Chinas Premier über Wirtschaftskrise "Keine harte Landung"

Verliert Chinas Wirtschaft weiter an Schwung? Premier Li Keqiang ist bemüht, die ausländischen Investoren zu beruhigen. Erfolg beim Yuan hat er nicht. Der Kurs der Währung bricht ein.

Peking
REUTERS

Peking


Chinas Ministerpräsident Li Keqiang versucht, Sorgen über ein langsameres Wachstum und eine hohe Schuldenlast seines Landes zu zerstreuen. "Die chinesische Wirtschaft wird sich nicht auf eine harte Landung zubewegen", sagte der Premier auf dem "Sommer-Davos" genannten Weltwirtschaftsforum in Tianjin, unweit von Peking.

Li Keqiang untermauerte dies mit Zahlen. Sein Land werde das Wachstumsziel von 6,5 bis 7 Prozent und alle anderen Vorgaben in diesem Jahr erreichen.

Die Weltwirtschaft werde sich aber nicht so schnell erholen wie gedacht und - der geplante Ausstieg Großbritanniens verstärke noch die Unsicherheiten. "Wir müssen die Herausforderungen gemeinsam angehen und ein stabiles internationales Umfeld schaffen", sagte der Premier. Europa sei ein wichtiger Partner für China, das seine Beziehungen sowohl mit der Europäischen Union als auch mit Großbritannien weiter ausbauen wolle, bekräftigte Li Keqiang, ohne das weiter auszuführen. Am Vortag hatte Vizeaußenminister Li Baodong noch vor Panik gewarnt.

Fusion zweier Stahlkonzerne angekündigt

Das Brexit-Votum der Briten hat auch die Finanzmärkte in China stark bewegt. Chinas Yuan fiel auf 6,6389 Dollar - den tiefsten Stand seit Dezember 2010.

Li Keqiang umwarb in seiner Rede die Investoren und die anderen Teilnehmer des jährlichen Treffens, das zum zehnten Mal in China stattfindet. Er räumte ein, dass der Druck auf die chinesische Wirtschaft weiter zunehme. Es gebe aber "mehr Hoffnung als Schwierigkeiten". Obwohl die Exporte seit Jahresanfang zurückgegangen seien, habe sich die Wirtschaft auf die heimische Nachfrage stützen können.

Die Schuldenlast der Zentralregierung sei im internationalen Vergleich noch gering, was Raum für eine proaktive Haushaltspolitik biete. China sei auch in der Lage, "systemische Risiken abzuwehren". "Kurzfristige Fluktuationen sind unvermeidlich", sagte Li. China werde seine Überkapazitäten in veralteten Industrien wie der Stahl- und Kohlebranche abbauen.

Passend zu dieser Ankündigung gaben zwei Stahlkonzerne des Landes bekannt, fusionieren zu wollen: Baosteel, Nummer fünf der Welt, und die Wuhan-Gruppe, Nummer elf, planen zusammenzugehen. Baosteel produzierte im vergangenen Jahr 36,1 Millionen Tonnen Stahl. Das ist nach Angaben des Weltstahlverbands so viel wie die in Brasilien produzierte Menge und dreimal so viel wie der in Großbritannien hergestellte Stahl.

msc/dpa/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
darthmax 27.06.2016
1. Wachstum
Angaben über Wachstum sind ernsthaft zu bezweifeln bei Rückgang des Energieverbrauches. Da scheint die Politik das Wachstum zu bestimmen, nicht die Realität.
auweia 27.06.2016
2. Berechtigter Grund
Zitat von darthmaxAngaben über Wachstum sind ernsthaft zu bezweifeln bei Rückgang des Energieverbrauches. Da scheint die Politik das Wachstum zu bestimmen, nicht die Realität.
Es besteht berechtigter Grund an den offiziellen chinesischen Wirtschaftszahlen zu zweifeln. Aber können Sie die Sache mit dem Energieverbrauchsrückgang etwas weiter ausführen? Hier scheinen mir doch viele Faktoren mitzuspielen, u.a. Menge an importiertem Öl, Produzierte KW, Produktion der Kohleminen, Anzahl der Wind- und Solarenergieanlagen, Einbau effizienterer Aggregate...
naklar261 27.06.2016
3. hm...china macht sich bereit?
eventuel moechte china ja gerne mehr in England investieren?
90-grad 27.06.2016
4. Der CNY bricht ein?
Woher nimmt der Autor das? Vor 2008 war der Wechselkurs zum USD bei 8+ per USD fixiert. Danach hat China permanent über Jahre den CNY aufgewertet, wie von den USA immer verlangt. Das ging dann bis ca. 6.2 per USD. Die Abwertung des CNY in 2015 brachten einen Kurs von ca. 6,5 per USD, und aktuell steht der Wert bei 6,64 CNY pro USD. Was hauptsächlich der Steigerung des USD in den letzten Tagen gegenüber EUR, Pfund, etc. wg. des Brexit zuzuordnen ist. Die entsprechenden Charts sind überall im Internet zu finden. Es ist schlicht dreist so "billige" Desinformation und Demagogie auch im SPON zu finden. PS: Das ist das gleiche Strickmuster, das in GB zum Brexit führte. Halbwahrheiten und Lügen.
90-grad 27.06.2016
5. Beim derzeitigen
Zitat von naklar261eventuel moechte china ja gerne mehr in England investieren?
Verfall des Pfunds und des EUR sicher kein schlechter Gedanke. Für Länder mit seit Jahren eher stabilen Währungen bieten sich da sicher Chancen. Speziell wenn man auch noch über erhebliche Rücklagen in USD verfügt, der bekanntlich z.Zt. einen Höhenflug dank Brexit hinlegt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.