Wirtschaftskrise China verliert 100 Milliarden Dollar Reserven - in einem Monat

Noch ist China größter Gläubiger der Welt, doch wirtschaftliche Probleme nagen am Billionenschatz des Landes. Allein im Dezember sanken die Devisenreserven um einen gigantischen Betrag.

Chinesische Passanten vor Dollarnote: Währungsreserven sinken
AP/dpa

Chinesische Passanten vor Dollarnote: Währungsreserven sinken


Als Exportweltmeister sammelt China große Summen an ausländischen Währungen ein. Statt damit selbst Güter und Dienstleistungen zu importieren, investiert China große Summen in ausländische Anleihen. Seine Reserven von umgerechnet mehr als drei Billionen Dollar machen das Land zum größten Gläubiger der Welt.

Doch die Turbulenzen an den chinesischen Börsen und die Rettungsaktionen der Regierung fressen sich tief in die ausländischen Währungsreserven der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt: Laut Daten der Zentralbank in Peking sanken sie allein im Dezember um 107,9 Milliarden auf 3,33 Billionen Dollar.

Von einer Pleite ist das Land also noch sehr weit entfernt. Doch der Absturz ist rapide: Im Gesamtjahr 2015 fielen die Reserven um mehr als eine halbe Billion Dollar.

Soros zieht Vergleich zur Weltfinanzkrise

Experten erklären den starken Rückgang zum einen mit Kapitalabflüssen wegen der gegenwärtigen Wirtschaftsschwäche Chinas. Zum anderen werden Markteingriffe der Notenbank als Grund genannt, mit denen die Abwertung der Landeswährung Yuan abgefedert werden soll.

Das dürfte nicht das Ende sein: Seit Jahresanfang rutschen die chinesischen Börsen wieder deutlich ins Minus. Die Regierung pumpte am Dienstag weitere 19 Milliarden Dollar in den Markt. Ohne Erfolg: Am heutigen Donnerstag musste der Handel erneut gestoppt werden.

Auch in Deutschland fielen die Aktienkurse drastisch: Der Dax brach zeitweise um mehr als drei Prozent ein. Wenn China schwächelt, so die Sorge der Investoren, dann wird darunter die gesamte Weltwirtschaft leiden.

Manch einer sieht sogar ganz düstere Zeiten hinaufziehen. "China hat ein großes Anpassungsproblem. Es kommt einer Krise gleich", sagte der legendäre Investor George Soros bei einer Rede in Sri Lanka. "Wenn ich auf die Märkte blicke, sehe ich eine Herausforderung, die mich an die Finanzkrise des Jahres 2008 erinnert."

ade/Reuters



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insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
tomxxx 07.01.2016
1. Teilweise sind da wohl aber auch...
Währungskurseffekte mit enthalten. Wenn Währungen gegenüber dem Dollar abwerten und die Chinesen ihre Zahlen im Gegenwert von US-$ veröffentlichen, dann kann ein Rückgang teilweise auch einfach an Kursschwankungen liegen. würden die Chinesen die Reserven in ihrer eigenen Währung angeben, wäre wahrscheinlich alles gut!!! ;-) (das Problem kennt z.B. die Schweizer Nationalbank)
linksklick 07.01.2016
2. Dieses Geld gab es nie wirklich
Die Chinesische Börse ist nichts weiter als ein ein Hort für Zocker und andere Betrüger. Alles nur Buchgeld - oder wie war das mit dem Sack Reis?
besucher-12345 07.01.2016
3. Wer gewinnt im Moment?
Anders als zuvor hat derzeit nicht nur China hohe Abflüsse zu verkraften, sondern als Folge des niedrigen Ölpreises auch Länder wie Saudi-Arabien oder Russland. Damit stellt sich die Frage, welche Länder haben gewonnen? (Deutschland sicherlich als Folge der niedrigeren Öleinfuhren), aber wer noch in diesen Dimensionen?
h.hass 07.01.2016
4.
Für China gelten eben dieselben ökonomischen Gesetze wie für andere Länder auch. Wie oft waren hier im Forum schon Jubelarien auf das chinesische Wirtschaftswunder zu lesen; da wurde der Eindruck erzeugt, dass der westliche Wirtschaftsraum kurz davor sei, vom allmächtigen Reich der Mitte endgültig abgehängt zu werden. Jetzt zeigt sich, dass China fundamentale Probleme hat, die bloß jahre- und jahrzehntelang unterm Deckel gehalten wurden. Umweltverschmutzung, Korruption, keine demokratischen Strukturen, daher allumfassende juristische Willkür und Rechtsunsicherheit, keine fehlende Presse, die als Korrektiv Fehlentwicklungen benennen könte... und und und. Das alles fällt dem Land nach und vor die Füße.
stefan.p1 07.01.2016
5. Guter sachlicher Artikel
und die Frage sei noch erlaubt: wem schadet die Chinesische Schwäche mehr? Uns oder China.
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