China Pläne für Megastadt lösen Investoren-Run aus

Peking und zwei Nachbarregionen sollen zur größten Stadt der Welt verschmelzen. Neue Details zu dem Vorhaben ließen jetzt binnen Stunden die Grundstückspreise in die Höhe schießen. Investoren sollen sogar die Straßen der Region verstopft haben.

Hochhäuser in Peking
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Hochhäuser in Peking


Baupläne der chinesischen Regierung haben unter Investoren heftige Spekulationen ausgelöst. Am Samstag war überraschend bekannt geworden, dass in der Provinz Hebei, etwa 100 Kilometer von Peking, eine sogenannte Sonderwirtschaftszone entstehen soll. Anschließend hätten sich die Grundstückspreise auf dem Gebiet teils binnen Stunden verdoppelt, berichten chinesische Lokalmedien ohne genaue Quellenangabe. Andere Zeitungen melden, es seien so viele Investoren in die Region geströmt, dass sich der Verkehr gestaut habe.

Sonderwirtschaftszonen, in denen beispielsweise niedrigere Steuersätze oder weniger strenge Bedingungen für ausländische Investoren gelten, sind seit Langem ein beliebtes Mittel der chinesischen Regierung, um die Wirtschaft in bestimmten Regionen des Landes anzukurbeln. Die Bekanntmachung vom Samstag ist Teil eines Plans, die größte Stadt der Welt zu bauen. Zu dem neuen Ballungszentrum gehören die Hauptstadt Peking, die Hafenstadt Tianjin und die Provinz Hebei. Der Name Jing-Jin-Ji ist ein Kürzel aus den Städtenamen Beijing, Tianjin und dem historischen Namen für Hebei, "Ji".

Jing-Jin-Ji soll ein Gebiet von 212.000 Quadratkilometern umfassen und ist damit doppelt so groß wie Südkorea. Schon jetzt leben dort rund 110 Millionen Menschen. Bei Abschluss des Stadtprojekts sollen es bis zu 130 Millionen Einwohner sein.

Skizze von Chinas geplanter Megastadt
SPIEGEL ONLINE

Skizze von Chinas geplanter Megastadt

Die Sonderwirtschaftszone - Xiongan genannt - soll die Integration der ökonomisch, gesellschaftlich und kulturell sehr unterschiedlichen Regionen vorantreiben. Sie könnte ein Areal von rund 2000 Quadratkilometern umfassen. Xiongan werde eine ähnliche Bedeutung bekommen wie die im Jahr 1980 gegründete Sonderwirtschaftszone Shenzhen, hieß es. Die Stadt, die seit nunmehr 37 Jahren ausländische Firmen mit lukrativen Bedingungen ins Land lockt, gilt als wichtige Keimzelle von Chinas Wirtschaftswunder. Einst war Shenzhen ein verschlafenes Fischerdorf.

