Hilfe und Geschäfte China will 60 Milliarden Dollar in Afrika investieren

Die chinesische Führung verspricht dem afrikanischen Kontinent gigantische finanzielle Unterstützung: Präsident Xi Jinping kündigte Investitionen in Höhe von 60 Milliarden Dollar an - 15 Milliarden davon als "Hilfen und zinslose Kredite".

Chinas Präsident Xi Jinping bei Besuch im Senegal (Archivfoto Juni 2018)
REUTERS

Chinas Präsident Xi Jinping bei Besuch im Senegal (Archivfoto Juni 2018)


China forciert seine Strategie als einflussreicher Investor auf dem afrikanischen Kontinent. Die Volksrepublik will den Staaten dort mit 60 Milliarden Dollar (umgerechnet 51,7 Milliarden Euro) unter die Arme greifen. Präsident Xi Jinping kündigte zum Auftakt des China-Afrika-Gipfels in Peking an, in dem Paket seien 15 Milliarden Dollar als "Hilfen und zinslose Kredite" vorgesehen.

Dazu eine Kreditlinie von 20 Milliarden Dollar, einen zehn Milliarden Dollar schweren Spezialfonds für die China-Afrika-Entwicklung sowie einen mit fünf Milliarden Dollar gefüllten Topf für Importe aus Afrika. Zudem sollen chinesische Unternehmen ermuntert werden, in den kommenden drei Jahren mindestens zehn Milliarden Dollar auf dem Kontinent zu investieren.

"Wir begrüßen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung", sagte Xi vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs aus afrikanischen Staaten in Pekings Großer Halle des Volkes.

China investiert schon seit vielen Jahren in Afrika und hat in dem Kontinent eine Quelle für dringend benötigte Rohstoffe gefunden. Doch auch als Absatzmarkt rückt die wachsende afrikanische Mittelschicht für die Chinesen immer mehr in den Fokus. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden Dollar (146,4 Milliarden Euro) hat China sowohl die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des afrikanischen Kontinents hinter sich gelassen.

Vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Handelsstreits mit den USA steht die Suche nach neuen Märkten für die Führung in Peking umso höher auf der Prioritätenliste.

An dem zweitägigen Forum zur Zusammenarbeit zwischen China und Afrika nehmen zahlreiche afrikanische Staatsoberhäupter teil. Xi hatte bei einem Treffen mit afrikanischen Spitzenpolitikern und Geschäftsleuten versichert, Chinas Investitionen in Afrika seien an keinerlei politische Bedingungen geknüpft. Es gehe Peking um Entwicklungszusammenarbeit.

"Die Zusammenarbeit Chinas und Afrika muss beiden Seiten messbare Erfolge bringen und dieser Erfolg muss spürbar werden", sagte Xi. Chinesische Offizielle hatte betont, dass man vorsichtiger sein werde bei der Auswahl der geförderten Projekte. Xi sagte demnach, China wolle keine Prestigeprojekte finanzieren, sondern dort ansetzen, wo das Geld am meisten bringe. "Fehlende Infrastruktur gilt als größtes Hindernis für den Fortschritt in Afrika", sagte Xi.

Er ging auch auf die Kritik vieler afrikanischer Länder ein, dass China bei Großprojekten vor allem eigene Arbeiter beschäftige und wenig Know-how in den afrikanischen Staaten verbleibe. Xi sagte zu, dass man künftig mehr Menschen ausbilden und das Leben der lokalen Bevölkerung verbessern wolle.

Bereits beim vorangegangenen Gipfel vor drei Jahren in Südafrika hatte China ein Paket von 60 Milliarden Dollar geschnürt.

Europa hat keine Afrikastrategie

Vor fünf Jahren hat Xi den Bau einer Neuen Seidenstraße eingeleitet, mit der neue Wirtschaftskorridore von China nach Südostasien, Europa und Afrika entstehen sollen. Peking wirbt damit, dass durch chinesische Kredite Beschäftigung und Wachstum angekurbelt würden. Kritiker mahnen dagegen, dass die Projekte zu einer Schuldenfalle für beteiligte Staaten werden könnten, die so abhängiger von China würden.

