversicherungen: Bei Spitzengesprächen mit den USA hat China offenbar eine Reihe von Lockerungen des heimischen Kapitalmarktes zugesagt. US-Vertreter sprechen von einem "sehr willkommenen Wandel". China öffnet seinen Kapitalmarkt, USA loben den Wandel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,831335,00.html)
Es geht um die Optimierung kapitalistischer Profitinstrumente unter der Ägide einer Diktatur. Klar ist das für die Amis willkommen. Und für die schmarotzenden chinesischen Funktionärskader ebenfalls. Menschenrechte? Momentan kein Thema. Wenn Chen ausreisen darf, ist für die Amis die Welt wieder in Ordnung und man kann daran gehen weiter Profit zu maximieren.
2. Schlechte Recherche
spiekla 04.05.2012
"Wenn Ausländer in China investieren, müssen sie sich an strenge Vorgaben halten..." Ich hatte von 1997-2000 eine mir zu 100% gehörende Produktionsfirma in Ningbo. Gründung, Verwaltung und Verkauf waren um den Faktor 10 einfacher und preisgünstiger als bei uns. Heute ist alles noch liberaler, was insbesondere den Chinesen entgegenkommt, die mit einem kleinen eigenen Betrieb anfangen. Die o.g. Restriktionen beziehen sich auf die Finanzwirtschaft, von der sich die Chinesen nicht so verarschen lassen wollen wie wir es zulassen.
3.
kvb1 04.05.2012
Es ist mittlerweile kein Problem mehr für ausländische Investoren ein Unternehmen in China zu gründen und aufzubauen. Es hängt zwar von der Art des Unternehmens ab, eine Produktionsfirma unterliegt beispielsweise einer anderen Regulation als eine Beratungsfirma, jedoch muss man mittlerweile nur noch in den seltensten fällen ein Joint Venture eingehen. Jedoch muss man hierzu noch erwähnen, dass sich Unternehmen nicht einfach so in China gründen lassen, man benötigt vorher ein Unternehmen im Ausland bevor man in China ein Unternehmen aufbauen kann.
4. Japan's Warnung
Taixinomee 04.05.2012
Die müssen aufpassen, sich nicht alles vom Westen aufschwatzen zu lassen. Sonst enden sie noch dort, wo Japan heute steht.
5.
Crom 04.05.2012
Zitat von TaixinomeeDie müssen aufpassen, sich nicht alles vom Westen aufschwatzen zu lassen. Sonst enden sie noch dort, wo Japan heute steht.
Japan ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt. Also mit der Perspektive lässt man sich gern was aufschwatzen.
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