Konjunkturschwäche Stimmung in Chinas Industrie verschlechtert sich

Unternehmen bauen Jobs ab, die Nachfrage bleibt schwach: Die Krise der Industrie drückt Chinas Wirtschaftsdaten. US-Hedgefonds wetten bereits gegen den Yuan.

Arbeiter in chinesischem Renault-Werk: Wirtschaft schwächelt weiter
AFP

Arbeiter in chinesischem Renault-Werk: Wirtschaft schwächelt weiter


Die chinesische Industrie ist auch zu Jahresbeginn geschrumpft. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Sektor sank im Januar überraschend stark auf 49,4 Punkte und damit noch weiter unter die kritische Marke von 50 Zählern. Werte unterhalb dieser sogenannten Expansionsschwelle deuten auf eine Schrumpfung der Industrie hin.

Der offizielle Einkaufsmanagerindex für die Industrie (PMI) beruht auf einer Umfrage bei 3000 relativ großen Unternehmen. Auch ein weiterer Konjunkturindikator, der Index der Mediengruppe Caixin, der die Privatwirtschaft sowie kleine und mittlere Unternehmen stärker berücksichtigt, zeigt ein Schrumpfen der Branche an. Er lag mit nun 48,4 Punkten allerdings höher als im Vormonat. Die chinesischen Aktienmärkte starteten nach der Veröffentlichung der Indikatoren mit deutlichen Verlusten in die Handelswoche.

Die Industrie Chinas kämpft mit fallenden Preise und einer schwachen Auslastung von Stahlhütten oder Kraftwerken. Die Volksrepublik baue in vielen Branchen die Kapazität stark ab, sagte Commerzbank-Volkswirt Zhou Hao. Dies könne mit der Zeit den Druck auch auf die Rohstoffpreise erhöhen.

Baustelle im Zentrum Pekings: Zeichen stehen auf Schrumpfung
DPA

Baustelle im Zentrum Pekings: Zeichen stehen auf Schrumpfung

Hoffnungssektor Dienstleistungen

Der Chefökonom von Caixin, He Fan, sagte, die Wirtschaft gehe weiter durch eine Talsohle. Die Bemühungen, Überkapazitäten abzubauen, begännen gerade erst zu wirken. Immerhin habe der langsamere Rückgang neuer Aufträge den Index leicht steigen lassen. Die chinesische Wirtschaft stehe angesichts anhaltender globaler Turbulenzen weiter enorm unter Druck, sagte der Caixin-Ökonom.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass die geplante Verkleinerung der Stahlindustrie bis zu 400.000 Arbeitsplätze kosten könnte. Die nun veröffentlichten Indizes deuten ebenfalls darauf hin, dass Unternehmen Stellen streichen und die Nachfrage schwach bleibt.

Ein Lichtblick für die chinesische Wirtschaft bleibt indes die Dienstleistungsbranche, die bereits 2015 einen wichtigen Beitrag zum Wachstum leistete und wo viele Stellen geschaffen wurden. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Sektor fiel im Januar zwar von 54,4 auf 53,5 Punkte. Dieser Wert signalisiert aber ein deutliches Wachstum.

Wetten gegen Yuan

Die Führung in Peking muss sich womöglich auch mit einer anderen Gefahr auf den Finanzmärkten auseinandersetzen. Laut "Wall Street Journal" wetten einige große Hedgefonds auf einen Rückgang des Yuans im Vergleich zum Dollar. So besitze Greenlight Capital Optionen, die sich bei einer Schwäche der chinesischen Währung auszahlten. Der Fonds Hayman Capital Management habe 85 Prozent seines Portfolios in Wetten gegen Yuan und Hongkong-Dollar investiert. Auch einige namhafte Fondsmanager hätten sich gegen den Yuan positioniert, berichtet die Zeitung.

Die chinesische Währung ist unter Druck, weil die Wirtschaft der Volksrepublik so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr wächst, es seit Monaten an den Finanzmärkten starke Kursausschläge gibt und viel Kapital ins Ausland fließt. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen wieder erhöht hat.

fdi/Reuters/dpa-AFX



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insgesamt 52 Beiträge
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analyse 01.02.2016
1. Ist doch alles nicht so schlimm,wenn allen Chinesen
ein bedingungsloses Grundgehalt von sagen wir mal,1000 Dollar pro Monat ausgezahlt wird.Ganz einfach !
sag-geschwind 01.02.2016
2. Herdentrieb
Wenn Sie den Herdentrieb gegen den Yuan füttern, möchten Sie dann evtl. noch erwähnen, dass Soros auch gegen den US-Aktienmarkt wettet?
brietzel 01.02.2016
3.
Haha :) Die 3 auf dem Titelbild könnten auch die chinesische "Olsenbande" sein :D
Beat Adler 01.02.2016
4. Gemischter Kenndatensalat aus China
Die volkswirtschaftlichen Kennzahlen, welche aus China zu uns Medienkonsumenten gelangen, ob aus offiziellen Quellen, oder privaten, oder von sogenannten Experten, sind einfach nicht stimmig. Wie kann eine exportorientierte Volkswirtschaft um 6,9% wachsen, wenn die Exporte gleichzeitig schrumpfen? Wenn die Firmen der Geiz-ist-geil-Warengruppen ihre Produktion aus China in andere Staaten mit heute noch viel niedrigeren Loehnen verlegen? Wenn die Ueberproduktion von (Bau)Stahl und Zement zu Preisabschlaegen fuehrt, ein Zeichen der schwachen Bautaetigkeit, trotzdem zum Wirtschaftswachstum beitraegt? Es gibt noch viele zusaetzliche Beispiele (Wechselkurs, Inflation, Kapitalflucht, Reservenveraenderung, Zinssaetze, etc.) die einfach logisch betrachtet, nicht aufgehen und deswegen das Wachstum, offiziell 6.9% fuer 2015 gegenueber 2014 anzweifeln lassen. mfG Beat
Hoss_Cartwright 01.02.2016
5. Wenn dier Stahlindustrie schrumpft
wird vielleicht auch die Luft in Peking wieder besser. eine gute Gelegenheit, veraltete Technologie abzulösen. Aber was hier als Schrumpfung bezeichnet wird, ist lediglich eine Schrumpfung des Wachstums, welches sich mit ca. 6% deutlich über den Werten bewegt, die wir jemals noch erreichen werden. Lediglich die turbokapitalistischen Hedgefonds sind mit ihren gigantischen Geldvolumen, die sie bewegen können eine echte Gefahr für jede Wirtschaft dieser Welt.
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