In Sachen Afrikastrategie ist die chinesische Führung den USA und auch den Europäern weit voraus. Deutschland und andere Staaten haben zwar vor Kurzen damit begonnen, ihr Engagement in Afrika zu vergrößern. Von einem gemeinsamen europäischen Vorgehen kann aber bislang keine Rede sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel war zuletzt drei Tage lang in Westafrika unterwegs. Dabei stand vor allem das Thema Migration im Zentrum der Gespräche. Auch Wirtschaftsbeziehungen waren Thema: Die deutsche Wirtschaft erwartet 2018 Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent von einer Milliarde Euro.

Das Engagement von China in Afrika umfasst den Bau von Regierungsgebäuden, Fußballstadien, Zugstrecken, Flughäfen, Kasernen und Raffinerien. In Sambia, Äthiopien, Gabun, Kamerun und Ghana sind mit chinesischer Hilfe Staudämme entstanden. Chinesische Investoren finanzieren sogar ganze Städte. In Südafrika will die Shanghai Zendai Group mit rund 8 Milliarden US-Dollar in der Nähe der Wirtschaftsmetropole Johannesburg ein "New York von Afrika" bauen, das in den nächsten 15 Jahren 200.000 Jobs schaffen soll.

mmq/dpa/Reuters/AFP



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K. Larname 03.09.2018
1.
Zitat: "Europa hat keine Afrika-Strategie" Traurig, aber wahr. Der übliche Aktionismus bräsiger West-Politik. "Oh, die Chinesen, wir müssen handeln!".
so-long 03.09.2018
2. Nichts neues
China ist da schon lange unterwegs. Und hat gute Karten: wer von den afrikanischen Staaten will sich wieder in Abhängigkeit ehemaliger Kolonialmächte geben, die nach dem fluchtartigen Verschwinden mehr oder weniger Chaos hinterließen? Das Geld holt sich China aus der Retorte, wenn der Schwindel platzt, haben wir alle etwas davon. Clever.
nadennmallos 03.09.2018
3. So geht's und nicht anders ...
... Europa beklagt sich (z.B. über die Flüchtlingswelle) und China handelt. Den Menschen vor Ort zu helfen ist der einzig gangbare Weg. Das China sich langfristig wirtschaftliche Vorteile davon verspricht ist klar und auch gerechtfertigt. Auf jeden Fall ein ziemlich sichere Win-Win-Situation für China und Afrika.
In-Golf 03.09.2018
4. Was Afrika braucht,
sind in der Tat viele Graswurzelkredite für Investitionen der Kleingewerbetreibenden, wobei die Investition die Sicherheit ist und kein Geld an den Kreditnehmer ausgezahlt wird, sondern nur die geprüften Rechnungen bezahlt werden. Erst dann kann sich der Erwerbstrieb, der Erfindungsreichtum und die Arbeitskraft der Menschen dort entfalten. Mit dem Erfolg, den man in China sah! Was China macht, ist ein guter Weg. Gebt den Armen nichts die Speisung und auch keinen Angelhaken, sondern einen Kredit für ein Fischerboot samt Netzen.
aggro_aggro 03.09.2018
5. Kolonialismus
Europa hat nach den Fehlern der Kolonialzeit die Afrikaner samt den künstlichen Grenzen und bevor- und benachteiligten Volksgruppen alleingelassen. Die Chinesen stoßen in die Lücke und versuchen alles besser zu machen. Vielleicht schaffen sie es und etablieren sich nach Europa und den USA als neue Führungsmacht der Welt. Warum Europa die geographische und teils sprachliche Nähe nicht ausnutzt ist mir nicht klar. Man könnte zum Beispiel 1000 moderne Müllverbrennungskraftwerke bauen und damit 99% des Kunsstoffmülls in Strom umwandeln. Oder Berufsschulen bauen, in denen man nach erfolgreicher fachlicher und sprachlicher Qualifikation (befristete) Arbeitsvisa für Europa erhalten kann - oder eben gut ausgebildet in Afrika bleibt. Nur Grundschulen aus Spendengeldern bauen ist doch Elendsverwaltung.
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