ssu



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d.oldendorf 04.04.2017
1. Megakranke Megastadt
Ein weiterer Schritt hin zu megakranken Verhältnissen mit unglücklichen Menschen in unzumutbaren Lebensumständen in überflüssigen Betonwüsten. Und alles nur, um aus diesem Land und Volk noch mehr vermeintlichen Reichtum herauszuquetschen. Die Produktionszahlen schadstoffbelasteter Gummienten und anderem "Chinascheiss" werden bombastisch sein und erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet ... na ja, wie bereits allseits bekannt und häufig zitiert ...
Msc 04.04.2017
2.
Zitat von d.oldendorfEin weiterer Schritt hin zu megakranken Verhältnissen mit unglücklichen Menschen in unzumutbaren Lebensumständen in überflüssigen Betonwüsten. Und alles nur, um aus diesem Land und Volk noch mehr vermeintlichen Reichtum herauszuquetschen. Die Produktionszahlen schadstoffbelasteter Gummienten und anderem "Chinascheiss" werden bombastisch sein und erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet ... na ja, wie bereits allseits bekannt und häufig zitiert ...
Keine Sorge, in spätestens 50 Jahren muss die Stadt eh aufgegeben werden. Die Wüste Gobi ist bereits auf 60km an Peking herangerückt und das wird sicher nicht zurückgehen, wenn das Klima sich weiter ändert und mehr Wasser für die ganzen Bewohner irgendwo herkommen muss. Ich würde definitiv kein Wohnhaus in der Region kaufen.
r.neal 04.04.2017
3. Wasser
Durch diese Megacity wird Peking buchstäblich das Wasser abgegraben. Los Angeles und Mexico City sind Beispiel für sinkenden Grundwasserspiegel
larsmach 04.04.2017
4. Das Ruhrgebiet ist in den USA größte Stadt Deutschlands - und ein Gruß aus Tokio
Eine "Stadt" ist das, was dort entstehen soll, mitnichten: Es ist schlicht ein multizentrales Stadtgebiet. Schon wer "in London" oder "in Berlin" wohnt, tut dies meist in seinem Kiez. Auch das Ruhrgebiet, in US Statistiken als "größte Stadt Deutschlands" bezeichnet, ist in dem Sinne keine Stadt. Und Zockerei gehört einfach zur chinesischen Seele. Kann man gut finden - oder auch nicht (siehe Exzesse an Börsen oder auf dem Neodym-Markt vor ein paar Jahren). Das Gelände des Kaiserpalasts in Tokio hat vor gar nicht langer Zeit so viel "Wert" gehabt, wie ganz Kalifornien (Vorschlag: Vielleicht sollte man diesen Satz zweimal, und langsam lesen!). Was danach geschah, ist globale Wirtschaftsgeschichte. Japan hat sich bis heute nicht davon erholt.
Frietjoff 04.04.2017
5.
Zitat von larsmachEine "Stadt" ist das, was dort entstehen soll, mitnichten: Es ist schlicht ein multizentrales Stadtgebiet. Schon wer "in London" oder "in Berlin" wohnt, tut dies meist in seinem Kiez. Auch das Ruhrgebiet, in US Statistiken als "größte Stadt Deutschlands" bezeichnet, ist in dem Sinne keine Stadt. Und Zockerei gehört einfach zur chinesischen Seele. Kann man gut finden - oder auch nicht (siehe Exzesse an Börsen oder auf dem Neodym-Markt vor ein paar Jahren). Das Gelände des Kaiserpalasts in Tokio hat vor gar nicht langer Zeit so viel "Wert" gehabt, wie ganz Kalifornien (Vorschlag: Vielleicht sollte man diesen Satz zweimal, und langsam lesen!). Was danach geschah, ist globale Wirtschaftsgeschichte. Japan hat sich bis heute nicht davon erholt.
Na ja. Ich kenne etliche Londoner und noch mehr Berliner. Keiner von denen bewegt sich (regelmäßig) nur in seinem Viertel. Eher ist es doch so: die Familie wohnt in A, er arbeitet in B, sie in C und selbst wenn die Kids in A zur Schule gehen, gehen sie in D zum Turnen oder Kunst oder wer weiß wohin. Und am Wochenende werden dann E, F und G regelmäßig genutzt und H-M immer mal wieder. Und von welchem Sinn der Stadt redest du eigentlich? Dass die politischen kommunalen Grenzen die Menschen nicht davon abhalten, sie zum Arbeiten, Schlafen, zu Bildung und Erholung zu überqueren, sollte klar sein. Wichtig ist doch nur die Fahrzeit und die Attraktivität von Angeboten direkt bei mir und weiter weg. Da wägt der Mensch ab. Bewegen sich viele regelmäßig in einer Region, ist das eben ein Ballungsraum, der so funktioniert wie im Mittelalter eine Stadt. Ob dass nun (Groß-)Berlin ist oder Boston (das seine Vororte nie eingemeindet hat), ist den Menschen doch egal.
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