"Es gibt keine Gewinner" China warnt USA vor Handelskrieg

Donald Trump hat China mit Strafzöllen gedroht, aus der Volksrepublik kam daraufhin nur eine verklausulierte Warnung. Zum Abschluss der Volkskongress-Tagung wurde Regierungschef Li Keqiang nun deutlicher.

Li Keqiang beim Volkskongress in Peking
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Li Keqiang beim Volkskongress in Peking


Der chinesische Regierungschef Li Keqiang hat die USA vor einem Handelskrieg mit der Volksrepublik gewarnt. "Wir glauben, dass ein Handelskrieg niemandem nutzt, und niemand als Sieger aus einem Handelskrieg hervorgeht", sagte Li auf einer Pressekonferenz zum Abschluss der Tagung des Volkskongresses in Peking. Eine solche Auseinandersetzung widerspreche auch dem Handel an sich, der durch Konsultationen, Verhandlungen und Dialog geführt werde.

Der Premier mahnte zur Vernunft und warnte vor emotionalen Reaktionen. "Wir wollen keinen Handelskrieg erleben." China sei selbst nicht daran interessiert, dass andere Länder ein großes Handelsdefizit mit China hinnehmen müssten, und strebe eine ausgeglichene Bilanz von Exporten und Importen an, sagte Li.

Die USA hatten Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium aus mehreren Ländern einschließlich China angekündigt. US-Präsident Donald Trump erwägt zudem Importzölle von bis zu 60 Milliarden Dollar auf chinesische Waren. Er will damit nach Angaben aus dem Weißen Haus auf den Diebstahl intellektuellen Eigentums reagieren, den er China vorwirft.

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Nach Trumps Ankündigung gab es aus China zunächst nur eine verklausulierte Drohung: Die Volksrepublik werde nicht zulassen, dass sie zum Ziel von "Pfeilen der Widrigkeit" werde, hieß es in einem Leitartikel der Zeitung "China Daily". "Man sollte nicht vergessen, dass selbst die verspielteste Katze einen kratzen wird, wenn man sie über einen bestimmten Punkt hinaus provoziert."

Die US-Handelskammer sowie 45 amerikanische Wirtschaftsverbände haben Trump bereits vor einer Machtprobe mit China gewarnt.

Frankreich erwartet komplette Befreiung der EU von US-Schutzzöllen

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire erwartet nach eigenen Angaben, dass die EU komplett von den geplanten US-Zöllen auf Stahl und Aluminium befreit wird. Er berichtete am Montag von einem Gespräch mit seinem US-Kollegen Steven Mnuchin während des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der Gruppe der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) in Buenos Aires. "Ich habe Steven Mnuchin klargemacht, dass wir auf eine vollständige Befreiung der Europäischen Union als Ganzes von diesen neuen amerikanischen Zöllen warten", sagte er. "Ich glaube, das Ziel sollten wir erreichen. Es ist schwierig, nicht außer Reichweite."

Steven Mnuchin, Christine Lagarde, Bruno Le Maire
DPA

Steven Mnuchin, Christine Lagarde, Bruno Le Maire

In Washington hatte einige Stunden zuvor der neue Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit US-Handelsminister Wilbur Ross über die Strafzölle auf Stahl und Aluminium gesprochen. Altmaier sagte anschließend, er sehe noch "eine Chance", die Verhängung der neuen Zölle gegen die EU abzuwenden. Die von Trump ausgerufenen Zölle sollen ab Freitag greifen. Ausgenommen davon sind bislang nur Kanada und Mexiko, zudem hat Trump für Australien eine Ausnahmeregelung in Aussicht gestellt.

Altmaier wie auch Le Maire betonten, dass die Europäer keine Anstrengung auslassen wollten, um einen Handelskrieg mit den USA zu verhindern. "Ich kann Ihnen versichern, dass wir in den kommenden Stunden alles dafür tun werden, um zu einer Einigung zu kommen und am Ende zu erreichen, dass Europa von diesen Zöllen ausgenommen wird", sagte Le Maire nach seinem Treffen mit Mnuchin.

aar/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 48 Beiträge
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ihawk 20.03.2018
1. Wer droht hier wem?
China hat es in der Vergangenheit gemacht und ist in der Lage es wieder zu tun ... China ist in der Lage, den US$ auf dem internationalen Markt in den freien Fall zu schicken - dieses Argument kann auch Donald Trump nicht ignorieren.
oldman2016 20.03.2018
2. Wenn es ums Geld geht
Wenn es ums Geld geht, ist sich kein europäischer Politiker zu schade, um mit der sonst unbeliebten US-Regierung Gespräche zu führen. Es sollte zu denken geben, dass die Zahl der europäischen Politiker, die sich bei Assad persönlich um ein Ende des Krieges in Syrien bemühen, sehr überschaubar ist. Menschenleben sind allen Lippenbekenntnissen zum Trotz eben nicht so wichtig wie Geld. Und wenn wir schon bei Sanktionen sind, wann kommen nach den Sanktionen gegen Russland wegen der völkerrechtswidrigen Annektion der Krim denn nun die Sanktionen gegen China wegen der völkerrechtswidrigen Annektion Tibets?
jozu2 20.03.2018
3. In der Sache richtig, aber ...
Diese Kritik von einem Staat, der unauffällig alles aufkauft, für die Mißachtung geistigen Eigentums und staatliche Politkommissare in ansässigen Filialen bekannt ist? Messen die etwa mit zweierlei Maß?
WolfThieme 20.03.2018
4. Sehr lustig
Ausgerechnet China! Die haben den Handeslkrieg mit Einfuhrbeschränkungen, Kopieren von Produkten und der Flut von Billigwaren nach Europa doch erfunden.
zia-zaruba 20.03.2018
5. Nur mal angenommen,
China, auch die EU , vielleicht auch noch Mexiko würde geschlossen z.B. einen Monat, JEDEN Export in die USA aussetzen. Was wäre dann ? Könnte ein Experte diese Szene mal durchspielen ?
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